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Erdbeben in Italien: Museumsbesuch für den Wiederaufbau

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Erdbeben in Italien: Museumsbesuch für den Wiederaufbau

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Nach dem schweren Erdbeben in Italien, bei dem fast 300 Menschen ums Leben kamen, steht nun der Wiederaufbau bevor. Ganze Ortschaften wurden zerstört. Rund 2500 Menschen verloren ihr Hab und Gut. Nun sollen unter anderem die Einnahmen, die die öffentlichen Museen des Landes am heutigen Sonntag machen, in den Wiederaufbau fließen. Kulturminister Dario Franceschini rief die Menschen in Italien auf, aus Solidarität mit den Erdbebenopfern ins Museum zu gehen. Immerhin wurden auch zahlreiche historische und kulturelle Gebäude zerstört oder beschädigt.

Särge liegen frei

Mario Feliziani ist Vorsitzender eines Kulturverbands aus Sant’Angelo, das zum schwer getroffenen Ort Amatrice gehört. Er berichtet: “Der alte Teil des Friedhofs von Sant’Angelo ist fast völlig zerstört. Man sieht, dass die Särge freiliegen und die Kirche der Madonna di Galloro ist völlig zerstört.”

Einsatzkräfte bargen eine Madonnenstatue aus den Trümmern, dafür gab es Applaus der Anwesenden. Die Madonna di Galloro wird seit Jahrzehnten bei religiösen Prozessionen in Amatrice eingesetzt.

Ein Anwohner sagt: “Die Lage ist sehr tragisch für uns, da wir alles verloren haben. Da gibt uns die Madonna etwas Hoffung. Wir hoffen das Beste.”

Prodi fordert 30-Jahres-Plan für Italien

Der frühere italienische Regierungschef und EU-Kommissionspräsident Romano Prodi hat jetzt einen 30-Jahres-Plan für sein Land gefordert. In einem Beitrag für die Zeitung “Il Messaggero” vom Sonntag schrieb er, in den erdbebengefährdeten Regionen sei “ohne Vernunft und Voraussicht” gebaut worden. Dies müsse sich ändern. Er forderte konkrete Regeln für Programme und Finanzmittel und klare Zuständigkeiten von Staat, Regionen und Kommunen. “Unser Ziel darf nicht mehr sein, die Städte und Dörfer um jeden Preis zu erweitern, sondern das, was existiert, sicher zu machen.”

Anti-Mafia-Anwalt warnt: “Aufbau Leckerbissen für Kriminelle”

Der oberste Anti-Mafia-Staatsanwalt des Landes hat nach dem Erdbeben unterdessen vor einer Beteiligung Krimineller am Wiederaufbau gewarnt. “Der Wiederaufbau nach einem Erdbeben ist traditionell ein Leckerbissen für Kriminelle und ihre verbündeten Geschäftspartner”, sagte Franco Roberti in einem Interview der Zeitung “La Repubblica”. Jedoch stünden einer möglichen Mafia-Verstrickung mittlerweile Behörden und Ermittler viel stärker entgegen als in der Vergangenheit.

Der Skandal nach dem Erdbeben von Irpinia im Jahr 1980 werde sich nicht wiederholen, so Roberti. Bei dem Beben in den Regionen Kampanien und Basilikata kamen rund 3000 Menschen ums Leben. Spendengelder wurden danach jedoch von korrupten Politikern und der Mafia im großen Stil veruntreut. Nach der Erdbeben-Katastrophe von L’Aquila im Jahr 2009, bei der 309 Menschen umkamen, sei der Wiederaufbau besser organisiert worden.

Jedoch fügte Roberti hinzu: “Ohne dass ich ein vorschnelles Urteil fällen will, sehe ich, dass 2016 viele Gebäude eingestürzt sind, auch öffentliche. Zu viele.”

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