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Wanderarbeiter - die Sklaven der Moderne

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Wanderarbeiter - die Sklaven der Moderne

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Sie legen jedes Jahr viele Tausende Kilometer zurück, um an einen oft schlecht bezahlten Job im Westen Europas zu gelangen. Sie nehmen oft unmenschliche Arbeitsbedingungen in Kauf. Sie werden ausgebeutet: von halbkriminellen Vorarbeitern, von dubiosen Subunternehmen, von skrupellosen Geschäftemachern. Die Rede ist von Wanderarbeitern.

allviews Created with Sketch. Meinung

"Subunternehmertum öffnet Tür & Tor für Ausbeutung ausländischer Arbeitskräfte."

Letitia Matarea-Türk DGB-Beraterin

Euronews-Reporter Hans von der Brelie und Kameramann Andi Popa haben sich auf den Weg in die rumänische Provinz gemacht, um mit den Menschen zu sprechen, die sonst oft nur schweigen und schuften. Denn auch das ist Teil der heutigen Realität: Viele Wanderarbeiter aus Zentral- und Osteuropa, aus Polen, Bulgarien, Rumänien haben Angst, offen über ihre oft haarsträubenden Erfahrungen im Westen Europas, in Deutschland, Frankreich, Italien zu reden.

Rückkehr nach Rumänien

Alexandru Spalatelu, Alexandru Crisan und Ciprian Dehelean verbrachten lange, beschwerliche Monate als Wanderarbeiter in der Fremde, im vermeintlich goldenen Westen. Sie schufteten auf Baustellen. Sie lieferten Pakete aus. Sie weideten geschlachtete Rinder aus. Sie begannen frühmorgends. Sie machten spätabends Schluss. Und doch bringen sie kaum Geld zurück nach Hause. Warum?

Wir sind eingeladen bei Alexandru Spalatelu und seinem Hund Tyson, der uns aufgeregt mit dem Schwanz wedelnd begrüßt. Wanderarbeiter Spalatelu lebt im Dorf Lungesti, von der rumänischen Hauptstadt Bukarest aus sind das gut und gerne vier Stunden Fahrtzeit. Arbeitsplätze sind hier in der rumänischen Provinz Mangelware.

Nach dem serbischen Drahtzieher fahndet der deutsche Zoll

Alexandru Spalatelu schuftete in Deutschland für ein von rumänischen Strohmännern geleitetes Subunternehmen. Der Drahtzieher soll ein abgetauchter Serbe sein, nach dem der deutsche Zoll fahndet. Spalatelu wurde einem deutschen Generalunternehmen überlassen, um im Frankfurter Flughafen Büros zu bauen. Versprochener Stundenlohn 11 Euro 50. Doch Spalatelu bekam nur die Hälfte… und nach zwei Monaten gar keinen Lohn mehr.

“Uns wurde nur so eine Art Taschengeld in die Hand gedrückt”, berichtet Alexandru Spalatelu. “Für was zum Essen… Mal gab es für unsere Sechsergruppe 30, 40 oder 50 Euro pro Woche. Dann zehn Euro pro Tag.” Damit die Information auch wirklich angkommt beim Zuhöhrer, wiederholt Spalatelu den Satz: “Am Ende waren wir noch sechs Arbeiter – und zusammen bekamen wir täglich nur zehn Euro Essensgeld.” Die Gruppe kaufte sich billiges Gemüse, einen Sack Kartoffeln. Wochenlang ernährten sich Spalatelu und seine Kollegen nur mit selbstgekochten Suppen.

