Eilmeldung

Der Nationalpark Doñana in Andalusien gilt als eins der wichigsten Feuchtgebiete Europas. Die über fünfzig Hektar Lagunen, Dünen und Marschland zwischen dem Atlantik und dem Fluss Guadalquivir sind eine wichtige Station für Zugvögel, tausende Wildenten und -gänse überwintern hier. 1980 erklärte die UNESCO das Gebiet zum Biosphärenreservat, 1994 setzte sie den Park auf die Liste des Welterbes. Etliche seltene und bedrohte Tierarten leben hier.



Doch wissenschaftliche Studien warnen, dass der Klimawandel Doñana verändern wird: Das Feuchtgebiet trocknet aus. Francisco Borja, Professor an der Universität im nahegelegenen Huelva: “Die meisten Lagunen von Doñana speisen sich aus Grundwasser, das durch den Grundwasserleiter fließt, die Hohlräume im Gestein. Durch den Klimawandel wird es weniger Regen hier geben, und damit sinkt der Grundwasserspiegel. Deshalb werden die Lagunen sich im Winter immer schlechter wiederauffüllen können.”



Umweltorganisationen und Wissenschaftler klagen, dass schon mehrere Lagunen ausgetrocknet seien – nicht nur durch den Klimawandel, sondern auch durch die Landwirtschaft in der Umgebung, die zunehmende Verstädterung der Region und den Bau eines Golfplatzes.

Borja: “Die aktiven Dünen sind Sandmassen, die vom Strand durch Wind ins Inland getragen werden, und die die Pinien in den Wäldern stellenweise unter Sand begraben. Man erwartet, dass der Anstieg des Meeresspiegels, der mit dem Klimawandel für die nächsten Jahrzehnte vorhergesagt wird, diese Windbewegungen reaktiviert. Und diese Windbewegungen sind für die Entstehung dieser Sanddünen im Binnenland verantwortlich.”

Die Entstehung neuer Dünen ist die Folge eines Aridifizierungsprozesses. Dass sich solche neuen Dünen bilden, ist ein Zeichen für die Verschlechterung dieser Ökosysteme, bedingt durch Trockenheit, Erderwärmung und durch den Anstieg des Meeresspiegels. Borja:
“Die Erderwärmung sorgt umgehend für den Anstieg der Meeresspiegel. Die Küstendünen von Doñana verschwinden dadurch. Eine Küstendüne an der Stelle, an der ich gerade stehe, ist schon verschwunden. Der Holzsteg hier war hinter eben dieser Düne vor nur zwanzig Jahren angelegt worden. Durch den Klimawandel gibt es weniger Regen, und damit sind auch die Perioden kürzer, in denen das Marschland des Parks überschwemmt wird. Dies wird den Salzgehalt hier verändern und andere chemische Parameter, die sich auf die Fauna und Flora auswirken werden. Im Marschland von Doñana gibt es Bereiche, die durch die Gezeiten täglich überflutet werden. Diese Typen von Marschland sind heute selten, aber mit dem erwarteten Anstieg des Meeresspiegels durch den Klimawandel werden sie sich ausweiten.”



Die Grundwasservorräte in der Gegend werden übermäßig von der örtlichen Landwirtschaft aufgesogen und von den Städten. Direkt neben dem Nationalpark liegen große Erdbeerplantagen. Laut dem World Wide Fund for Nature, der sich seit Jahrzehnten für Doñana einsetzt, produziert die Landwirtschaft rund um den Park siebzig Prozent aller Erdbeeren in Spanien.



Klimamodelle prognostizieren eine weitere Aridifizierung, den Anstieg des Meeresspiegels um einen halben Meter bis zum Ende dieses Jahrhunderts und eine Verringerung der Frischwasser-Feuchtgebiete. Handeln tut Not.

Video und englischer Originaltext von Daniel González Acuña