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Bahamas-Leaks: Ein neues Steuerparadies im Visier

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Bahamas-Leaks: Ein neues Steuerparadies im Visier

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Bahamas-Leaks: Was steckt dahinter?

Das Konsortium investigativer Journalisten (ICIJ) hat am Mittwoch rund 1,3 Millionen Dokumente aus dem bahamaischen Unternehmensregister veröffentlicht. Es hat so die Namen von den Direktoren und Besitzern von rund 175.000 Firmen, Trusts und Stiftungen, die zwischen 1990 und 2016 gegründet worden, offengelegt.

ICJIC weist darauf hin, dass es nicht unbedingt illegal ist, ein Offshore-Konto zu haben. Das Konsortium betont, dass es nicht den Eindruck erwecken wolle, dass jene, die namentlich in den Dokumenten auftauchen, das Gesetz gebrochen hätten. Die Existenz von Briefkastenfirmen ist nicht verboten, solange diese Unternehmen nicht zur Steuerhinterziehung oder Geldwäsche genutzt werden.

Alle Informationen der jüngsten Leaks frei zugänglich

Die Bahamas-Leaks sind Teil einer sehr viel größeren Datenbank, der sogenannten “Offshore Leaks Database”, die Informationen über eine halbe Million Offshore-Konten und Firmen enthält. Auch die Enthüllungen der Panama Papers sind in dieser Datenbank zu finden.

Das ICIJ hat diese Datenbank hochgeladen, damit jeder, der sich dafür interessiert, Zugang zu den Informationen hat.

Für Gerard Ryle, den Direktor von ICIJ, ist diese Veröffentlichung eine Art Dienstleistung.

Wer ist involviert?

Die nun veröffentlichten Dokumente zeigen, dass neben etlichen internationalen Wirtschaftsgrößen, Adeligen und Hunderten Deutschen auch der mongolische Ex-Premier Batbold Sukhbaatar, der ehemalige kolumbianische Minenminister Carlos Caballero Argáez, der kanadische Finanzminister William Francis Morneau, der katarische Ex-Premier Hamad bin Dschassim bin Dschaber al-Thani und der angolanische Vize-Präsident Manuel Domingos Vicente im Firmenregister der Bahamas als Direktoren, Sekretäre oder Präsidenten von Firmen geführt wurden oder noch immer werden.

Auch die ehemalige EU-Kommissarin Neelie Kroes gehörte zum Vorstand einer bahamaischen Briefkastenfirma; in der für EU-Kommissare vorgeschriebenen “declaration of interests” hatte die Holländerin dies jedoch nicht offengelegt. Auf Anfrage erklärte sie, es sei ein “Versehen” gewesen. Ihr droht nun die Streichung ihrer Pension.

Kroes ließ das ICIJ über einen Anwalt wissen, die Firma sei nie operativ gewesen, es sei ein Verwaltungsfehler gewesen, sie nicht aus dem Register zu streichen. Das Unternehmen sei von einem mit Kroes befreundeten jordanischen Geschäftsmann gegründet worden, um zu prüfen, ob man Anteile des US-Energieriesen Enron, der später pleiteging, übernehmen könne. Da der Deal nicht zustande kam, sei sie davon ausgegangen, dass ihre Beteiligung hinfällig gewesen sei. Als sie 2009 draufgekommen sei, dass ihr Namen noch in den Registern steht, habe sie diesen “Fehler korrigiert”.

Was ist eine Offshore-Firma?

Offshore heißt sowiel wie “weg von der Küste”, also außerhalb des Landes, auf hoher See, außerhalb des Hoheitsgebietes und damit außerhalb der Steuerhoheit eines Landes.

Generell versteht man darunter all die Gebiete bzw. Länder, in denen es keine oder nur sehr geringe Steuerbelastungen für Unternehmen gibt.

Geld in Offshore-Firmen zu investieren ist nicht illegal. Aber die jüngsten Leaks haben offengelegt, dass Gelder oft in Steuerparadiese überwiesen werden, um weniger Steuern zu zahlen oder um schmutziges Geld zu waschen.

Werfen Sie einen Blick in die geleakten Dokumente

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