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Global Conversation: Roch Kaboré, Präsident von Burkina Faso

Roch Kaboré ist Präsident von Burkina Faso. Er wurde am 29. Dezember ins Amt eingeführt, die ersten 100 Tage seiner Präsidentschaft des

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Global Conversation: Roch Kaboré, Präsident von Burkina Faso

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Roch Kaboré ist Präsident von Burkina Faso. Er wurde am 29. Dezember ins Amt eingeführt, die ersten 100 Tage seiner Präsidentschaft des Westafrikanischen Staates sind um. Wir trafen uns bei seinem ersten Staatsbesuch in Paris.

Euronews:
Herr Präsident, Guten Tag und herzlich Willkommen bei Euronews.
Knapp zwei Wochen nach Beginn ihrer Präsidentschaft Ende Dezember wurde Burkina Faso von einem terroristischen Anschlag getroffen. Am 15. Januar schlug der Al – Qaida des islamischen Maghreb in der Hauptstradt Ouagadougou zu, tötete 30 Menschen. Herr Präsident, wie hat das Land auf diesen Angriff verkraftet?

Roch Kaboré:
Dank der Solidarität, der mit uns befreundeten Länder und unserer Nachbarn hat sich Burkina Faso schnell gefangen. Wir haben dem Terroismus nicht nachzugeben, haben uns nicht einschüchtern lassen. Wir müssen mit Einschränkungen leben, und wir werden alles Nötige tun um dem Terrorismus in unserem Land zu stoppen.

Euronews:
Was hat sich seit dem Angriff für die Menschen in Burkina Faso geändert?

Roch Kaboré:
Der Anschlag hat zwangsläufig das Verhalten der Bürger geändert: da ist mehr Wachsamkeit, viel mehr Aufmerksamkeit , es gibt mehr Sicherheitskräfte an zentralen Punkten, die die Sicherheit der Bürger gewährleisten .

Euronews:
Was können Sie tun um das einsickern von Kämpfern über die Grenzen zu verhindern, aus Mali zum Beispiel?

Roch Kaboré:
Wir setzen auf die Zusammenarbeit zwischen unseren Sicherheitskräften, Mali und Burkina Faso. Wir haben gemeinsame Patrouillen, aber Sie wissen, dass sind etwa 1000 Kilometer Grenze. Wir arbeiten mit Frankreich daran, die Unverletzlichkeit der Westafrikanischen Grenzen zu sichern.

Wer ist Roch Kaboré?

  • Staatspräsident des westafrikanischen Burkina Faso nach den ersten freien Wahlen seit Jahrzehnten im November 2015
  • Stammt aus einer Bankiersfamilie, studierte Wirtschaftswissenschaften in Frankreich und wurde 1984 Generaldirektor der Banque Internationale du Burkina
  • Seit 1989 Minister mit wechselnden Aufgabenbereichen, seit 1992 Parlamentsabgeordneter in der Fraktion des von 1987 bis 2014 regierenden Präsidenten Blaise Compaoré. Regierungschef seit 1994, aber sein Verhältnis zum Präsidenten kühlt ab und er tritt 1996 zurück
  • Ab 1999 Generalsekretär und Präsident der regierenden CDP, seit 2002 Präsident der Nationalversammlung. 2012 Entmachtung und Gründung seiner eigenen Partei MPP. Gewinnt die Präsidentschaftswahl im November 2015 ersten Durchgang

Euronews:
Frankreich will seine Sicherheitskräfte auch ohne Ankündigung nach Burkina Faso schicken, also auch ohne Sie zu informieren. Sie haben ihre Unzufriedenheit damit deutlich gemacht – wie sehen Sie die Rolle der französischen Sicherheitskräfte in Burkina Faso und Westafrika?

Roch Kaboré:
Damit keine Mißverständnisse aufkommen – ich habe Herrn Cazeneuve getroffen, und wir haben uns ausgesprochen. Die französischen Kräfte haben sicher viel mehr Erfahrung im Antiterrorkampf als wir, deshalb können sie uns unterstützen, um unsere Armee besser zu organisieren, Aber letztendlich wollen wir uns selbst schützen können und dafür nicht auf französische Kräfte angewiesen sein.

