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Mehr Antibiotika-Resistenzen durch Massentierhaltung

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Mehr Antibiotika-Resistenzen durch Massentierhaltung

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Schon heute machen Antibiotika-Resistenzen der Welt zu schaffen, und künftig dürfte das Problem sich noch verschärfen. Eine britische Studie prognostiziert für das Jahr 2050 zehn Millionen Todesopfer jährlich, wenn nicht vorher gegengesteuert wird. Antibiotika werden nicht nur zur Behandlung von Menschen eingesetzt, sondern auch in großen Mengen in der Viehhaltung. Wir sprachen darüber mit Elizabeth Tayler, Expertin für Antibiotika-Resistenzen bei der Weltgesundheitsorganisation .

Sophie Claudet, euronews:
“Der britischen Studie zufolge kann Antibiotika-Resistenz bis zum Jahr 2050 noch tödlicher werden als Krebs – mit zehn Millionen Opfern pro Jahr. Sehen Sie das auch so?”

(Hintergrund der Studie)

Elizabeth Tayler, WHO:
“Ja. Die Antibiotika-Resistenz wird nicht nur mehr Menschen durch Infektionen töten, sondern auch durch simple Eingriffe wie Routine-Operationen. Krebsbehandlung wird sehr viel riskanter werden, wenn die Medikamente nicht mehr wirken. Und das ist kein Problem vom Jahr 2050. Es ist ein Problem für Europa heute. Mindestens 25.000 Menschen sterben nach Schätzung der WHO in Europa jährlich schon heute wegen der Resistenz, und das kostet uns um die 1,5 Milliarden Euro durch längere Behandlung und durch Produktivitätseinbußen.”

euronews:
“Reden wir über Antibiotika-Einsatz in der Tierhaltung. Spanien, Deutschland und Italien nutzen Antibiotika in diesem Bereich weit mehr als andere EU-Staaten. Gibt es da denn keine generellen Vorschriften für ganz Europa?”

Elizabeth Tayler:
“Das ist ein wichtiges Thema. Denn es gibt hundertfache Unterschiede zwischen den Ländern, die am meisten einsetzen, und denen, die am wenigsten benutzen. Europa ist schon Vorreiter beim Versuch, den Antibiotika-Einsatz einzugrenzen, und seit 2006 haben wir die Verwendung von Antibiotika zur Wachstumsförderung völlig verboten. Aber in etlichen Ländern werden immer noch große Mengen genutzt, um Infektionen zu vermeiden. Vor allem in überfüllten oder unhygienischen Ställen werden viele Antibiotika eingesetzt. Wir halten das für absolut unnötig. Dänemark hat bei seiner Schweinehaltung die Antibiotika schrittweise abgeschafft, nur noch wirklich kranke Tiere werden damit behandelt. Und die dänische Schweineproduktion ist gesteigert worden in diesem Zeitraum, und die Rentabilität auch.”

euronews:
“Müssen wir unsere Art der Haltung, Schlachtung und medikamentösen Behandlung von Tieren grundlegend überdenken?”

Elizabeth Tayler:
“Ja. Es gibt eine große Bandbreite von Wegen, wie Antibiotika, die den Tieren verabreicht wurden, beim Menschen Resistenzen auslösen können. Je mehr wir sie einsetzen, desto schneller nutzen sie uns nicht mehr. Die Kontamination von Fleisch durch Antibiotika oder durch resistente Erreger – durch unsachgemäßes Schlachten, durch mangelhafte hygienische Bedingungen, die zur Infektion der Arbeiter oder des Dungs führen, der auf die Felder ausgebracht wird und das Grundwasser verseucht – all das trägt zum Resistenz-Problem bei.”

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