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Roboter helfen Kindern beim Umgang mit Diabetes


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Roboter helfen Kindern beim Umgang mit Diabetes

Dass Roboter mehr als nur Spielzeug sein können, zeigt ein Projekt, das Kindern mit elektronischen Spielen unter die Arme greift. Futuris-Reporter Denis Loctier hat in den Niederlanden nachgeschaut, wie so ein elektronischer Spielgefährte zum Mitglied der Familie wird.

Wir sind zu Besuch bei Ilona Geurts, die mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in einer kleinen Stadt unweit von Amsterdam lebt. Sowohl die 11-jährige Tatum, als auch ihr 13-jähriger Bruder Arjan haben Diabetes.

Ihr Wohlbefinden hängt von einer Vielzahl von Entscheidungen ab, die sie im Verlauf des Tages treffen, wie die Mutter erklärt.

Ilona Geurts: “Die Schule ist eine halbe Stunde mit dem Fahrrad entfernt. Jeden Morgen müssen beide Kinder daran denken, was sie im Verlauf des Tages essen und wie viel Insulin sie brauchen werden. Sie müssen das den ganzen Tag über im Kopf behalten, um sicher nach Hause zu kommen, ohne unterwegs an Unterzuckerung zu leiden.”

Tatum und Arjan nehmen an dem europäischen Forschungsprojekt namens PAL teil, die Abkürzung steht für “Personal Assistant for a healthy Lifestyle”. Spezielle Apps auf dem Tablet zeigen ihnen auf eine wesentlich entspanntere Weise, als ein Schulbuch, wie sie die richtigen Nahrungsmittel auswählen.

Tatum: “Kinder lesen eigentlich keine Bücher mehr. Wir spielen lieber mit Apps auf dem Smartphone.”

Arjan: “Ja, Bücher sind ein bisschen langweilig, Tablets sind viel cooler.”

Dank Roboter: emotionale Bindung zum Patienten

An dem Forschungsprojekt sind drei Krankenhäuser und zwei Diabetes-Organisationen in Italien und den Niederlanden beteiligt. Bei ihren Besuchen im Krankenhaus dürfen die Kinder mit einem Roboter spielen, der dazu programmiert wurde, nicht nur ein Lehrer, sondern ein Freund zu sein. Er spielt wie ein Mensch und macht mitunter Fehler, die die Kinder korrigieren dürfen.

Rosemarijn Looije, PAL-Projektkoordinatorin: “Menschen tendieren dazu, Roboter zu vermenschlichen. Diese Vermenschlichung hilft uns, eine emotionale Bindung zwischen dem Kind und dem Roboter aufzubauen. Das verbessert die Beziehung.”

Der Kinderarzt kann den Roboter den individuellen Lernzielen des Kindes entsprechend programmieren. Wissenschaftler haben festgestellt, dass junge Patienten mit einem solchen elektronischen Spielgefährten viel lieber zur Routineuntersuchung kommen.

Hilfe beim Erkennen der Symptome

Roos Nuboe, Kinderärztin und Diabetologin am Meander Medical Centre, sagt: “Die Kinder lieben diesen Roboter! In der Regel kommen sie nicht gerne ins Krankenhaus, sondern würden viel lieber mit ihren Freunden spielen. Der Roboter hat eine motivierende Wirkung. Sie machen Selfies, um ihren Freuenden zu zeigen, dass Diabetes nicht nur eine Last ist.”

Bei einem Ratespiel stellt der Roboter dem Patienten unterschiedliche Alltagssituationen vor, etwa eine Einladung zur Geburtstagsparty oder mehrere leckere Desserts. Der Spieler muss die gesündeste Wahl treffen. Dann werden die Rollen getauscht. Und der Roboter muss die richtige Antwort finden.

Bert Bierman, Roboterentwickler, Produxi: “Für dieses Projekt brauchten wir einen Roboter, der die Gefühle des Kindes erkennt, der Sätze formulieren und Fragen stellen kann. Auch die Grafik, die wir für das Tablet entwickelt haben, ist sehr wichtig.”

Der Roboter gibt keine medizinischen Ratschläge, hilft aber dabei, unterschiedliche Diabetes-Symptome zu erkennen. Die gespeicherten Daten der Kinder können nicht von Außenstehenden eingesehen werden.

Rosemarijn Looije, PAL-Projektkoordinatorin: “Natürlich werden bei einem zu niedrigen oder zu hohen Zuckerspiegel sofort die Eltern informiert. Aber ansonsten entscheidet das Kind, welche Daten es mit anderen teilt.”

Die Forscher wollen weitere Kinder an diesem Projekt teilhaben lassen und ein Cloud-basiertes Netzwerk zwischen Robotern und Tablets aufbauen, damit die elektronischen Spielgefährten schneller dazulernen – und mit den Kindern mitwachsen.

Weitere Informationen finden Sie hier.

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