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Aus für linke Tageszeitung: Sorge um Pressefreiheit in Ungarn


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Aus für linke Tageszeitung: Sorge um Pressefreiheit in Ungarn

In der ungarischen Hauptstadt Budapest haben am Samstag rund 2000 Menschen gegen die plötzliche Einstellung einer linken Tageszeitung protestiert. Die Opposition verdächtigt die Orban-Regierung, verantwortlich zu sein.

Die Mitarbeiter der seit 1956 erscheinenden Nepszabadsag (Freiheit des Volkes) waren am Samstag schriftlich aufgefordert worden, bis auf Weiteres nicht mehr zur Arbeit zu kommen.

Der Verlag Mediaworks, der der österreichischen Private-Equity-Firma Vienna Capital Partners gehört, verweist in einer Mitteilung auf anhaltenden Verluste aufgrund stark gefallener Leserzahlen und gibt an, an einer Neustrukturierung zu arbeiten.

“Zeitungen wie diese werden überall in Europa gebraucht, vor allem in Ungarn”, so Chefredakteur Andras Muranyi. “Und ich arbeite daran, ich verhandle mit der Geschäftsführung des Eigners Mediaworks.”

Doch Aktivistengruppen und Oppositionsparteien, darunter auch die rechtsextreme Jobbik, werfen der Regierung des Ministerpräsidenten Viktor Orban vor, hinter der Entscheidung zu stecken. Die Zeitung hatte immer wieder über Affären der Regierung berichtet.

“Wir haben schon in den vergangenen Jahren die Bemühungen gesehen, die Pressefreiheit zu ruinieren, die Zerstörung anderer Medien”, so eine Demonstrantin am Samstag in Budapest, “aber dieses Mal geht es zu weit.” Ein anderer Teilnehmer sagte: “Ich glaube, dass darf in keinem demokratischen Staat passieren, eine Zeitung von einem Tag auf den anderen zu zerstören.”

Ein Regierungssprecher wies die Vorwürfe zurück: man mische sich nicht in die Medienindustrie ein. Die Regierungspartei Fidesz bezeichnete den Vorgang in einer Stellungnahme als vernünftige betriebswirtschaftliche Entscheidung.

euronews-Reporterin Andrea Hajagos: “Die Journalisten der Zeitung dachten, ihre Redaktion würde übers Wochenende lediglich umziehen, und dass sie am Sonntagabend wieder zur Arbeit kommen würden. Jetzt aber wissen sie nicht, ob es jemals weitergeht, und unter welchen Umständen.”

Jede Geschichte kann aus vielen Perspektiven erzählt werden. euronews Journalisten berichten in ihren Sprachen, mit ihrer Sicht der Dinge.

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