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Kolumbien: Friedensgespräche mit Rebellen

Kolumbien leitet offizielle Friedensgespräche mit ELN-Rebellen ein, die Regierung in Bogotá will den seit Jahrzehnten andauernden Bürgerkrieg in dem

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Kolumbien: Friedensgespräche mit Rebellen

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Kolumbien leitet offizielle Friedensgespräche mit ELN-Rebellen ein, die Regierung in Bogotá will den seit Jahrzehnten andauernden Bürgerkrieg in dem südamerikanischen Land endgültig beenden. Die Friedensgespräche mit der linken Guerillaorganisation Farc stehen kurz vor dem Abschluss, jetzt bittet die kolumbianische Regierung auch die kleinere Rebellengruppe ELN an den Verhandlungstisch. Am Mittwoch einigten sich Unterhändler in der venezolanischen Hauptstadt Caracas auf die Eckpunkte der Friedensgespräche.

«Wir wollen dem Konflikt ein Ende setzen, die politische Gewalt beenden und die Situation der Opfer in den Mittelpunkt stellen», hieß es in einer gemeinsamen Erklärung.

Zur Verhandlung stehen ein Waffenstillstand, die Entschädigung der Opfer, Sicherheitsgarantien für ELN-Kämpfer und die politische Zukunft der Guerillaorganisation. Die Gespräche finden zunächst in Ecuador statt. Zudem soll es Verhandlungsrunden in Kuba, Brasilien, Chile und Venezuela geben.

Der kolumbianische Präsident Juan Manuel Santos sagte: «Mit Hoffnung streben
wir dem Ende des Konflikts in Kolumbien entgegen. Mehr als jemals zuvor sollten wir jetzt vereint sein, damit der Frieden Wirklichkeit wird.»

Die kolumbianische Regierung führt seit mehr als zwei Jahren Sondierungsgespräche mit der ELN. Zuletzt hatten die Rebellen als Zeichen des guten Willens mehrere Geiseln freigelassen. Allerdings startete die marxistische Guerilla zu Beginn des Jahres auch eine Militäroffensive. Die Gruppe soll rund 2000 Kämpfer haben und ist in fünf Regionen Kolumbiens aktiv. Im Bürgerkrieg zwischen staatlichen Sicherheitskräften, linken Rebellen und rechten Paramilitärs kamen in dem südamerikanischen Land bislang über 220 000 Menschen ums Leben, Millionen wurden vertrieben.

Hintergrund: Die marxistisch-leninistische Nationale Befreiungsarmee ELN ist die zweitgrößte Guerillaorganisation in Kolumbien. Die Rebellengruppe ist vor allem im Osten des Landes aktiv und verübt immer wieder Anschläge auf die Infrastruktur. Die ELN soll derzeit rund 2000 Kämpfer in ihren Reihen haben. Die Organisation wurde 1964 von Fabio Vásquez gegründet und orientierte sich zunächst stark am kubanischen Sozialismusmodell. Später schlossen sich viele von der Befreiungstheologie geprägte Geistliche der Gruppe an. Bis 1998 wurde die ELN von dem spanischen Priester Manuel Pérez geführt. Die Gruppe hat mehrfach versucht, mit der kolumbianischen Regierung ein Friedensabkommen auszuhandeln. Bislang scheiterten alle Bemühungen. Gegen die Führungsriege um den Kommandeur Nicolás Rodríguez alias «Gabino» liegen Haftbefehle wegen Terrorismus vor. Die Guerilla ist heute in Entführungen, Schutzgelderpressung und Drogenhandel verwickelt. Ihre Angriffe richten sich vor allem gegen Erdölpipelines und die Stromversorgung. Teilweise arbeitet die ELN mit kriminellen Banden und der größeren Rebellenorganisation Farc zusammen.