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Den Fuß in der Tür zur virtuellen Welt

Für diese besonders innovative und kreative Ausgabe reist Oleksandra Vakulina zum Cannes Lions Festival, der weltgrößten Plattform von Werbung, Design, digitaler Innovation und Marketing mit den neues

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Den Fuß in der Tür zur virtuellen Welt

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Für diese besonders innovative und kreative Ausgabe reist Oleksandra Vakulina zum Cannes Lions Festival, der weltgrößten Plattform von Werbung, Design, digitaler Innovation und Marketing mit den neuesten Trends.

Experten dieser Branchen sind beim Festival, um einen prestigeträchtigen Lion Award abzustauben.

Der diesjährige Präsident der Kategorie Entertainment und Musik hat mir erklärt, wie der Gewinner ermittelt wird. Olivier Robert-Murphy, in der Universal Music Group Chef in der Sparte Neuzugänge berichtet über die dramatischen Veränderungen in der Musikindustrie seit der digitalen Revolution.

Musik vermarkten

Olivier Robert-Murphy, Global Head of New Business, Universal Music Group:
“Etwa eine Woche vor der Preisverleihung sieht sich die Jury alle Videos an. Innerhalb dieser Woche wird jeder einzelne Clip unter die Lupe genommen, fünf Tage lang ohne Unterbrechung. Der interessanteste Tag ist der letzte. Dann wird leidenschaftlich diskutiert, wer gewinnt.
Lange Rede, kurzer Sinn: Es war eine fantastische Erfahrung. Zur Jury gehörte ein Komponist, wir hatten kreative Köpfe dabei, Menschen aus Verlagen, von Plattenlabels und auch einen Künstler – oder sollte sich besser sagen: DEN Künstler Wyclef Jean.
Alle haben unglaubliches Hintergrundswissen und Erfahrung mitgebracht.

Es stimmt, dass die digitale Welt die Musikindustrie vor große Herausforderungen gestellt hat. Doch heute eröffnet das enorme Möglichkeiten.
Was haben wir in den letzten zehn Jahren getan? Wir veränderten unsere Werkzeuge, machten uns Neues zu eigen und entwickelten andere Gewinnmöglichkeiten.
Wie man heute an den Zahlen ablesen kann, wuchs die Musikindustrie im vergangenen Jahr um 4,9 Prozent. Es beweist, dass diese Herausforderungen in massive Möglichkeiten umgesetzt wurden.”

Musik hören

Jeder, der ein Smartphone hat und Musik liebt, kennt Shazam. Mit 120 Millionen aktiven Nutzern jeden Monat hat diese App unsere Gewohnheiten verändert, Musik zu hören. Shazams Chef Revenue Officer sagte, die Unternehmensstrategie fußt auf der Zusammenarbeit statt auf Wettbewerb.

Greg Glenday, Manager, Shazam:
“Wir haben keine Konkurrenten, keine natürlichen Feinde. Wir sind Partner von Spotify, Pandora, Amazon Music, Google Play und Apple Music. Wir arbeiten mit jedem zusammen, der Musik vertreibt. Wir sind eine Schnupper-Plattform. Wir sind wie die Schweiz. Wenn jemand einen Titel bei uns findet und ihn dann hören will, dann ist das kein Problem.

Es zahlt sich aus. Wir werden zu mehr und mehr Partys eingeladen, denn wir sind Partner von allen. Wenn man so offen ist, dann bietet unsere Plattform große Sponsoring-Möglichkeiten für Marken, die ihre Aktivitäten vermarkten wollen.

Jedes Jahr beherrschen bestimmte Themen das Festival in Cannes. Dieses Jahr ist es die augmented reality, die virtuelle Realität, die schon im vegangenen Jahr ein wichtiges Thema war.

Es gibt eine Menge Leute, die die Technologie für virtuelle Realität haben, aber nicht auf viele Milliarden Downloads verweisen können. Deshalb haben wir einen Fuß in der Tür der virtuellen Welt.”

