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Wer beliefert die Kriegsparteien im Jemen mit Waffen?

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Wer beliefert die Kriegsparteien im Jemen mit Waffen?

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Im Krieg im Jemen ist eine Unzahl von Waffen im Einsatz. Wir sprachen mit einem Spezialisten für Waffenexporte und Rüstungsausgaben, Pieter D. Wezeman vom Stockholmer Institut für Friedensforschung SIPRI, über deren Herkunft.

Sophie Claudet, euronews:
“Im Februar hat das EU-Parlament eine nicht-bindende Resolution zum Exportstopp für Waffen für Saudi-Arabien verabschiedet. Hat auch nur ein europäisches Land den Aufruf befolgt?”

Pieter D. Wezeman, SIPRI:
“Das einzige Land, das meines Wissens Beschränkungen auferlegt hat, die einem Waffenembargo sehr nahe kommen, sind die Niederlande. Die haben im Grunde gesagt, wir werden den Export von Militärgütern und Waffen nach Saudi-Arabien nicht genehmigen, wenn wir nicht hundertprozentig sicher sind, dass diese Waffen nicht im Jemen eingesetzt werden können.
EU-Mitgliedsstaaten sind sehr bedeutende Waffenlieferanten für den Nahen Osten. Länder wie Großbritannien und Frankreich gehören zu den wichtigsten Waffenlieferanten für Saudi-Arabien oder die Vereinigten Arabischen Emirate. Saudi-Arabien hängt sehr stark von Importen ab, es produziert nicht wirklich Waffen selbst. Die Waffen, die Saudi-Arabien selbst herstellt, werden unter Lizenz produziert, mit Technologie und Ausrüstung, die meistens in Europa oder den Vereinigten Staaten eingekauft werden.”

euronews:
“Zur anderen Seite: Von wem bekommen die Huthi-Rebellen ihre Waffen?”

Pieter D. Wezeman, SIPRI:
“Zunächst einmal haben die Huthis es geschafft, Teile der Regierungstruppen zum Überlaufen zu bewegen. Und sie haben einen großen Teil des Landes unter ihre Kontrolle gebracht, wozu auch die Militärarsenale gehören, die sich dort schon befanden. Jemen hat jahrzehntelang immense Mengen an Waffen und Munition erhalten. Vor allem kleine Waffen, aber auch größere. So haben die Huthis zum Beispiel Raketengeschosse geringerer Reichweite erbeutet und diese gegen Saudi-Arabien abgeschossen.
Es gibt natürlich auch Hinweise darauf, dass sie Waffen aus dem Ausland bekommen, insbesondere vom Iran. Es ist nicht völlig sicher, um welche Mengen es sich handelt und wer dahinter steckt, aber in einigen Fällen wurden Waffen aus iranischer Produktion abgefangen – oder Waffen mit eindeutigem iranischen Label, die auf dem Weg in den Jemen waren.”

euronews:
“Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International oder Human Rights Watch beschuldigen beide Seiten, Kriegsverbrechen begangen zu haben.”

Pieter D. Wezeman, SIPRI:
“Das ist korrekt. Und wirft Fragen auf, inwieweit die Saudis und die Vereinigten Arabischen Emirate die Hightech-Ausrüstung, über die sie verfügen, auch wirklich handhaben können. Denn im Prinzip sollte man mit solchen Hightech-Sensoren oder Hightech-Bomben einen Krieg derart führen können, dass man wirklich nur militärische Ziele zu treffen versucht, in diesem Fall bewaffnete Huthis zum Beispiel. In der Realität aber waren sie dazu nicht in der Lage, ob nun mit Absicht oder aus Mangel an Kompetenz ist unklar.
Auf Seiten der Huthis kann man sagen, dass sie eine sehr viel primitivere Art von Krieg im Vergleich zu den Saudis und den Vereinigten Arabischen Emiraten führen. Dadurch dürften sie für bestimmte Angriffe, bei denen Zivilisten sterben, auch eine Art Entschuldigung haben, im Sinne, dass sie nicht die Ausrüstung für präzise Angriffe haben, oder wie auch immer man es nennen will.”

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