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Trotz Eliminierungsplänen: Masern in Europa auf dem Vormarsch


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Trotz Eliminierungsplänen: Masern in Europa auf dem Vormarsch

Immer mehr Menschen stecken sich mit Masern an, trotz der andauernden Bemühungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und Ärzten, die Krankheit auszurotten.

Derzeitige Hotspots: Rumänien und Italien

Die größten Ausbrüche der Krankheit hat es im vergangenen Jahr in Rumänien und Italien gegeben. Innerhalb eines Jahres (von Januar 2016 bis Januar 2017) haben sich in Rumänien rund 3400 Menschen mit dem Virus infiziert, 17 starben sogar an den Folgen der Infektion.

In Italien ist die Zahl der Infektionen seit Jahresbeginn stark angestiegen: Allein im Januar 2017 wurden 238 Fälle gemeldet. Das berichtet die Weltgesundheitsorganisation WHO in ihrem jüngsten Pressebericht.

“Trotz unseres ständigen Fortschritts zur Eliminierung (der Masern) in den vergangenen zwei Jahren ist es besonders besorgniserregend, dass sich die Zahl der Fälle erhöht hat,” sagt WHO-Regionaldirektorin für Europa Dr. Zsuzsanna Jakab.

Masern können überall dort auftreten, wo die Durchimpfungsrate der Bevölkerung unter 95 Prozent liegt. Die WHO geht davon aus, dass dies auch für die beiden von den jüngsten Ausbrüchen betroffenen Ländern der Fall ist.

“Angesichts des modernen Reiseverkehrs macht das Masernvirus vor keiner Grenze halt und kann jede Person erreichen. Die Ausbrüche werden aus der Region und der Welt nicht verschwinden, bevor jedes Land Durchimpfungsraten erreicht, welche die Bevölkerung wirklich schützen,” so Jakab weiter.

Was sind Masern?

Die Masern sind ein Virus, das hoch ansteckend ist und durch Tröpfcheninfektion übertragen wird. Neben hohem Fieber, Husten, Schnupfen und Entzündungen im Rachenraum tritt nach einigen Tagen ein typischer Masernhautausschlag am ganzen Körper auf. Durch die starke Beeinträchtigung des Immunsystems haben neue Erreger ein leichtes Spiel: Besonders gefürchtet sind begleitende Mittelohr-, Lungen- und Gehirnhautentzündungen. Da das Virus in vielen Teilen der Welt noch endemisch auftritt, kann es sich rasant verbreiten, am ehesten in solchen Ländern, in denen es keinen flächendeckenden Impfschutz (das heißt, dass weniger als 95 Prozent der Bevölkerung immunisiert ist) gibt.

In Deutschland gibt es große regionale Unterschiede beim allgemeinen Impfniveau in der Bevölkerung. Für die erste Masernimpfung bei Kindern im Alter von 15 Monaten ist die Zahl in den vergangenen fünf Jahren zwar angestiegen, aber das im Nationalen Aktionsplan definierte Ziel einer bundesweiten Impfquote von über 95 Prozent wird erst bei Kindern im Alter von zwei Jahren erreicht, mit der Ausnahme von Baden-Württemberg (93,4 Prozent) und Sachsen (91,8 Prozent). Das geht aus dem Epidemiologischen Bulletins des Robert-Koch-Instituts hervor.

Blick in die Zukunft

Die 53 Mitgliedsstaaten der Europäischen Region haben den Masern den Kampf angesagt und sich mit einem europäischen Impfaktionplan 2015-2020 dazu verpflichtet, die Impfungen gegen Masern und Röteln voranzutreiben. Dazu arbeiten Experten von der WHO gemeinsam mit den Ländern der Europäischen Region. Ziel ist es, die Impfprogramme zu stärken, und angemessen zu reagieren, sollte es zu neuen Ausbrüchen kommen.

“Ich rufe alle Länder, in denen Masern endemisch sind, dringend dazu auf, die Übertragung innerhalb ihrer Landesgrenzen zu stoppen, und die übrigen Länder fordere ich auf, in ihrer Wachsamkeit nicht nachzulassen und ihre hohen Impfraten beizubehalten. Gemeinsam müssen wir sicherstellen, dass die hart erkämpften Fortschritte in der Region hinsichtlich der Eliminierung nicht verloren gehen,” sagt Dr.Zsuzsanna Jakab, zuständige WHO-Regionaldirektorin für Europa.

Bisher war es gelungen, die endemische Übertragung in 37 der 53 Staaten zu unterbrechen. In 24 Ländern dauert diese Unterbrechung schon länger als 34 Monate, so dass man von einer Eliminierung spricht. Nur in 14 Ländern tritt die Übertragung noch endemisch auf, dazu gehört auch Deutschland.