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Interview Patrick Pouyanné - Vorstandsvorsitzender der Total-Unternehmensgruppe


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Interview Patrick Pouyanné - Vorstandsvorsitzender der Total-Unternehmensgruppe

Frage David Jacquot, Euronews:
“Guten Tag, unser Gast ist heute Patrick Pouyanné, Vorstandsvorsitzender der Total-Unternehmensgruppe. Willkommen Herr Pouyanné”.

Antwort Patrick Pouyanné:
“Guten Tag.”

Frage:
“Vielen Dank, dass sie heute bei uns sind. Ich würde mit ihnen gerne zunächst die Situation im Mittleren Osten diskutieren. Sie wissen, dass Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate die diplomatischen Beziehungen zu Katar abgebrochen haben. Beeinflusst das ihre Arbeit?”

Antwort:
“Total wurde 1924 im Mittleren Osten gegründet und dies ist eine Region, die wir sehr gut kennen. Wir sind in Katar, in Abu Dhabi, Saudi-Arabien und bald auch im Iran sehr gut etabliert.

Aber sie wissen, dass wir in erster Linie ein Handelsunternehmen sind und so verhalten wir uns auch in Katar, den Emiraten und im Iran. Das bedeutet, dass wir in jedem Land die jeweiligen Interessen wahren.

Was ich mit Interesse sehe und beobachte, ist, dass große westliche Länder jetzt versuchen diese Spannung abzubauen, die offenbar nicht in deren Interesse sind. Der echte Feind in dieser Region ist der Islamische Staat und der Terrorismus.”

Frage:
“Aus geschäftlicher Sicht wissen wir, dass Total in einigen Ländern der Welt aktiv ist, in denen echte geopolitische Spannungen herrschen. Glauben sie, dass die wirklichen Risiken von Total heute mehr geopolitisch als ökonomisch sind? Auch jetzt bleibt das Unternehmen bei einem Preis von unter 50 Dollar für das Barrel profitabel.”

Antwort:
‘‘Total arbeitet überall dort, wo Öl und Gas sind. Wir bestimmen nicht, wo es zu finden ist. Wir sind ein Handelsunternehmen, wir haben keine diplomatischen Kräfte.

In Katar wird Gas produziert, das mit Abu Dhabi durch eine Pipeline verbunden ist. Jeder hätte daran denken können, dass die Krise sowohl Produzenten als auch Endverbraucher betrifft.”

Frage:
“Und das ist nicht der Fall?”

Antwort:
“Es ist nicht so, nein.”

Frage:
‘‘Herr Pouyanné, was antworten sie den Zynikern, die behaupten, dass geopolitische Spannungen, wo immer sie in der Welt auftreten, das Geschäft von Ölgesellschaften wie Total sind. Spannungen erhöhen die Preise. Wie reagieren sie darauf?

Antwort:
‘‘Was unser Geschäft ist? Einen Moment bitte. Wir sind am Rohstoffmarkt beteiligt. Die Preisentwicklung ist nicht von der Geopolitik geprägt. Wie die Märkte in den letzten zwei Jahren leider gezeigt haben, ist es eine Frage von Angebot und Nachfrage.

Ist das Angebot zu groß und die Nachfrage zu gering, sinken die Preise und umgekehrt. Das sind die Grundlagen des Ölpreises. Darüber hinaus sind Öl und Gas in nur acht bis zehn Ländern konzentriert, die 80 Prozent der Reserven haben.

Zu diesen Ländern gehören jene in der Golfregion, Russland, Iran, Saudi-Arabien und die Vereinigten Staaten”.

Frage:
“Nach der Aufhebung der internationalen Sanktionen gegen Iran war Total der erste der großen westlichen Ölkonzerne, der ein Abkommen getroffen hat, um das größte Gasfeld der Welt zu betreiben, South Pars im Iran.
Es stellt sich die Frage, wann der Vertrag unterschrieben wird und wann wird Total mit der Arbeit beginnen?”

Antwort:
“Wir haben im November letzten Jahres ein Memorandum unterschrieben. Wir sind auf einem riesigen Gasfeld tätig, dass zwischen Katar und Iran liegt.

Es ist eine Brücke zwischen den beiden Ländern und eine wichtige Entwicklung für die Region. Es wird die iranische Wirtschaft befördern. In den nächsten Wochen werden wir unterzeichnen.”

Frage:
“Ein kurzes Wort über die Außenpolitik von Donald Trump in dieser Region. Verstehen sie die Logik dahinter? Die USA machen mit Saudi Arabien und Katar Geschäfte und gleichzeitig herrschen diplomatische Spannungen. Dabei betreiben die Amerikaner in Katar eine Militärbasis.”

