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Türkei: Militärputsch offenbar abgewehrt

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Türkei: Militärputsch offenbar abgewehrt

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In der Türkei hat es einen Putschversuch durch Teile des Militärs gegeben. Dabei wurden nach offiziellen Angaben mindestens 60 Menschen getötet, 40 davon allein in der Hauptstadt Ankara. In einer Mitteilung hieß es, das Militär habe die Macht übernommen, das Kriegsrecht verkündet und eine Ausgangssperre über das ganze Land verhängt. Mit dem Putsch sollten unter anderem die verfassungsmäßige Ordnung, die Demokratie und die Menschenrechte wiederhergestellt werden.

Die türkische Regierung sieht den versuchten Militärputsch offenbar als gescheitert an. Die Lage sei größtenteils unter Kontrolle, sagte Ministerpräsident Binali Yildirim und sprach von einem Akt der Rebellion durch Anhänger des in den USA lebenden muslimischen Geistlichen Fethullah Gülen. Dieser gilt als erbitterter Widersacher von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan.

In einer E-Mail erklärten die Putschisten am Morgen jedoch, dass sie weiter kämpfen. Sie riefen die Bevölkerung auf, zu ihrer eigenen Sicherheit in Räumen zu bleiben. Die Gruppe nennt sich Bewegung für Frieden in der Heimat. Ihre E-Mail hat den Absender des Pressebüros des Generalstabs des Militärs.

Gefechte bis in den frühen Morgen

Die Putschisten in der Türkei hatten beide Bosporusbrücken in Istanbul teilweise abgesperrt, Panzer fuhren durch die Straßen, Schüsse fielen. Über dem Zentrum der türkischen Hauptstadt Ankara flogen Kampfjets und Militärhelikopter. Das Parlamentsgebäude in der Hauptstadt wurde Berichten zufolge von einer Bombe getroffen. Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldet, ein Kampfhubschrauber der Putschisten sei abgeschossen worden.

Berichten zufolge gab es in Istanbul auch am frühen Morgen noch Gefechte. Außerdem drangen Soldaten in das Redaktionsgebäude des Sender CNN Türk in Istanbul ein, der Sender wurde geräumt. Aus dem Studio des Senders waren Schüsse und laute Tumulte zu hören.

Erdogan ruft Anhänger zum Widerstand auf

Der türkische Regierungschef Binali Yildirim rief zuvor zur Ruhe auf. Er sagte, ein Teil des Militärs versuche einen Staatsstreich. Die Sicherheitskräfte würden nun alles Notwendige unternehmen, um die Situation in den Griff zu bekommen, die Verantwortlichen für diesen Putschversuch würden den höchsten Preis zahlen, so Yildirim. Dem Sender NTV sagte er, die Türkei werde niemals erlauben, dass “eine Initiative die Demokratie unterbricht”.

Staatspräsident Erdogan meldete sich live im Sender CNN Türk via Smartphone. Im Gespräch mit der Moderatorin, die Erdogan auf dem Bildschirm eines Mobiltelefons sah, forderte er seine Anhänger dazu auf, sie mögen auf die Straße gehen und sich gegen die Putschisten versammeln: “Ich rufe unser Volk auf, sich auf den Plätzen und am Flughafen zu versammeln. Sollen sie (die Putschisten) mit ihren Panzern und ihren Kanonen machen, was sie wollen.” Erdogan zufolge handelt sich um einen Putschversuch einer Minderheit innerhalb des Militärs. Der Putsch werde binnen kurzer Zeit niedergeschlagen sein. Die Verantwortlichen würden vor Gericht einen hohen Preis dafür zahlen, kündigte Erdogan an.

Über 700 Festnahmen

Vielerorts folgten die Erdogan-Anhänger dem Aufruf, große Menschenmengen mit türkischen Fahnen waren auf der Straße. Zwischen Regierungsanhängern und Militärs gab es später Auseinandersetzungen. In Istanbul eröffnete das Militär an einer Bosporus-Brücke das Feuer auf eine Menschenmenge. Die Lage blieb lange unklar.

Gegenwehr soll es auch von Offizieren und Soldaten gegeben haben, die sich nicht am Putsch beteiligten. Fernsehbilder zeigen, wie Polizisten Soldaten in Handschellen abführen. Insgesamt seien rund 750 Militätangehörige festgenommen worden, erklärte das Justizministerium in Ankara. Ministerpräsident Yildirim sagte, die Verantwortlichen würden bestraft werden.

Einschränkungen im Flugverkehr

Am Flughafen Istanbul Atatürk wurden aufgrund der Ereignisse offenbar alle Flüge gestrichen. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf einen Piloten. Soldaten hätten den Tower am größten Flughafen des Landes am Freitagabend unter ihre Kontrolle gebracht, meldete die private Nachrichtenagentur DHA. Später teilte die europäische Flugaufsichtsbehörde Eurocontrol mit, dass bald wieder Maschinen vom Atatürk-Flughafen abheben sollen. Ankünfte hingegen blieben ausgesetzt, da der Flughafen überfüllt sei. Am frühen Morgen erklärte Staatspräsident Erdogan, der Flughafen sei wieder geöffnet.

Die türkische Armee sieht sich als Wächterin der weltlichen Verfassung des Landes und hatte in den vergangenen Jahrzehnten wiederholt gegen die Zivilregierung geputscht.

      Turkey troops on streets

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