Euronews:
Bleiben wir auf der internationalen Bühne. Wie sehen Sie die Migrationskrise in Europa, untergräbt sie die Grundlagen der europäischen Integration? Haben Sie Kritik an Brüssel?

Roch Kaboré:
Wir beobachten die Krise in Europa natürlich, sie ist zuallerserst eine Finanzkrise. Immigration ist ein zusätzlicher Faktor; ich glaube, es müssen dringend Reformen umgesetzt werden. Die meisten Institutionen in Europa scheinen sich von den Menschen entfernt zu haben, den Eindruck habe ich. Die Leute sehen die Bürokratie, sie sehen, das einsame Entscheidungen in den oberen Etagen getroffen werden, die ihre Bedürfnisse nicht beachtet. Das beudeutet für uns das wir mit regionalen Institutionen – auch in Afrika – einfach näher an die Menschen müssen, um ihnen die richtigen Lösungen zu bringen

Euronews:
Möchten Sie die Zusamenarbeit mit der EU, mit Brüssel vertiefen?

Roch Kaboré:
Ich denke, es ist absolut notwendig, die Zusammenarbeit, die wir heute schon haben, weiter zu vertiefen, gerade darüber haben wir in Frankreich gesprochen… Aber es ging nicht nur Unterstützung durch Frankreichs, sondern um mehr Lobbyarbeit für Burkina Faso auf europäischer Ebene. Und Brüssel ist eines meines nächsten Ziele, um Burkina Faso zu vertreten, auf europäischer Ebene.

Euronews:
Sprechen wir über die wirtschaftliche und soziale Situation ihres Heimatlandes. Am Tag nach Ihrer Wahl haben sie als erste Priorität die Reorganisation der Armee genannt; in Anbetracht der wirtschaftlichen Lage, warum diese Priorität?

Roch Kaboré:
Es ist wichtig, dass wir die Armee zuerst reformieren, damit wir erstens: eine republikanische Armee bekommen, und zweitens, muss sie eine unpolitische Armee werden. Das Miltär soll Menschen und Grenzen verteidigen, das ist seine Aufgabe.

Euronews:
Sie wollen über 5% Wachstum für ihr Land erreichen, so wie in den 2000er Jahren. Wie kann das klappen, in Anbetracht fallender Preise für Gold und Baumwolle, ihren wichtigsten Export-Produkten?

Roch Kaboré:
Nach den Prognosen sind wir der Meinung , daß wir 2016 ein Wachstum von rund 5,7% haben werden, gerade wegen der neuen politischen Rahmenbedingungen. Wir reduzieren die Staatsausgaben, wir haben einen Schwerpunkt auf der Bildung, aber wir konzentrieren uns auch auf die Landwirtschaft, denn dort sehen wir Wachstumsmöglichkeiten gerade für kleine Unternehmen.

Euronews:
Kommen wir nun zu den nachbarschaftlichen Beziehungen, der Elfenbeinküste und den belastenden Ereignissen durch den früheren Präsidenten Compaoré und seine Rolle im Fall Soro. Sie sagten letztens, sie wollten die diplomatischen Kanäle offen halten. Wie sieht die Zukunft der Beziehungen mit der Elfenbeinküste aus?

Roch Kaboré:
Die Beziehungen waren sicher nicht die Besten, aber jetzt sind sie gut, zwischen den Menschen in Elfenbeinküste und Burkina Faso, zwischen den Staats- und Regierungschefs. Wir haben gesagt, lassen wir einfach die Justiz ihre Arbeit machen…

Euronews:
Wir kommen zum Schluss, deshalb ein Frage zu ihrem Studienaufenthalt in Frankreich vor vielen Jahren – gibt es besondere Erinnerungen?

Roch Kaboré:
Aus der Zeit stammen viele Freundschaften, afrikanische wie französische. Ich glaube, die beste Zeit im Leben hat man als Student, und deshalb sind es die besten Erinnerungen die man haben kann im Leben.

Euronews:
Herr Präsident, es war mir ein Vergnügen. Herzlichen Dank für das Gespräch!