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Weg vom Öl: Angola diversifiziert seine Wirtschaft

Um die Abhängigkeit von den Erdölexporten zu mindern, versucht Angola, andere Branchen zu fördern

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Weg vom Öl: Angola diversifiziert seine Wirtschaft

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Lange Zeit war Angola abhängig von seinen Erdölexporten. Der Sinkflug des Ölpreises drückte empfindlich auf den Staatshaushalt des südwestafrikanischen Landes. Seit einigen Jahren bemüht es sich, seine Wirtschaft zu diversifizieren – weg allein vom Erdöl. Dafür ist der Ausbau der Infrastruktur nötig, die Modernisierung der Energieversorgung und bessere Bedingungen für private Investoren.


Fisch vom Fließband


Elizabete Dias Dos Santos gehört zu den privaten Investoren, die auf Angola setzen. Sie ist eine der prominentesten Geschäftsfrauen im Lande. Sie investierte 25 Millionen Dollar in die Fischfabrik von Solmar. Die Verarbeitungungsanlage eröffnete im vergangenen Herbst. Diese Art von Fließbandproduktion ist in dem Sektor einzigartig in Angola.

Dias dos Santos: “Es ist sehr wichtig, dass die angolanischen Investoren sich auch für andere Branchen interessieren und nicht nur für das Erdöl. Angola besitzt andere Reichtümer, die genutzt werden sollten, Industrien wie die unsrige, die mit Verantwortungsgefühl, Respekt, Transparenz und Technologie arbeiten. Und die es erlauben, die Wirtschaft zu diversifizieren und sich international zu positionieren.”

120 Leute arbeiten in der Fabrik. Daneben profitieren die Zulieferer, der traditionelle Fischfang in Angola – mehr als 50.000 Menschen leben hier davon. Dias dos Santos: “Die Kleinfischerei in Angola ist eine Realität, die man nicht außen vor lassen kann. Man muss diesen Sektor unterstützen. Unser Unternehmen behält eine Quote von vierzig Prozent den Kleinfischern vor, dem traditionellen Fischfang.”


Heimische Rohstoffe lieber selbst verarbeiten


Ein anderes großes Investitionsobjekt: Das riesige Stahlwerk von Aceria de Angola nördlich der Hauptstadt Luanda. Vor zwei Jahren ging es in Betrieb, 350 Millionen Dollar wurden hier investiert. Es gibt nichts Vergleichbares in dem Land. In dem Werk wird Stahl recycelt und daraus Bewehrungsstahl für Beton hergestellt. Qualitätsmanager Luis Silva: “Stahl ist ein essentielles Produkt für die Entwicklung – egal welches Land. Er wird beim Häuserbau benutzt, beim Straßenbau, für Staudämme – eigentlich überall.”



500.000 Tonnen im Jahr können hier produziert werden – fast doppelt so viel wie die Nachfrage in Angola. Ziel des libanesisch-senegalesischen Betreibers Georges Fayez Choucair ist also der Export. Ein Umbruch für ein Land, das heute fast alles importiert: “Nutzen wir doch Afrikas Ressourcen, um sie weiterzuverarbeiten und zu exportieren! Statt die Bodenschätze und Rohstoffe ins Ausland zu schicken und sie als verarbeitete Produkte wieder zu importieren! Das macht doch keinen Sinn!”

Die Fabrik gibt mehr als fünfhundert Menschen Arbeit und verschaffte auch vielen von ihnen eine Ausbildung. Für sie wurde die Region elektrifiziert und ans Wasser angeschlossen. Es musste eigens eine Hochspannungsleitung hierher gelegt werden. Silva: “Die Arbeitslosigkeit lag hier vor fünf Jahren bei siebzig Prozent. Heute sind wir bei zwanzig Prozent. Da sind nicht nur direkte Arbeitsplätze, sondern auch indirekte mitgerechnet.” Fayez Choucair ist überzeugt: “Man kann nicht in einem neuen Land investieren, in einer völlig neuen Bevölkerung und ankommen und sich einnisten nach dem Motto ‘ich bin reich’ – nein! Man muss heute die Bevölkerung für sich gewinnen, das ist kein Projekt eines Einzelnen, sondern ein Gemeinschaftsprojekt!”


Investitionsinitiative der Regierung


Um private Investoren zu gewinnen, hat die angolanische Regierung die Bedingungen für einheimische und ausländische Unternehmen verbessert – ob mit Steuervergünstigungen, Hilfe bei der Finanzierung und vereinfachten Verfahren zur Firmengründung.
Dias Dos Santos: “Wir haben eine junge, eine jungfräuliche Wirtschaft. Die Globalisierung verlangt uns diese Veränderungen und strategischen Partnerschaften ab! Wenn wir diese Vision nicht haben, wird es für uns schwierig, eine starke Volkswirtschaft zu werden. Entweder wir öffnen uns, oder wir igeln uns ein – und sind tot!”

Angola setzt auf seine geostrategische Lage an der südwestafrikanischen Küste und auf sein Entwicklungspotenzial, um Investoren zu ermutigen.