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Keine Entwarnung in Kalifornien: maroder Staudamm bleibt gefährlich


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Keine Entwarnung in Kalifornien: maroder Staudamm bleibt gefährlich

In Kalifornien warteten am Montag weiterhin knapp 200.000 Menschen darauf, wieder in ihre Häuser zurückkehren zu dürfen. Sie waren evakuiert worden, weil ein Staudamm den Wassermassen nicht mehr standhält.

Zwar sieht es nicht danach aus, dass der größte Staudamm der USA bricht. Aber einer der Überlaufkanäle ist marode. Drei Stockwerke hoch könnte die Flutwelle sein, wenn der Kanal gänzlich versagt und das Wasser unkontrolliert freigibt. Für die Bewohner in der Gegend von Oroville im Norden Kaliforniens wäre das eine Katastrophe. In den Bezirken Butte, Sutter und Yuba wurde der Notstand ausgerufen.


Auch das Gefängnis wird evakuiert

Wenn der Damm bricht

Starkregen haben immer wieder Staudämme zum Bersten gebracht. Ein paar Beispiele:

POLEN, August 2010: Heftige Regenfälle zerstören den Witka-Staudamm im südwestpolnischen Grenzgebiet zu Deutschland. Gewaltige Wassermassen strömen in die Neiße, eine Flutwelle überschwemmt auf der deutschen Seite unter anderem Teile von Görlitz.

KASACHSTAN, März 2010: Nach starkem Regen und Tauwetter bricht ein Staudamm im Südosten des zentralasiatischen Landes. Die Flutwelle überspült ein Dorf und reißt Dutzende Menschen in den Tod.

BRASILIEN, Juni 2009: Ein Staudamm nahe der Stadt Cocal im Nordosten bricht nach extremen Regenfällen. Er hatte dem Druck des Flusses Pirangi nicht mehr standgehalten. Bilanz: Dutzende Tote und Verletzte, Tausende müssen in Notunterkünfte.

BRASILIEN, Januar 2007: Rund zwei Millionen Liter Schlamm begraben nach dem Bruch eines Staudamms zwei Städte im südwestlichen Bundesstaat Minas Gerais unter sich. Tausende werden obdachlos.

PAKISTAN, Februar 2005: Nach tagelangen Regenfällen bricht ein Damm in Pasni in der südpakistanischen Provinz Balutschistan. Die Wucht der Wassermassen reißt 200 Menschen in den Tod.

SYRIEN, Juni 2002: Der Bruch eines Damms am Orontes-Fluss im Norden kostet 22 Menschen das Leben, Tausende werden obdachlos. Die Flut hatte mehrere Dörfer überschwemmt. Anwohner werfen der Regierung Nachlässigkeit beim Bau und beim Unterhalt des Staudamms vor.

KIRGISIEN, Juli 1998: Unter dem Druck von Hochwasser nach schweren Regenfällen bricht ein Staudamm am Kurban-Kel-See im Südwesten des Landes. 82 Menschen ertrinken in den Fluten.

(dpa)

Ungewöhnlich starker Regen hatte den Staudamm nach Jahren der Trockenheit wieder angefüllt. Die Fluten beschädigten den Überlaufkanal, Experten entdeckten, dass sich Betonteile aus dem Bauwerk gelöst hatten. Der unbändige Wasserstrom erodierte die Hänge und schaffte sich somit ein neues Flussbett, da, wo es eigentlich gar nicht sein sollte.

“Wenn ein Bauwerk einmal solche Schäden aufweist, ist das katastrophal”, so der Direktor der Wasserbehörde Bill Croyle. Die Behörden lassen jetzt kontrolliert Wasser ab, um den kaputten Überlaufkanal zu entlasten. Der soll derweil mit Steinen geflickt werden, die von Helikoptern abgeworfen werden. Bereits in der vergangenen Woche war der Hauptabfluss des Stausees wegen eines Loches geschlossen worden.

Die ersten Bemühungen waren erfolgreich, der unkontrollierte Abfluss konnte nach Angaben der Behörden aufgehalten werden. Dennoch ist die Gefahr nicht gebannt. Ab Donnerstag sind wieder Regenfälle vorhergesagt, die den Druck auf den Staudamm wieder erhöhen würden.

Bilder von den Reparaturarbeiten

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