Schuften bis zum Umfallen

“Wir haben täglich 14, 16, einmal sogar 20 Stunden geschuftet”, erzählt Spalatelu weiter. “Ein normaler Tag begann um sieben Uhr morgens und dann haben wir bis ein Uhr nachts durchgearbeitet. Einerseits wollten wir die begonnene Arbeit zu Ende bringen. Und dann dachten wir auch, wenn wir mehr und härter und länger arbeiten, dann würden wir doch noch unser Geld bekommen… Fehlanzeige…”

Powerfrau Letitia kämpft für Gerechtigkeit

Spalatelu lädt uns in seine bescheidene Wohnung. Im Wohnzimmer hängen eine Ikone und eine Landschaftsidylle an der Wand, in der Ecke steht eine rumänische Fahne, auf einem Resopaltisch finden sich einige Plastikmodelle von Baggern und Lastkraftwagen. Auch ein einfacher Computer fehlt nicht. Spalatelu baut eine Skype-Verbindung nach Frankfurt am Main auf.

Auf dem Bildschirm erscheint ein freundlich lächelndes Gesicht. Spalatelu wurde gerettet von Letitia, einer deutsch-rumänisch zweisprachigen Powerfrau, die Wanderarbeitern in Not hilft. Letitia ist Teil einer “Eingreiftruppe” des Deutschen Gewerkschaftsbundes DGB. Faire Mobilität nennt sich das Projekt.

Dort wo in Deutschland viele Wanderarbeiter beschäftigt sind, stehen die vielsprachigen DGB-Teams am Fabriktor, auf der Baustelle, am Lieferanteneingang, an der Schlachthofzufahrt, verteilen Infoblätter mit überlebenswichtigen Telefonnummern von Juristen, Notfallhelfern, Gewerkschaftern und Menschen wie Letitia. Einige Teams sind deutsch-polnisch aufgestellt, andere deutsch-ungarisch oder – wie bei Letitia – deutsch-rumänisch.

Skandal am Frankfurter Flughafen

Ich setze mich neben Alexandru Spalatelu: “Guten Tag Frau Türk, erzählen Sie uns in einem Satz, was war in Frankfurt am Main genau los?”

Letitia Matarea-Türk nimmt einen Schluck Tee aus ihrer Tasse. Dann legt sie los: “Also Herr Spalatelu und seine Kollegen wurden vor mehreren Monaten von ihrem Arbeitgeber um ihren Lohn betrogen. Insgesamt sind ihm und weiteren vier Kollegen rund 55.000 Euro Lohn vorenthalten worden…”

Ich frage nach: “Können Sie uns schildern, mit welchen Tricks die Arbeitgeber Menschen wie Herrn Spalatelu übers Ohr hauen?”

Letitia Matarea-Türk: “Die häufigste Praxis ist, dass den Personen keine Mindestlöhne (des Gastgeberlandes) oder keine Tariflöhne gezahlt werden, dass ihnen willkürlich Teile vom Lohn abgezogen werden…”

“Was soll sich ändern in der Europäischen Union, damit solche Fälle nicht mehr passieren können?”, will der Euronewsreporter von der DBG-Beraterin in Frankfurt am Main wissen.

Letitia Matarea-Türk: “Die Weitervergabe von Aufträgen an eine unkontrollierte Anzahl von Sub-Subunternehmen sollte branchenübergreifend begrenzt werden. Nach unseren Erfahrungen öffnet diese gängige Praxis des Subunternehmertums in fast allen Branchen Tür und Tor für die Ausbeutung von ausländischen Arbeitskräften.”

6000 Beschwerden pro Jahr

Sechstausend Beschwerden von Wanderarbeitern landen pro Jahr beim DGB, haarsträubende Geschichten. Und doch ist Spalatelu erneut am Packen. Er will seinen drei Töchtern finanziell aushelfen. Dieser Wunsch, als Familienvater für seine Kinder sorgen zu können, treibt Alexandru Spalatelu in die Ferne, seit über zwei Jahrzehnten schon: In Jordanien installierte er Sonnensegel, in Griechenland verlegte er Kabel, auf Zypern arbeitete er in der Metallbranche, dann schuftete er in Italien und Deutschland.

Es ist nicht so, dass er im Ausland nur schlechte Erfahrungen gemacht hat, ganz im Gegenteil. Noch heute bekommt Spalatelu glänzende Augen, wenn er an seine Zeit in Jordanien zurückdenkt: korrekte Behandlung, gutes Essen, hübsche Unterbringung, anständige Arbeitszeiten, angemessene Bezahlung… alles passte.

