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Al Bustan Festival: Shakespeare zu Besuch in Beirut

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Al Bustan Festival: Shakespeare zu Besuch in Beirut

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Shakespeare und die Musik: Das faszinierende Thema des diesjährigen Al Bustan Festivals in Beirut. Der Barde inspirierte viele Komponisten. Ihre Musik wird im Land der Zedern gespielt.

Shakespeare und die Musik: Das faszinierende Thema des diesjährigen Al Bustan Festivals in Beirut. Der Barde inspirierte viele Komponisten. Ihre Musik wird im Land der Zedern gespielt.

Meinung

Die universelle Sprache der Musik reißt Barrieren nieder. Sie spricht mit Noten und erweckt Gefühle. Für das Publikum ist das Konzert ein reinigender, erlösender Moment.

Der Libanon ist von mehreren Religionen und einer zum Teil blutigen Geschichte geprägt. Doch das Land ist auch reich an Kultur. In Beirut findet seit 23 Jahren das klassische Musikfestival Al Bustan statt. Selbst wenn Bomben fielen, wurde kein Konzert abgesagt.

Myrna Bustani hat das Festival gegründet. Sie engagiert sich auch in der Politik und war die erste gewählte Frau im libanesischen Parlament. Sie erzählt: “1991 bin ich aus Europa in den Libanon zurückgekehrt. Bei einem Besuch in Beirut bemerkte ich, dass klassische Musik fast nur bei Beerdigungen, nach einem Mord oder nach einem Bombenanschlag gespielt wurde. Ich war sehr schockiert und sagte mir: ‘Da muss etwas getan werden!’ Ich habe mehrere Freunde gefragt: ‘Was haltet ihr davon ein kleines Festival im Winter zu organisieren?’ Sie sagten mir: ‘Meinst du wirklich, dass Künstler bereit sein werden, in den Libanon zu kommen?’ Ich jedoch hatte immer das Gefühl, dass Künstler mutiger als andere Menschen sind.”

In diesem Jahr ist das Al Bustan Festival der Musik und Shakespeare gewidmet. Das 400. Todesjahr des Dramatikers ist ein guter Anlass, um an seine Werke zu erinnern. Das Programm ist sehr vielseitig und reicht von klassischen Opern wie Verdis oder Rossinis Otello bis hin zum japanischen Nô Theater.

Mendelssohns Mitternachtstraum darf natürlich nicht fehlen. Der Dirigent Gianluca Marcianò erklärt: “Mendelssohn hat eine anspruchsvolle Orchestrierung geschaffen und er hat genau Shakespeares Anweisungen befolgt. Die Musik ist wie eine Stickerei, es gibt unglaublich viele Details! Und sie sind sehr präzise. Der Schrei des Esels z.B. wird mit Streichinstrumenten ausgedrückt.”

Und eine Melodie ist weltberühmt: Der Hochzeitsmarsch von Mendelssohn. “Ab dem ersten Takt des Hochzeitsmarsches wird man von einem Gefühl des Glücks und des Friedens erfüllt. Es ist ein Marsch, aber es gibt sehr viele gefühlvolle Momente,” so Gianluca Marcianò.

Der Dirigent scheint dem Festival sehr verbunden zu sein: “Ich habe viel von Myrna gelernt. Dieses Festival hat sich immer weiter entwickelt. Sein Leitmotiv war stets die Hoffnung. Die universelle Sprache der Musik reißt Barrieren nieder. Sie spricht mit Noten und erweckt Gefühle. Für das Publikum ist das Konzert ein reinigender, erlösender Moment. Alle Probleme des täglichen Lebens verschwinden und sei es auch nur für kurze Zeit. Wir kehren zum Ursprung des Menschen zurück, zu den wahrhaftigen, tiefen Gefühlen.”

Das Al Bustan Festival, das Mitte Februar begonnen hat, dauert noch bis zum 20. März 2016.