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Massenvernichtungswaffe VX: So starb Kim Jong Nam


Malaysia

Massenvernichtungswaffe VX: So starb Kim Jong Nam

Die malaysische Polizei konzentriert ihre Ermittlungen im Fall des ermordeten Halbbruders von Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un auf ein Attentat mit dem Nervengift VX. Die Spekulationen gehen nun darum, woher die seit 20 Jahren verbotene Massenvernichtungswaffe kommt.

Überwachungsaufnahmen aus dem Flughafen Kuala Lumpur in Malaysia sollen zeigen, wie Kim Jong Nam von dem Angriff überrascht wird. Daraufhin begibt er sich in die Krankenstation, wo er wenig später zusammenbricht.

Zwei junge Frauen werden verdächtigt, das Attentat mit dem Kampfstoff VX verübt zu haben. Beide wurden inzwischen festgenommen. Nach Angaben der Ermittler hatte sich eine der Frauen nach dem Attentat übergeben müssen. Sie habe Symptome gezeigt, die ebenfalls durch VX hervorgerufen werden könnten.

Was ist VX?

Neben Tabun, Sarin und Soman gehört das Nervengas VX zu den giftigsten chemischen Kampfstoffen. Britische Forscher entdeckten die Substanz 1952, als sie einen Ersatz für das Pestizid DDT entwickeln wollten. Das geruchlose und gelbliche Gift gelangt über Augen und Atemwege oder die Haut in den Körper und führt binnen weniger Minuten zu einem qualvollen Tod. Schon winzige Mengen der flüssigen oder gasförmigen Substanz verursachen Kopfschmerzen und Sehstörungen. Der Tod tritt durch Atemlähmung und Kreislaufkollaps ein, denn VX blockiert für das Nervensystem wichtige Enzyme. Nur Schutzanzüge und entsprechende Masken sichern das Überleben. VX wurde früher unter anderem in den USA produziert, auch in der Sowjetunion gab es ähnliche Substanzen. Der Irak hatte ebenfalls die Herstellung von VX erforscht. Nach Angaben des Schweizerischen Bundesamtes für Bevölkerungsschutz sind bisher keine Fälle bekannt, in denen VX für Kriegs- oder Terrorzwecke eingesetzt wurde.

Das Nervengift gilt als Massenvernichtungswaffe, seit 1997 ist es verboten. “Es ist mehr als hundertmal giftiger als beispielsweise das Nervengas Sarin, das üblicherweise verwendet wird”, erläutert Kim Chul-woo vom südkoreanischen Forschungszentrum KIDA. “Das Problem ist: VX schmeckt nach nichts, ist farblos und nur sehr schwer festzustellen.”

Die malaysische Polizei ist außerdem nach Angaben des Polizeichefs auf der Suche nach radioaktiven Substanzen. Welcher Zusammenhang zu dem Fund von VX besteht, ist unklar; VX gilt als nicht-radioaktiv. Allerdings gab es in der Vergangenheit auch Attentate mit radioaktiven Substanzen.

Während der Flughafen jetzt, mehr als eine Woche nach dem Angriff, dekontaminiert werden soll, haben Einsatzkräfte eine Wohnung in der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur durchsucht. Auch dabei sollen sie auf der Suche nach der tödlichen Substanz gewesen sein.

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