Doch seit der Jahrtausendwende mehren sich die Fälle von Ausbeutung, undurchschaubaren Kettenverträgen mit dubiosen oder finanziell angeschlagenen Subunternehmen, Schwarzarbeit, Arbeitsverhältnisse am Rande der Illegalität, Betrug im großen Stil… Leidtragende sind meistens Menschen wie Spalatelu, die Wanderarbeiter.

Spalatelu hat einen großen Koffer, in den er nur wenige Kleider packt, dafür aber Packungen mit selbst eingekochten Eintopfgerichten, ein Fläschchen Selbstgebrannten, gerahmte Bilder seiner mittlerweile erwachsenen Töchter, eine kleine Ikone. Zuletzt legt Spalatelu eine Angelrute auf das Gepäck. Nicht, weil es bei seinem nächsten Job in Italien nichts zu tun gäbe, ganz im Gegenteil… für den Fall, dass wieder irgend etwas schieflaufen sollte, kann sich Spalatelu notfalls einen Fisch an Land ziehen, damit er etwas zwischen die Zähne bekommt…

Macht was gegen die Phantom-Firmen

“Was wünschen Sie sich von Europa?”, will der Euronewsreporter von Spalatelu wissen, bevor dieser den Koffer zuklappt und sich erneut auf die Reise gen Westen begibt.

Alexandru Spalatelu: “Macht was gegen diese Phantom-Firmen, in Deutschland oder sonstwo. Die bringen Arbeiter über die Grenze und beuten die aus wie Sklaven. Wir Rumänen, Bulgaren und andere Osteuropäer werden ausgenutzt. Man sollte strenger kontrollieren. Die Behörden sollten den Subunternehmern auf den Zahn fühlen und mal so richtig nachfragen: Habt ihr Geld vom Generalunternehmer bekommen? Habt ihr Eure Arbeiter bezahlt? Ja? OK, dann macht weiter! Falls nicht: Dann haut ab! Stopp!”

Prinzip Hoffnung

Auf zu neuen Abenteuern. Mit einem vagen Job-Versprechen macht sich Spalatelu auf den Weg nach Italien, er soll Baumaterial zwischen Rom und Mailand transportieren. – Vor ihm liegen 2000 Kilometer. Einen Arbeitsvertrag? Gesehen hat er noch keinen. Wie Spalatelu machen es viele Wanderarbeiter, sie fahren los, folgen dem Prinzip Hoffnung.

Die Tipps, wo welcher Job zu haben ist, bekommen sie über die sogenannten “sozialen Medien”. Verabredungen mit Vorarbeitern und Mittelsmännern werden mündlich getroffen. Oft genug fahren die Wanderarbeiter los mit nichts weiter als einem Vornamen und einer Mobiltelefonnummer in der Tasche, einer Adresse, einem Datum, einer Uhrzeit. Ein paar tausend Kilometer später stellt sich dann heraus: Der Job ist schon vergeben. Oder der Mittelsmann will mehrere hundert Euro Vermittlungsgebühr. Oder – der “große Klassiker” – es gibt Arbeit, viel und schwere Arbeit, aber nur “schwarz”, ohne Vertrag, ohne Papiere.

Knochenjob Paketauslieferung

Auch der 22jährige Wanderarbeiter Alexandru Crisan macht sich Sorgen, wie er seine kleine Familie durchbringen kann. Wir treffen ihn, seine Frau und sein Kind auf einem Spielplatz in der rumänischen Provinz. Anfang des Jahres kam Alessia auf die Welt, sein kleines Töchterchen, und die Familie braucht Geld. Alexandru ging nach Deutschland und suchte sein Glück bei einem Subunternehmen im Dienste eines großen deutschen Paketdienstes. Die Arbeit begann um halb fünf, vor dem Morgengrauen: Alexandru musste Pakete sortieren und die Transporter beladen. Dann setzte sich Alexandru ans Steuer, lieferte aus bis neun Uhr abends, ein echter Knochenjob.

