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Hintergrund: Schiiten und Sunniten, Brüder und Feinde

Euronews wirft im Zuge des neu aufflammenden Konflikts im Nahen Osten einen Blick auf die schiitische und sunnitische Welt.

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Hintergrund: Schiiten und Sunniten, Brüder und Feinde

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Iran, Libanon, Bahrain, Jemen: Im Nahen Osten haben sich konfessionelle Kämpfe und Gewalt ausgebreitet.

Teheran und Riad streiten schon lange um die Vormachtstellung. Die Hinrichtung des schiitischen Geistlichen Nimr al-Nimr am Samstag brachte das Fass zum Überlaufen. Der neue Konflikt in der unbeständigen Region könnte die gefährliche Kluft zwischen Sunniten und Schiiten weiter vergrößern.

Card Der schiitische Kleriker Nimr al-Nimr aus dem Iran wurde am Samstag in Saudi-Arabien zusammen mit 46 weiteren Menschen hingerichtet

Rund 10 Prozent aller Muslime sind Schiiten. Im Iran lebt die größte schiitische Bevölkerung, auch in Irak und Bahrain sind die Schiiten in der Mehrheit, zudem gibt es große schiitische Gemeinschaften in Kuwait, Jemen, Libanon und Katar.

Nimr al-Nimr forderte den Sturz der saudischen Königsfamilie, doch er verlangte von seinen Anhängern, keine Gewalt anzuwenden.

Seine Hinrichtung ist ein Symbol für die neue, harte Linie von Saudi-Arabien, um den iranischen Einfluss in der Region zu verringern.

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Genauso wie der Iran die schiitische Welt anführt, ist Saudi-Arabien das einflussreichste sunnitische Land. Eine mehrheitlich sunnitische Bevölkerung lebt in Ägypten, Jordanien, den Vereinten Arabischen Emiraten, Jemen, Syrien und Katar.

Als Amerikas wichtigster Verbündeter im Nahen Osten profitierte Saudi-Arabien von militärischer Hilfe durch die USA und übte einen Einfluss auf die US-Außenpolitik aus.

Die Machtverhältnisse verschoben sich im Jahr 2015, nach dem Atom-Deal mit dem Iran. Die Saudis fürchten nun, dass Iran mit seinen einst eingefrorenen Vermögenswerte und neuen Geschäftsmöglichkeiten schiitische Rebellengruppen unterstützt und neue Waffen kauft, um die sunnitischen Regierungen in der Region zu schwächen und seine expansive Politik weiterzuverfolgen.

Iran leistet bereits militärische Unterstützung für schiitische Milizen im Irak, für den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad und für die Huthi-Rebellen im Jemen.

Jemen ist das Paradebeispiel für den Stellvertreterkrieg zwischen Saudi-Arabien und Iran. Das Königreich führt eine regionale militärische Koalition an, die die hauptsächlich schiitischen Huthi-Rebellen bekämpft.

Der saudische König Salman rief die Regierungsoberhäupter der Golfstaaten dazu auf, sich gegen den Iran zu stellen, um gemeinsam gegen die Bedrohung der regionalen Stabilität, die vom Iran aufgezwungene Vorherrschaft und die religiöse Volksverhetzung vorzugehen.

Krieg ist Teil der kämpferischen Außenpolitik, die Saudi-Arabien verfolgt, seitdem Salman im vergangenen Januar zum König ernannt wurde. Sie richtet sich hauptsächlich gegen den Iran und all jene, die ihm nahestehen. Dazu gehören nicht nur die Huthi-Rebellen in Jemen, sondern auch Syrien, wo saudisches Geld und Waffen der Schlüssel zum Krieg der al-Kaida-nahen Milizen waren.

Der Krieg im Ausland wird kombiniert mit intensiver und abscheulicher Unterdrückung zu Hause. Das Regime in Saudi-Arabien ist jetzt schon auf dem besten Weg, die Anzahl der Hinrichtungen zu verdoppeln.