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Whistleblower: Helden oder Verräter?


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Whistleblower: Helden oder Verräter?

Chelsea Manning, Edward Snowden, Julian Assange: Die von Künstlern in Berlin und anderen europäischen Städten aufgestellten Statuen der Whistleblower sollen Bürgerinnen und Bürger dazu auffordern, selbst aktiv zu werden. Doch was sind diese drei Menschen, die für die Preisgabe von US-Geheimdienstinformationen viel aufs Spiel setzen: Helden oder Verräter?

Chelsea Manning ist die einzige der dreien, die bisher vor Gericht kam. Es war der erste große Militärprozess gegen einen Whistleblower in den USA. Manning sollte 35 Jahre sitzen, unter anderem wegen Spionage und Geheimnisverrat. Die Enthüllungsplattform Wikileaks feierte ihre Begnadigung sieben Jahre nach der Verhaftung als Sieg.

Chelsea Manning war vor einer Hormontherapie Bradley Manning, ein männlicher US-Soldat, der in Bagdad dafür zuständig war, geheimdienstliche Informationen zu analysieren. 2010 spielter er Wikileaks vertrauliche Informationen zu. Für besonderes Aufsehen sorgte die Veröffentlichung eines Videos, das einen Angriff eines US-Kampfhubschraubers im Irak zeigt, bei dem mindestens zwölf Zivilisten getötet wurden. Manning gab an, das ihn besonders die zynischen, blutrünstigen Kommentare der feuernden Soldaten schockiert hätten.

Auch Wikileaks-Mitbegründer Julian Assange könnte in den USA eine lange Haftstrafe drohen. Um sich vor einer Auslieferung zu schützen, lebt er seit Jahren in der ecuadorianischen Botschaft in London. Die US-Behörden werfen dem Australier vor, durch die Veröffentlichung geheimer Dokumente Menschen zu gefährden. Assange sieht sich als Aufklärer. So sagte er 2010 in Bezug auf Wikileaks-Veröffentlichungen über mögliche US-Kriegsverbrechen im Irak: “Es gibt etwa 15.000 bisher nicht dokumentierte oder bekannte Fälle, in denen Zivilisten durch Gewalt im Irak getötet wurden.”

Wie Assange hat sich auch Edward Snowden vor den US-Behörden in Sicherheit gebracht. Er lebt seit 2013 im russischen Exil. Snowden hatte Tausende Dokumente der NSA an Journalisten weitergegeben und damit die massive Überwachung durch den Geheimdienst enthüllt. Auch er sieht sich als Aufklärer: “Wenn wir die Grundsätze und Inhalte unserer Regierungsprogramme nicht verstehen, können wir auch nicht darüber entscheiden.”

US-Präsident Barack Obama hatte nach den Snowden-Enthüllungen eingeräumt, es könne sein, dass die Massenüberwachungsprogramme teilweise unnötig in die Privatsphäre der Bürger eingreifen. Mit dem USA Freedom Act wurden die Befugnisse der NSA 2015 eingeschränkt. Telefondaten können damit im Regelfall dauerhaft nur von Telefonunternehmen gespeichert werden.

Produziert von Andrea Büring

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