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Angst in Aleppo: Skype direkt aus der Stadt


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Angst in Aleppo: Skype direkt aus der Stadt

Euronews:
“Wir sprechen jetzt mit dem Fotografen Salah al-Ashkar, er ist in Aleppo in Syrien, im Viertel Seif al-Dawla, einem Distrikt im Osten, der von den syrischen Regierungstruppen bombardiert wird.

Wie ist die Atmosphäre dort, was geschieht dort, wo Sie jetzt sind?”

Al-Ashkar:
“Die Lage in Aleppo ist schlecht und wird immer schlechter je mehr Zeit vergeht. Das Leid der Zivilbevölkerung wird immer größer. Die Belagerung durch die syrischen Streitkräfte dauert jetzt schon 115 Tage an. Die Truppen des Regimes haben große Teile der Stadt unter ihre Kontrolle gebracht, die vorher von der Opposition kontrolliert worden waren. Jetzt drängen sich viele Menschen in vier bis fünf Vierteln zusammen.

In den Gebäuden gibt es nicht genug Platz für all die Menschen. Viele Menschen leben in der Tat auf der Straße. Auch ist es jetzt kalt geworden, es regnet immer wieder und die Bomben fallen weiter.

Viele Verletzte können nicht versorgt werden, die Krankenhäuser sind zerbombt, die Verletzten können nicht weggebracht werden. Es gibt hier im Viertel nur eine einzige Erste-Hilfe-Station. Für Schwerverletzte gibt es wenig Hoffnung, ihre Namen werden wohl auf der Liste der Tote stehen.”

Euronews:
“Können Sie Zahlen nennen? Wieviele Menschen sind dort, wieviele Kämpfer?”

Al-Ashkar:
“Laut dem Stadtrat sind 75.000 Menschen hier. 15 Prozent davon sind Kämpfer, schätze ich.”

Euronews:
“Hat das Regime irgendwelche Zusicherungen gemacht, dass denen, die sich in den Vierteln der Opposition aufhalten, nichts passiert, wenn evakuiert wird?”

“Ich glaube, eine Vereinbarung ist noch nicht getroffen worden, oder nur teilweise. Ohne Zusicherung können wir aus den belagerten Vierteln nicht raus. All die Mitarbeiter der Hilfsorganisationen zum Beispiel, die in Aleppo arbeiten, brauchen Zusicherungen.

Wir wissen im Moment noch nicht, wer den Evakuierungsprozess überwachen soll. Es gibt Gerüchte, dass eine türkische Organisation sich darum kümmern soll. Auch heißt es, eventuell würden die Vereinten Nationen diese Rolle übernehmen. Dann heißt es auch, russische Truppen würden Straßen, die aus Aleppo hinausführen, absichern.”

Euronews:
“Was erwarten Sie in den nächsten Tagen?”

Al-Ashkar:
“Vor allem die Frauen haben jetzt Angst. Sie fürchten Vergewaltigungen durch die Soldaten des Regimes, denn das hat sich bereits in anderen Vierteln ereignet. Ältere Menschen haben Angst, getötet zu werden, und auch die Männer haben Angst, festgenommen oder hingerichtet zu werden.”