Eilmeldung

Sie lesen gerade:

"Verräter, Spione und Terroristen" - Autoren aus der Türkei


welt

"Verräter, Spione und Terroristen" - Autoren aus der Türkei

“Die Türkei ist auf dem Weg zu einem totalitären Unrechtsstaat mit einem Diktator Erdogan an der Spitze”. Das sagt der Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Alexander Skipis auf der Buchmesse in Leipzig. “In so einer Zeit ist Schweigen oder diplomatisches Leisetreten nicht angesagt.”
Eine Online-Petition des Börsenvereins, die von der deutschen Kanzlerin Angela Merkel und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker ein härteres Auftreten gegenüber Erdogan fordert, hat inzwischen fast 140 000 Unterstützer.
“Erdogan wird es nicht schaffen, die Autoren mundtot zu machen. Das wollen wir zeigen”, sagt der Verleger Jörg Sundermeier vom Verbrecherverlag. Auf seine Initiative hin werden zahlreiche Messeveranstaltungen mit einer Lesung aus Texten des in der Türkei inhaftierten “Welt”-Journalisten Deniz Yücel eröffnet.
In der Leseinsel der Unabhängigen Verlage ist es am Donnerstag Verleger Christoph Links vom gleichnamigen Berliner Verlag, der unter dem großen Logo #FreeDeniz liest. “Wie Yücel gibt es noch mehr als hundert inhaftierte Autoren, denen wir hier von der Buchmesse unsere Solidarität bekunden wollen und deren sofortige Freilassung wir fordern”, sagt er.
Nur wenige Meter entfernt leitet die bekannte türkische Fernsehmoderatorin Banu Güven eine Podiumsdiskussion zum Thema “Wer ist das Volk”. Sie habe zwei Mal aus politischen Gründen ihre Arbeit verloren, berichtet sie. So wurde im vergangenen Jahr die Ausstrahlung des Senders IMC TV mitten in ihrem Live-Interview mit dem regimekritischen Kollegen Can Dündar gestoppt.
“Ich gehöre zu der Gruppe von Menschen, die der Präsident als Volksverräter, Spione oder Terroristen bezeichnet”, sagt sie. “Aber Journalismus ist keine Spionage. Den Unterschied zwischen den beiden Begriffen werden wir dem Präsidenten noch klarmachen.”
Wieviel Mut zu solchen Äußerungen gehört, welches Durchhaltevermögen Journalisten und Autoren in der Türkei derzeit abverlangt wird, macht auch die Schriftstellerin Asli Erdogan deutlich, die nicht persönlich nach Deutschland kommen konnte. “Man kann nicht schreiben, ohne sich seine Hand zu verbrennen. Und es ist wirklich so, dass unsere Hände und unsere Arme und unsere Haare brennen”, sagt sie. “Ich denke oft, was ändert das? Warum nehme ich dieses Risiko auf mich? Aber das ist genau Hoffnung.”

“Ich bin Schriftstellerin. Ich habe nichts anderes getan als zu schreiben”, sagt die 50-Jährige. Und trotzdem drohe ihr nun lebenslange Haft. Für ihre Mitarbeit im Beirat der pro-kurdischen Zeitung «Özgür Gündem» wird ihr Terrorismus vorgeworfen, nach einer vorübergehenden Inhaftierung hat der Prozess vergangene Woche begonnen.


Was das Verfassungsreferendum betrifft ist Asli Erdogan wenig zuversichtlich: “Ich bin pessimistisch. Ich denke, dass die Ja-Stimmen die Mehrheit erlangen werden”, sagte die Autorin am Donnerstag in einer Videoschaltung aus Istanbul. “Es sieht so aus, als ob alles dann noch schwieriger wird.”


welt

Madrid engagiert "Katzenkümmerer" für streunende Tiere