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Türkei: Dramatische Szenen in Diyarbakir

Am Samstag haben in Diyarbakir im Südosten der Türkei wieder Tausende gegen die Ausgangssperre im historischen Stadtteil Sur protestiert

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Türkei: Dramatische Szenen in Diyarbakir

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Am Samstag haben in Diyarbakir im Südosten der Türkei wieder Tausende gegen die Ausgangssperre im historischen Stadtteil Sur protestiert. Sicherheitskräfte gingen mit Wasserwerfern gegen die Demonstranten vor. Zahlreiche Menschen wurden festgenommen.
Gewaltsam endende Solidaritätsdemonstrationen gibt es in der Kurdenmetropole Diyarbakir inzwischen an vielen Wochenenden.

Wegen der andauernden Militäroperation gegen die PKK dürfen die Bewohner von Sur ihre Häuser schon seit Anfang Dezember nicht verlassen. Die türkische Armee ist seit Monaten gegen die militanten Anhänger der von der Türkei, der EU und den USA als Terrororganisation eingestuften kurdischen Arbeiterpartei PKK im Einsatz.

Einige Demonstranten skandierten im Kosuyolu Park in Diyarbakir Pro-PKK-Parolen wie “Recht, Gesetz und Gerechtigkeit kommen mit der PKK” oder “Sur ist überall, der Widerstand ist überall”. Vom Dach eines Busses der Kurdenpartei HDP aus filmten Kameramänner das Geschehen.
Laut AFP wurden bei den Ausschreitungen mehrere Menschen verletzt und mindestens zehn Personen festgenommen.

Türkische Soldaten patroullieren weiterhin durch den Stadtteil Sur, der vom Rest von Diyarbakir abgeriegelt wurde.
Doch immer wieder geraten in Diyarbakir, aber genauso in Cizre und Silopi Zivilisten – auch ältere Menschen, Frauen und Kinder – zwischen die Fronten. Beobachter sprechen von bis zu 200 zivilen Todesopfern in dem Konflikt in den türkischen Kurdengebieten.
Laut offiziellen Angaben der türkischen Militärs wurden 237 PKK-Terroristen getötet. Zu den getöteten Zivilisten gibt es keine offiziellen Zahlen.

Eine niederländische Europa-Abgeordnete hat vor wenigen Tagen Diyarbakir besucht. Auf ihren Bildern ist eine zerstörte Stadt zu sehen.

Die Cumhuriyet-Journalistin Pinar Ögünç hat für “Die Zeit” beschrieben, wie die türkische Regierung in den Kurdengebieten gegen die Presse vorgeht. Ihr Bericht heißt Das Blut auf der eigenen Kamera. Zwei andere Journalisten von Cumhuriyet soll in einigen Wochen der Prozess gemacht werden, sie wurden aber zumindest aus der Untersuchungshaft entlassen.