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Berichte über Verfolgung und Folter Homosexueller in Tschetschenien

Seit etwa einer Woche häufen sich besorgniserregende Meldungen über das Schicksal Homosexueller in Tschetschenien. Von Verfolgung und Folter in Geheimgefängnissen ist die Rede

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Berichte über Verfolgung und Folter Homosexueller in Tschetschenien

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Seit etwa einer Woche häufen sich besorgniserregende Meldungen über das Schicksal Homosexueller in der muslimisch geprägten Teilrepublik Tschetschenien.

Die oppositionelle russische Zeitung “Nowaja Gaseta” berichtete unter Berufung auf mehrere Quellen innerhalb von Polizei und Regierung und auf örtliche Aktivisten, mehr als hundert Homosexuelle seien von den Sicherheitsorganen verschleppt und drei der Opfer getötet worden. Möglicherweise liege die Zahl der Opfer sogar noch deutlich höher. Einige der Festgehaltenen seien misshandelt worden. Den Männern sei eine “nicht-traditionelle Orientierung” vorgeworfen worden.

Ebenfalls dem Bericht der “Nowaja Gaseta” zufolge gebe es Geheimgefängnisse, in denen Männer wegen angeblicher Homosexualität misshandelt würden, um von ihnen die Kontaktdaten anderer Homosexueller zu bekommen. Von Folter mit Stromschlägen ist die Rede.

Russische Menschenrechtler äußerten sich extrem besorgt über die Meldungen. Igor Kotschetkow vom russischen LGBT-Netzwerk in St. Petersburg sagte der Deutschen Presse-Agentur, Hilfsorganisationen versuchten, schwule Männer aus der Gefahrenzone zu bringen. Das genaue Ausmaß der Aktionen sei noch nicht abzuschätzen, was in Tschetschenien passiere, sei beispiellos.

Der Europarat in Straßburg und die EU haben Russland inzwischen zur Aufklärung der Meldungen aufgefordert. Sollten sich die Berichte bewahrheiten, habe man es mit schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen tun, ließ die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini in Brüssel mitteilen. Russland habe sich international verpflichtet, für den Schutz von Menschen zu sorgen, denen wegen ihrer sexuellen Orientierung Verfolgung drohe.

Die autoritäre Tschetschenen-Führung um Republikchef Ramsan Kadyrow wies die Anschuldigungen als Lüge zurück. Es gebe in Tschetschenien gar keine Homosexuellen, sagte Sprecher Alwi Karimow der Agentur Interfax.

Kremlsprecher Dmitri Peskow seinerseits verlautbarte, es sei nicht Aufgabe des Kremls, sondern der Sicherheitsbehörden, solchen Berichten nachzugehen.

Die liberale Oppositionspartei Jabloko forderte die Behörden auf, die Mordfälle aufzuklären und Entführungen zu unterbinden. In Deutschland bat der Grünen-Abgeordnete Volker Beck die Bundesregierung, alles zum Schutz der verfolgten Homosexuellen zu tun.

Die russische Teilrepublik wird von Präsident Kadyrow mit äußerst harter Hand regiert. Ihm werden immer wieder schwere Menschenrechtsverletzungen und die Verwicklung in Morde außerhalb der Teilrepublik vorgeworfen.