Augmented Reality

YouTube hat unsere Gewohnheiten verändert, wie wir im Netz nach Inhalten suchen und sie entdecken. Auch die Chef-Managerin von YouTube stimmt zu: Virtuelle Realität ist der nächste große Trend. Ich habe sie nach Beispielen gefragt, wie sich unser Leben verändern wird.

Debbie Weinstein, Global Managing Director for YouTube & Video Solutions:

“In der digitalen Welt erfinden wir uns permanent neu. Wenn wir über die Technologien der nächsten Generation sprechen – wie die virtuelle Realität, stehen wir noch ganz am Anfang. Die aufregenden Zeiten stehen uns noch bevor. Virtuelle Realität ist das tiefe Eintauchen in Erfahrungen. Als ob man dabei wäre. Als ob man auf einem Konzert in der ersten Reihe stünde. Gerade testen wir die virtuelle Realität mit mehreren Menschen – also, als ob du mit zwei, drei, vier Freunden in der ersten Reihe eines Konzerts deines Lieblingskünstlers stündest. Man erfährt diese virtuelle Realität, ohne wirklich dazusein.

In dieser Richtung wird es weitergehen. Erfahrungen, an denen alle teilhaben können.”

Asiens Apps

Youtube und Shazam sind allgemein bekannte Namen. Ihre chinesischen Konkurrenten sind nicht so bekannt, doch sie haben großes Potential. 2016 gab es mehr als 46.000 Startups in China, die mit den herkömmlichen Wirtschaftsmodellen aufräumten, so Price Waterhouse Coopers.

Clement Yip, Digital Services & Experience Centre Leader, PWC China und Hong Kong:
“Viele dieser Startups liefern den besseren Service. Vor einigen Jahren gab es erste Apps für Carsharing, die privaten Fahrdiensten ähneln. Sie wurden sehr beliebt in China. 2015, kurz nach ihrem Start, gab es täglich acht Millionen Nachfragen. Für 2018 werden 37 Millionen Nachfragen vorausgesagt, das ist wirklich spannend. Viele dieser Dienste werden sich weiter entwickeln.”

Virtueller Assistent

Heute braucht man nur noch sein Smartphone, um arbeiten zu können, ein Auto zu bekommen, Essen zu bestellen, Musik zu hören oder zu lesen. Viele von uns können sich ganze Tage lang nur mit ihrem Smartphone beschäftigen. Ein Leben ohne ist für viele nicht mehr möglich.

Dieser Trend wird sich nicht stark ändern, darin sind sich alle Unternehmen in Cannes einig. Aber andere Themen wie Datenschutz und Datenaustausch werden immer wichtiger werden. Themen, die wir vielleicht noch nicht ernst genug nehmen.

Alex Cheeseman, Chief Strategy Officer, Storyful:
“Es wird eine Entwicklung geben hin zu Internetnutzern, die ihre eigenen Daten kontrollieren wollen. Was bedeutet das für den Rest der Welt? Derzeit scheren sich die Konsumenten nicht um ihre Daten. Sie hinterlassen sie auf allen möglichen Websites. Sie setzen ihr Häkchen, ohne genau nachzulesen. Ich wette mit ihnen, das haben Sie selbst in den vergangenen Jahren schon hunderte Male so gemacht. Menschen interessieren sich nicht für ihre Daten, solange, bis etwas Schlimmes passiert.

Dann stellen sie fest: Nur wenn ich meine Daten zurücknehmen kann und allein darüber verfüge, kann ich sie schützen.

Was bedeutet es für die Werbung und Soziale Netzwerke, wenn Menschen ihre eigenen Daten besitzen? Es wird einen Werte-Austausch geben. Das wird innerhalb der nächsten zwei bis fünf Jahre ein neuer Trend. Dieser wird großen Einfluss auf die Branche haben. Neben Datenschutz wird auch künstliche Intelligenz wichtiger wie auch der virtuelle Assistent, der uns hilft, Entscheidungen zu treffen. Das ist erschreckend, denn dann wird es schwierig sein, eine andere Entscheidung zu treffen, wenn dein persönlicher Assistent alles für dich in die Hand nimmt.”