Antwort:
“Sie müssen Präsident Donald Trump fragen, was seine Politik und seine Strategie sind. Ich denke, dass der Präsident über eine Reihe von diplomatischen Fragen gestolpert ist. Ich bin mir nicht sicher, ob wir noch von Strategie und Politik sprechen können.

Das Thema der amerikanischen diplomatischen Politik wird uns noch ein wenig beschäftigen, bevor Normalität einkehrt. Die Hauptanforderung an Katar ist, die Unterstützung der Hamas zu stoppen. Ich denke, das ist rechtmäßig.

Ich glaube, der wichtigste Tagesordnungspunkt für Präsident Trump im Nahen Osten ist, das Problem zwischen Israel und Palästina zu lösen.”

Frage:
“Auf der europäischen Agenda stehen die Brexit-Verhandlungen, die diese Woche beginnen. Theresa May hat durch die Niederlage bei den Parlamentswahlen ihre absolute Mehrheit verloren. Kann Europa nun in den Verhandlungen davon profitieren und ein besseres Ergebnis erzielen?

Antwort:
“Ich denke, dass was im Bezug auf den Brexit passiert absolut keine gute Sache für jedermann ist. Weder für Großbritannien noch für Europa. Ich denke, dass jetzt das echte Thema für Europa, nach den Brextverhandlungen, die Wiederbelebung des europäischen Projekts ist.

Die Briten haben sich wahrscheinlich von diesem Projekt getrennt, weil es nicht attraktiv genug war. Auch im Rest der Union gibt es Länder, die das europäische Projekt anzweifeln.

Wir haben eine Eurozone mit einer einheitlichen Währung. Wir sollten die Beziehungen vertiefen. Wir müssen den europäischen Bürgern besser klar machen, wie wichtig Europa ist und wie wichtig die Arbeit der europäischen Kommission ist.

Wir haben einen Kontinent mit 500 Millionen Menschen. Das ist ein großer Markt, aber der freie Markt ist nicht vollständig gewährleistet. Es gibt Subventionen für Solarenergie im Norden Deutschlands und im Süden Spaniens.
Auch im digitalen Bereich gibt es Unterschiede.

Der Markt ist in Amerika, Europa hinkt hinterher. Der US Markt ist einheitlich. Wenn Sie sich entwickeln und investieren wollen, haben Sie dort sofortigen Zugang. Das ist in Europa nicht der Fall.”

Frage:
“Sie reisen häufig. Glauben Sie, dass die Wahl von Präsident Macron die Ansicht von Entscheidungsträgern und ausländischen Investoren verändert hat?

Antwort:
“Ja, das ist der Fall. Diese Wahl war ein Sprung in die Moderne. Das Alter unseres neuen Präsidenten und die offene Rhetorik die er verwendet, weisen in die Zukunft.

Emmanuel Macron schlägt vor, die politische Kluft zwischen Liberalismus und Sozialismus zu überwinden. Er versucht eine Politik der Offenheit im Gegensatz zum Phänomen der Besitzstandswahrung.

Die Hälfte des Volkes hat gegen das politische System gestimmt. Ich denke, dass aus diesem Blickwinkel eindeutig unser Land an Attraktivität gewonnen hat.”

Frage:
“Sie beschreiben ein Frankreich, dass modernisieren will. Sollten sie nicht vorsichtiger sein?”

Antwort:
“ Wissen sie, was mich bei der Wahl am meisten getroffen hat? Das war die Debatte über die Globalisierung, diese Ablehnung. Fast 50 Prozent haben dagegen gestimmt, gegen die Marktwirtschaft.

Für eine Gruppe wie die unsrige, die eine globale Gruppe ist, der es gelungen ist, diese Marktwirtschaft zu nutzen und von der Globalisierung profitieren, wir müssen Antworten für diejenigen finden, die dagegen sind”.

Frage:
“Ist das die dringendste Reform, die von Präsident Macron umgesetzt werden muss, um Frankreich attraktiver zu machen?”

Antwort:
“Das Land ist von Jugendarbeitslosigkeit betroffen. Für die Jugend muss Arbeit gefunden werden. Absolut alles muss getan werden, um ihnen Arbeit zu geben.

Es gibt mehrere wichtige Voraussetzungen, aber das Recht auf Arbeit ist wichtig. Es ist nicht einfach, das Unternehmertum ist kompliziert. Arbeitsschutz ist wichtig.

Aber Menschen müssen auch zur Arbeit angeregt werden. Es ist besser, als zu Hause zu bleiben. Das ist keine Kritik. Ich denke, es ist sehr wichtig, dass der Wert der Arbeit in diesem Land anerkannt wird.”

Frage:
“Patrick Pouyanné, vielen Dank für ihren Besuch.”

Antwort:
“Vielen Dank”.

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