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Ikari - die fliegenden Männer von Mostar


Bosnien-Herzegowina

Ikari - die fliegenden Männer von Mostar

451. mal wurde schon der mutigste und schönste Sprung gekürt, fast so oft wie es die berühmte Brücke von Mostar gibt. Unter den jungen Männern der Stadt war es Tradition, sich zu überwinden und 20 Meter tief in die eiskalte Neretva zu springen. Heute ist es noch immer Wettbewerb, vor allem aber Broterwerb.


Der Wettbewerb ist ein Touristenmagnet, aber die Männer springen auch so jeden Tag. Was wie Spaß und Übermut aussieht, ist ein Knochenjob. Sechs Männer arbeiten auf der Stari Most, sie wechseln sich in zwei Gruppen einen Tag um den anderen ab, von morgens bis abends. Es ist bis 40 Grad heiß, das Wasser hat höchstens acht Grad. Der Temperaturunterschied schockt Herz und Kreislauf; der Aufprall schadet der Wirbelsäule.


Bis 1993 verband die Brücke Kroaten und Bosniaken, dann wurde sie im Krieg durch Beschuss zerstört. Die meisten Springer sind Bosniaken, es gibt aber auch ein paar Kroaten darunter. Die Männer sprechen nicht gern über den Krieg. Sie alle nennen sich Ikari, die fliegenden Männer. Aber auch wenn die Brücke seit 2004 wieder aufgebaut ist und die ehemals feindlichen Stadtteile wieder verbindet, geheilt sind die Wunden des Krieges noch immer nicht ganz.