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Großes Finale: ESA-Sonde Rosetta beendet Mission mit Crash

An diesem Freitag endet eine der spektakulärsten Missionen der europäischen Weltraumorganisation Esa: Fast zwei Jahre nach der erstmals in der Geschichte der Raumfahrt geglückten Landung eines Mini-La

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Großes Finale: ESA-Sonde Rosetta beendet Mission mit Crash

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An diesem Freitag endet eine der spektakulärsten Missionen der europäischen Weltraumorganisation Esa: Fast zwei Jahre nach der erstmals in der Geschichte der Raumfahrt geglückten Landung eines Mini-Labors auf einem Kometen setzt auch die Mutter-Raumsonde Rosetta auf dem Brocken Tschuri auf. Es ist eine Crash-Landung in Zeitlupe.

Die Landung ist gleichzeitig die letzte Amtshandlung von Rosetta: Denn die ultraleichte Sonde ist nicht dafür gebaut, Landungen zu überstehen. Trotzdem wollen die Experten ihrer „Rosetta!“ zumindest ein möglichst würdiges Ende bescheren. Bis kurz vor der Landung wird Rosetta noch wertvolle Sensoren-Daten funken.

Das Ereignis ist auch für die Esa etwas völlig Neues: “So nah waren wir mit “Rosetta” an “Tschuri” noch nie gewesen”, sagte der Chef des Esa-Flugbetriebs, Paolo Ferri, aus dem Satelliten-Kontrollzentrum Darmstadt. “Wir versuchen, bis zur letzten Sekunde noch Messungen und Bilder zu bekommen.”

“Gas und Staub haben wir mit “Rosetta” noch nie so nahe an einem Kometen messen können”, fügte der Esa-Wissenschaftler für Robotische Exploration, Nicolas Altobelli aus Madrid, hinzu. “Wir können das sozusagen hautnah sehen.”

Bild: ESA/Rosetta/NavCam

Geplant ist die Landung voraussichtlich etwa um 12.40 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit. Dann soll auf dem rund 720 Millionen Kilometer von der Erde entfernten Kometen für die Rosetta-Mission nach zwölf Jahren ein für allemal Schluss sein. “Wenn die Raumsonde die Oberfläche von “Tschuri” berührt, wird sie sich ausschalten”, sagte Ferri. “Wir werden nie mehr etwas von ihr hören.” Auf den Kometen niedergehen soll Rosetta langsamer als mit Schrittgeschwindigkeit. “Wir versuchen, die Landung so sanft wie möglich zu machen”, sagte Ferri.

Aufsetzen soll die Sonde auf dem “Kopf” des Kometen, dessen Form mit einer Gummi-Ente verglichen wird. Anvisiert wird ein Punkt neben einer 130 Meter breiten Senke. Das schon zuvor gelandete Mini-Labor Philae und Rosetta dürften auf Tschuri nicht weit voneinander entfernt sein, nach Einschätzung von Altobelli vielleicht nur ein bis zwei Kilometer.

Die Geheimnisse von Tschuri haben für Wissenschaftler eine enorme Bedeutung. In Kometen stecken die wahrscheinlich ältesten weitgehend unveränderten Reste aus der Zeit vor 4,6 Milliarden Jahre, in der sich das Sonnensystem bildete.
Rosetta und Philae waren mit zusammen etwa 20 Instrumenten an Bord gestartet, um Tschuri unter die Lupe zu nehmen.

Die etwa 1,3 Milliarden Euro teure Rosetta-Mission ist eines der ambitioniertesten Projekte der Esa. Die Raumsonde hob am 2. März 2004 von der europäischen Weltraumstation Kourou an Bord einer Ariane-5-Rakete ab. Rosetta durchflog mehrere Milliarden Kilometer Raum und gönnte sich dabei einen Tiefschlaf, um Energie für die letzte, entscheidenden Strecke zum Kometen “67P/Tschurjumow-Gerassimenko”.

Dann der entscheidende Tag, der 12. November 2014: Rosetta hatte Tschuri erreicht, nun löste sich das Labor Philae von der Sonde und setzte auf dem Kometen auf. “Der Tag heute ist historisch”, lobte der damalige Esa-Generaldirektor Jean-Jacques Dordain in Darmstadt.

Bild: ESA/Rosetta/NavCam

“Das spektakulärste Ergebnis war für mich ein ganz frühes, bald nach der Landung”, berichtet Ferri. “Nämlich, dass das Wasser auf dem Kometen nichts zu tun hat mit dem Wasser auf der Erde.” Und der Projektleiter für den Lander, Stephan Ulamec vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), ergänzt: “Haupterkenntnisse mit Philae waren auch die hochaufgelösten Bilder, die mit Rolis und Civa gewonnen wurden und erstmals zeigen, wie eine Kometenoberfläche aus der unmittelbaren Nähe aussieht.”

Bild: ESA/Rosetta/MPS for OSIRIS Team; context: ESA/Rosetta/NavCam

Rosettas Mission wird von den Forschern an diesem Freitag nicht zuletzt deshalb beendet, weil sie sich mit ihrem Kometen derzeit immer weiter von der Sonne entfernt. Die Energie, die Rosetta aus ihren Solarmodulen zieht, würde bald nicht mehr für ihre Arbeit ausreichen.

Sie können die Landung am Freitag hier live verfolgen: