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Stärkstes Beben seit 1980 erschüttert Italien


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Stärkstes Beben seit 1980 erschüttert Italien

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Nur wenige Tage nach einer heftigen Erdbebenserie hat Mittelitalien am Sonntagmorgen der schwerste Erdstoß seit 36 Jahren heimgesucht. Das Beben der Stärke 6,5 forderte nach Angaben des Zivilschutzes keine Todesopfer. Mehrere Menschen seien lebend aus Trümmern geborgen worden, wenige seien leicht verletzt worden. Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi sagte der Bevölkerung in den betroffenen Regionen Marken und Umbrien sofortige Hilfe und einen kompletten Wiederaufbau zu. Viele warteten am Sonntag zunächst vergeblich auf Ersthilfe:

“Uns wurden weder Zelte, Häuser noch Wohnwagen angeboten. Auf Behelfsunterkünfte müssen wir bis zum Frühling warten. Ich verstehe nicht, wo wir überwintern sollen ohne Wohnwagen, Zelte oder irgendwelche Alternativen.”

“Wir brauchen Schlafplätze. Wir können doch nicht bei diesem Wetter im Auto übernachten. Das ist die verkehrte Zeit. Bei uns sagen wir dazu: Friss oder stirb.”

Allein in der Region Marken sind nach offiziellen Angaben mehr als 25.000 Menschen obdachlos geworden. Viele sollen an die Küste umquartiert werden. In Umbrien ist die Stadt Norcia besonders stark zerstört worden. Bügermeister Nicola Alemanno sagte: “Aktuell sind 853 Menschen behelfsweise untergebracht und 275 in Hotels. Wir wissen nicht, wie viele aus den Behelfsunterkünften die Stadt verlassen haben. Das neue Erdbeben hat die Lage verändert. Es werden noch viele weitere Obdachlose auf die lange Liste kommen.”

Das vierte heftige Beben in der Region binnen rund zwei Monaten ließ historische Orte in sich zusammenfallen und zerstörte Jahrhunderte alte Kulturgüter. Es war von Südtirol bis nach Apulien im äußersten Südosten Italiens zu spüren. In Rom bebte die Erde so stark, dass Menschen in Panik ins Freie liefen. Die italienische Regierung schätzte die Erdbebenschäden zuletzt auf rund vier Milliarden Euro.

Das Beben am Sonntagmorgen ereignete sich Experten zufolge in etwa zehn Kilometern Tiefe. Es handelte sich erneut um ein Folgebeben der verheerenden Erdstöße im Sommer rund um das Bergstädtchen Amatrice mit rund 300 Todesopfern, wie der Seismologe Frederik Tilmann vom Deutschen Geoforschungsinstitut in Potsdam sagte. Die Beben regten sich gegenseitig an: “Wir sprechen von einer Erdbebensequenz – also mehreren Beben, die in der Größe etwas variieren, wo aber das größte nicht unbedingt am Anfang steht.”

Viele an die Adriaküste umquartierte Menschen rechnen im laufenden Jahr kaum noch mit einer Rückkehrmöglichkeit in ihre Heimatgemeinden.

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