Alexandru Crisan berichtet: “Viele Kleinlaster hatten rumänische Kennzeichen. Keine Ahnung, ob die Versicherung hatten oder nicht. Doch ich weiss, dass ich nicht versichert war. Das war voll krass, das waren die reinsten Schrottkisten: Die Handbremse funktionierte nicht, Kupplung kannste auch vergessen… und ich da drin, ohne Unfall- und Krankenversicherung…”

Sieben Arbeiter in einem Bett

Das war nicht sein erster “Horror-Trip”. Über einen Mittelsmann fand Alexandru einen Job bei einem italienischen Subunternehmen, das beim Abriss US-amerikanischer Militärbaracken in Deutschland helfen sollte. – Die Unterbringung war katastrophal.

“Wir wurden zu etwa zehnt in einen Raum gepfercht”, erinnert sich Alexandru. “Zwei der Kollegen teilten sich ein Kinderbett, die restlichen sieben oder acht schliefen auf dem großen Bett. Das war sowas von eng… Wenn einer mal raus musste oder sich einfach nur umdrehen wollte, musste er die anderen aufwecken… dann haben sich alle gleichzeitig von einer Seite auf die andere gedreht.”

Auch Wanderarbeiter brauchen Schutzengel

Um die Ecke biegt ein Auto: Ankunft von Erich Mocanu. Eigentlich lebt der farbenfroh gekleidete, optimistisch und aufgeschlossen wirkende Mann mit seiner Familie in Deutschland, doch oft ist er auch in Rumänien unterwegs, heute beispielsweise hat er Unterschriften und Bevollmächtigungen gesammelt für eine Sammelklage geprellter Wanderarbeiter aus der Transportbranche.

Der zweisprachige frühere Privatdetektiv sieht sich als eine Art Schutzengel für in Deutschland gestrandete Rumänen. Seine Kontaktdaten hat er ins Internet gestellt, einen Verein gegründet. Und das funktioniert: Dutzende, Hunderte “Notrufe” gehen bei Erich Mocanu ein. Und Erich wird aktiv…

Erich macht Druck

Wenn Not am Mann ist, dann setzt sich Erich Mocanu sofort in sein Auto, klemmt sich umgehend hinter sein Telefon, schreibt scharf formulierte Mails, vermittelt juristischen Beistand. Der Mann macht Druck. Er alarmiert Zollfahndung und Behörden, Polizei und Gewerkschaften. Er rührt die Trommel der sozialen Medien, stellt sich mit seinem Mobiltelefon mal mitten in der Nacht, mal tagsüber vor Fabriktore und schaltet auf Direktberichterstattung. Er bloggt und vloggt. Er protestiert. Er twittert.

Man merkt es Mocanu an, die oft ungestraft um sich greifende Ungerechtigkeit, die Willkür, die Sturheit vieler Behörden, die Passivität der Kontrolleure, die Langsamkeit der Justiz, die Not der Wanderarbeiter machen ihm zu schaffen. Er will etwas bewegen, anstoßen, verändern hin zum besseren.

Zustände wie im Mittelalter

Erich, Alexandru und Ciprian schütteln sich die Hände, setzen sich an einen Tisch.Unser Reporterteam darf zuhören, nachfragen, notieren, filmen. Die drei berichten von Zuständen wie im Mittelalter. Wanderarbeiter werden in Deutschland ausgebeutet, von Vorarbeitern verprügelt und erpresst. Willkürliche Lohnabzüge, illegale Zahlungen an Mittelsmänner und immer wieder: arbeiten bis zum Umfallen.

Ciprian schuftete in einer bayerischen Fleischfabrik. Er hat sich alles auf einem kleinen, schon etwas schmuddelig wirdenden, abgegriffenen Zettel aufgeschrieben… Er arbeitete 19 Stunden am Stück im Schlachthof, mit seinen Händen schnitt und riss er die Eingeweide aus den Tieren heraus, die reinste Sklavenarbeit. Frage an Erich Mocanu: Wie ist so etwas heute, im Jahr 2017, in Europa überhaupt noch möglich?”

