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2016 - Olympia in Rio


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2016 - Olympia in Rio

Olympia 2016 – Spiele, Sieger und Skandale. Zum ersten Mal in der Geschichte fand eine Olympiade in Südamerika statt, Gastgeber war Rio de Janeiro. Über 10.000 Sportlerinnen und Sportler aus mehr als 200 Ländern reisen an, kämpfen um 306 Goldmedaillen.

Sorgen machen Zika, die von Moskitos übertragene Infektion, die Umweltverschmutzung, die umgekippten Gewässer, auf denen kein Sportler ins Wasser fallen möchte. Dazu Gewalt und Kriminialität, Wirtschaftskrise und Widerstand in der Bevölkerung gegen das Prestigeprojekt, an dessem wirtschaftlichen Sinn gezweifelt wird. Und dann erklärt Rio zwei Monate vor Beginn der Spiele den Finanznotstand – der Bundesstaat steht vor dem Kollaps. Sozialleistungen können nicht mehr gezahlt werden, aber die Olympiabauten werden mehr oder minder fertig gestellt.

Im Vorfeld wird eines der größten Glaubwürdigkeitsproblem des Sports öffentlich: Doping beschädigt die Spiele bevor sie überhaupt begonnen haben. Julia Stepanowa und ihr Mann decken das Staatsdoping Russlands auf und beweisen den Mut, die Ehrlichkeit und Integrität, die den Sportfunktionären in der Folge zu fehlen scheint. Der Herr der Ringe Thomas Bach verschiebt das Problem, will nicht über eine Sperre Russlands entscheiden. Die Weltverbände sollen es richten, aber lösen ungeahntes Chaos aus – die Spiele laufen schon, als immer mehr russische Sportler eintreffen. Am Ende dürfen rund 280 russische Sportler antreten – nur Stepanowa nicht. Sie wird gesperrt: wegen unethischem Verhalten.

Michael Phelps schwimmt wieder allen davon – fünf Starts, fünf Siege. Nur über 100 Meter Delphin muss er sich mit der Silbermedaille begnügen. Es ist der Rücktritt vom Rücktritt, den er 2014 erklärt hatte – und sein fünftes Olympia, das erste Mal trat er vor 17 Jahren an. Michael Phelps übertrumpft alle Helden der Olympischen Spiele; es ist die 23. olympische Goldmedaille seiner Karriere und die 28. Olympiamedaille insgesamt. 33 WM-Medaillen, dazu 39 Weltrekorde. Und wieder erklärt er die aktive Karriere als einer der erfolgreichsten Schwimmer der Welt für beendet.

Usain Bolt und neun goldenen Momente. Der beste Sprinter aller Zeiten verabschiedete sich in Rio auf perfekte Art und Weise von den Olympischen Spielen: er gewann die 4×100 Meter Staffel und holte seine neunte Goldmedaille. Usain Bolt vollendete ein dreifaches Triple – er gewann 100m, 200m und die 4×100m Läufe in drei aufeinander folgenden Olympischen Spielen: Peking, London und dann Rio 2016. Im letzten Rennen seiner olympischen Karriere führte der 30 jährige Sprinter die Staffel von Jamaika zu Gold.

Allyson Felix – die Gazelle. Ihre schnellen Beine haben die US-Amerikanerin zur erfolgreichsten WM-Starterin in der Leichtathletik gemacht. Neun Titel, drei mal Silber- und einmal Bronze hat sie vorzuweisen. Beim 400-Meter-Lauf wurde Felix nur knapp von Shaunae Miller geschlagen, die sich mit einem Hechtsprung über die Ziellinie rettete. Mit sechs Gold- und drei Silbermedaillen ist sie die bis jetzt erfolgreichste Leichtathletin aller Olympischen Spiele.

Nicht von dieser Welt – Simone Biles. Es heißt, Aly Raisman sei die beste Turnerin der Welt. In Rio reichte das aber nur für Silber, weil sie gegen Simone Biles antreten musste. Was die macht, ist mit irdischen Maßstäben nicht zu begreifen. Biles gilt schon jetzt als die beste Turnerin der Geschichte, dabei hatte die 19jährige in Rio erst ihr Debüt. Sie startete in Brasilien zum ersten Mal bei Olympischen Spielen und holte von vier möglichen Goldmedaillen – vier.

Das Geheimnis des Erfolges – Großbritannien. 67 Medaillen, davon 27 goldene und 23 silberne beförderten die Briten auf Platz zwei des Medaillenspiegels. Beim Heimspiel in London vier Jahre zuvor schnitten die Insulaner noch deutlich schlechter ab. Für die gebeutelte Brexit-Seele war das Balsam, der eine oder andere fühlte sich an bessere Zeiten erinnert, als die Insel noch Weltmacht war.

Mit ausgebreiteten Armen stürmte Mo Farah nach 10.000 Metern unter tosendem Applaus ins Ziel. Er deklassierte die Laufasse aus Ostafrika – trotz eines Sturzes auf der Strecke mit einer knappen halben Sekunde Vorsprung.

Die letzte Fußballweltmeisterschaft 2014 war einen Demütigung für Gastgeber Brasilien, sieben Tore machte die deutsche Elf gegen die brasiliansiche Auswahl. Und 2016 war es wieder im Maracanã, aber diesmal triumphierte Brasilien über Deutschland im Stadion von Rio. Der packende Kampf um Gold fand allerdings erst im Elfmeterschießen seinen Höhepunkt: Brasilien entschied die Lotterie vom Punkt mit 6:5.

Das erste Mal – Majlinda Kelmendi. Die 25 jährigige Judoka machte ein kleines Land sehr stolz. Es war das erste Mal, dass das Kosovo mit eigenen Athleten bei Olympischen Spielen dabei war – für das Kosovo gewann sie die erste olympische Medaille überhaupt, und dann gleich Gold. Kelmendi ging als Welt- und Europameisterin in die Spiele; spätestens jetzt ist sie die populärste Kosovarin überhaupt.

Sportler der Herzen – das Refugee Team. Zum ersten Mal in der Geschichte der Olympischen Spiele trat eine Flüchtlingsmannschaft an: zwei Schwimmer aus Syrien, zwei Judoka aus dem Kongo, ein Leichtathlet aus Äthiopien und fünf aus dem Südsudan. Sie alle sind aus ihren Heimatländern geflohen, sie alle wurden vom Internationalen Olympischen Komitee ins “Refugee Olympic Team” berufen.

Medaillenchancen hat keiner von ihnen, ihre Bestleistungen reichen in der Regel nicht für die Olympianorm. Aber vielleicht erfüllt das Team eine viel wichtigere Aufgabe, es geht um mehr als Gold. Das Team genießt die weltweite Aufmerksamkeit, sie sind ein Symbol der Hoffnung und der Gemeinsamkeit, fernab von Konflikten, Politik und Eigennützigkeit – wovon auch Olympia nicht verschont ist.

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