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Präsident Obama beschwört Einheit der amerikanischen Ethnien

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Präsident Obama beschwört Einheit der amerikanischen Ethnien

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Die drei toten Polizisten von Baton Rouge markieren nur den momentanen Höhepunkt eines Konfliktes, der eine gewaltige Sprengkraft für die amerikanische Gesellschaft hat. Beide Seiten dieses Konfliktes reagieren zunehmend nervös – mit dem Finger am Abzug. US Präsident Barack Obama trat heute vor die Kameras und wendete sich an das Volk.

“Vor fünf Tagen war ich in Dallas bei der Beerdigung der Polizisten, die dort getötet wurden. Ich habe dort gesagt, es sei sicher nicht der letzte Mörder, der versuchen würde, uns gegeneinander aufzubringen – und das wird auch dem heutigen Attentäter nicht gelingen. Es liegt an uns, sie scheitern zu lassen.”

Obama hat die Schüsse als “feigen” Anschlag verurteilt. Zum zweiten Mal in nur zwei Wochen seien Polizeibeamte getötet worden, während sie ihrer Arbeit nachgegangen seien. “Dies sind Attacken gegen öffentliche Bedienstete, gegen die Rechtsstaatlichkeit und gegen die zivilisierte Gesellschaft, und sie müssen aufhören”, sagte Obama.

Anfang Juli wurde in Baton Rouge der Afroamerikaner Alton Sterling bei einer Konfrontation mit zwei weißen Polizisten vor einem Laden erschossen. Das Video des Vorfalles löste heftige landesweite Proteste aus. Für weitere Spannungen sorgte der Tod eines Schwarzen bei einem Polizeieinsatz in Minnesota und die Ermordung von fünf Polizeibeamten bei einer Demonstration gegen Polizeigewalt in Dallas. Immer wieder kam es seitdem zu gewalttätigen Protesten gegen Polizeigewalt und die Diskriminierung Schwarzer. Über drei Tage hinweg waren in Baton Rouge dabei etwa 200 Demonstranten festgenommen worden. Der Polizeichef Carl Dabadie verteidigte das Vorgehen und nannte als Grund ein Attentatskomplott gegen Beamte, das erst kürzlich aufgedeckt worden sei. Drei Verdächtige wurden bereits festgenommen, die Anschläge auf Polizisten geplant haben sollen. Nach einer vierten Person werde gefahndet, sagte der Polizeichef der Stadt. Demnach sollen die Verdächtigen im Großraum Baton Rouge etliche Pistolen gestohlen haben.

Amerikas ungelöster Rassenkonflikt explodiert.

Die Gewaltorgien erinnern Amerika an den nie befriedeten Rassenkonflikt zwischen Weißen und Schwarzen. Nach einer Rechtfertigung für die Exzesse fragt schon lange kaum jemand mehr.

Ein Überblick über Fälle aus jüngerer Zeit.

Auslöser der jüngsten Demo in Dallas gegen Polizeigewalt war das brutale und oft tödliche Vorgehen weißer US-Polizisten gegen Schwarze. Ortsnamen wie Ferguson oder Baltimore stehen dafür.

Juli 2016: Während einer Demonstration gegen Polizeigewalt töten Heckenschützen in Dallas fünf Polizisten und verletzen mindestens sechs weitere. Laut Polizei eröffneten sie von erhöhten Positionen in der Innenstadt aus mit Scharfschützengewehren das Feuer.

In Falcon Heights (Minnesota) stirbt ein 32-Jähriger im Krankenhaus, nachdem ein Polizist bei einer Fahrzeugkontrolle mehrfach auf ihn schoss. Nur einen Tag zuvor hatten zwei Beamte in Baton Rouge (Louisiana) einen 37-Jährigen auf einem Parkplatz zu Boden gezwungen und ihn aus nächster Nähe erschossen.

Mai 2016: Am Steuer eines gestohlenen Autos wird eine junge Afroamerikanerin in San Francisco von einer Polizeikugel tödlich getroffen. Auf Druck des Bürgermeisters tritt der Polizeichef zurück.

Dezember 2015: In Chicago erschießen Polizisten eine fünffache Mutter und einen Studenten. Beide sind schwarz. Der 19-Jährige hatte seinen Vater mit einem Baseballschläger bedroht, die Nachbarin wird nach Polizeiangaben aus Versehen getroffen.

Juli 2015: Ein Polizist erschießt in Cincinnati (Ohio) bei einer Verkehrskontrolle einen unbewaffneten Schwarzen. Sein Wagen hatte vorne kein Nummernschild.

April 2015: Ein Afroamerikaner stirbt in Baltimore (Maryland) an den Folgen einer Rückenverletzung. Er war in Polizeigewahrsam misshandelt worden. Es gibt schwere Krawallen.

April 2015: In North Charleston (South Carolina) erschießt ein Polizist einen flüchtenden, unbewaffneten Schwarzen von hinten. Der auf einem Video festgehaltene Fall sorgt international für Aufsehen.

März 2015: Tödliche Schüsse auf einen unbewaffneten jungen Schwarzen lösen in Madison (Wisconsin) Proteste aus. Angeblich schoss der Polizist in Notwehr.

Dezember 2014: Ein vierfacher schwarzer Familienvater wird in Phoenix (Arizona) nach einer Polizeikontrolle erschossen, weil er seine Hand nicht aus der Hosentasche nehmen wollte. Darin waren Tabletten und keine Waffe. Es kommt zu einer landesweiten Protestwelle.

August 2014: Der unbewaffnete schwarze Teenager Michael Brown wird in Ferguson bei St. Louis (Missouri) von einem Polizisten erschossen. Der Vorfall löst schwere Unruhen aus. Später tritt der Polizeichef von Ferguson zurück – nach einem Bericht des Justizministeriums über weit verbreiteten Rassismus bei der Polizei. Mittlerweile ist dort ein Schwarzer Polizeichef.

Quelle: dpa

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