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Kippa-Diskussion in Frankreich: "Warum sollten wir uns verstecken?"

Nach dem Messerangriff auf einen jüdischen Lehrer in Marseille sind Vertreter von Juden in Frankreich uneinig über das Tragen der Kippa in der

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Kippa-Diskussion in Frankreich: "Warum sollten wir uns verstecken?"

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Nach dem Messerangriff auf einen jüdischen Lehrer in Marseille sind Vertreter von Juden in Frankreich uneinig über das Tragen der Kippa in der Öffentlichkeit.

Meinung

Wir dürfen kein Zeichen von Schwäche zeigen

Während Frankreichs Oberrabbiner Haïm Korsia für das sichtbare Tragen der Kopfbedeckung für gläubige jüdische Männer einsteht, empfiehlt das Oberhaupt der jüdischen Gemeinden in Marseille ein Ablegen der Kippa in der Öffentlichkeit.

Zvi Ammar ist Präsident des israelitischen Konsistoriums Marseille:

“Es ist unsere Pflicht, die Sicherheit unserer Gemeinschaft zu gewährleisten. Vielleicht müssen heutzutage auf ungewöhnliche Situationen außergewöhnliche Maßnahmen folgen.”

Christian Estrosi, Präsident der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur, erklärte:

“Ich verstehe die Bedenken, aber schlimmer ist, dass wir dem Feind gegenüber den Eindruck von Angst erwecken. Wir fürchten uns aber nicht. Wir dürfen kein Zeichen von Schwäche zeigen.”

Bereits im November war ebenfalls in Marseille ein Lehrer einer jüdischen Schule bei einem ähnlichen Angriff verletzt worden.

Auch insgesamt werden in Frankreich steigende Zahlen von Attacken gegen Juden oder jüdische Einrichtungen verzeichnet.

Juden in Marseille sind unterschiedlich besorgt:

“Mut ist gefragt… Aber gerade mit Kindern ist auch Vorsicht gefordert. Unglücklicherweise wird es ohne Kippa auch angenehmer sein.”

_“Ich bin nicht einverstanden mit dem, was gesagt wird. Wir sind jüdisch und stolz darauf. Warum sollten wir uns verstecken?”

“Ich habe die Kippa immer getragen und werde das auch in Zukunft so halten. Ich fürchte mich nicht mehr als vor 10 oder 15 Jahren.”

Die Polizei hatte nach der Attacke vom vergangenen Montag einen 15-Jährigen festgenommen, der sich auf Allah und die Miliz ISIL berief.

Der Teenager soll mit neuen Versuchen gedroht haben, Menschen jüdischen Glaubens zu ermorden.