Das Problem sind die Subunternehmer

Erich Mocanu nimmt kein Blatt vor den Mund. “Es ist möglich, weil die rumänischen Arbeiter in Deutschland unter Voraussetzungen eingestellt werden, die kein Mensch versteht”, beginnt er seine Erklärung. “Das große Problem sind die Subunternehmer. Kein Mensch kann noch durchblicken, welcher Mitarbeiter wo arbeitet und für wen…”

“Erich, wie funktioniert dieses betrügerische System dieser Subunternehmer überhaupt?”, will ich wissen.

Erich Mocanu: “Steuern, die in Deutschland abgeführt werden müssten, werden gespart, da die Mitarbeiter unter Scheinfirmen angemeldet werden. Manchmal sind sie noch in Rumänien gemeldet, bekommen den ausländischen, rumänischen Mindestlohn – und nicht den in Deutschland gültigen Mindestlohn…” – Derartiges ist illegal, die Gesetzeslage ist eindeutig: Wer in Deutschland arbeitet, ganz egal ob Deutscher, Rumäne oder Marsmännchen, darf nicht unter deutschem Mindestlohnnievau bezahlt werden.

Grenzüberschreitendes Mindestlohngeschummel

Gesetz ist Gesetz. Die Realität etwas anderes, offenbar auch in Deutschland. Erich Mocanu holt einen Stapel Verträge aus seiner Tasche (auf der übrigens die deutsche und die rumänische Flagge harmonisch Seite an Seite zu sehen sind, verwoben mit einem Schutzengelsymbol). “Hier ist ein Vertrag”, zeigt Mocanu, “der für ein Subunternehmen eines großen, deutschen Paketdienstes ausgestellt ist. Der Vertrag ist nach rumänischem Recht erstellt, acht Stunden Arbeitszeit, Lohn 1450 Lei, das sind umgerechnet 300 Euro.” Dann erläutert Mocanu den eigentlichen Trick: “Es existiert hier ein Geschäftsführer mit zwei Firmen, einer in Deutschland, einer in Rumänien. Die in Deutschland gemeldete Firma ist diejenige, die die Verträge mit den großen Konzernen schließt, während die in Rumänien gemeldete Firma diejenige ist, die die Leute einstellt. Somit verschwinden Steuern aus Deutschland, Sozialversicherung, Rentenversicherung.”

Alptraum-Job im deutschen Schlachthof

Ciprian Dehelean hat aufmerksam zugehört, der Mann hat wache Augen hinter dicken Brillengläsern. Gelegentlich nickt er zustimmend. Mocanus Erläuterungen kennt Ciprian aus höchstpersönlicher Anschauung. Ciprian berichtet von seinem Alptraum-Job in einem bayerischen Schlachthof: Die Verdauungssäfte der geschlachteten Tiere liefen ihm in die Handschuhe, seine Finger infizierten sich. Kaum Pausen, kein Vertrag… Und wie kommen die Leiharbeiter überhaupt in das Gebäude?

Ciprian Dehelean: “Ich bekam eine Zugangsberechtigungskarte, um den Schlachthof zu betreten. Doch die war nicht auf meinen Namen ausgestellt, sondern auf einen anderen Kollegen, der dort gar nicht mehr arbeitete. Als ich dann den Schlachthof verließ, benutzten die Leiharbeiter, die nach mir kamen, dieselbe Karte. – Die Verantwortung für die Missstände trägt der deutsche Arbeitgeber, denn der lässt den Subunternehmer gewähren, wenn er inoffiziell neue Leute einschleust. Alle profitieren: Das deutsche Unternehmen macht seinen Schnitt, die Mittelsmänner auch – und die Vorarbeiter pressen aus den Arbeitern Vermittlungsgebühren. Das ist nicht normal.”

Stimmt, normal ist das nicht. Und doch macht sich auch Ciprian dieser Tage wieder auf den Weg. Er zögert zwischen Apfelernte in Italien und Innenausbau in Frankreich. Immer noch glaubt er, Glück und Geld im goldenen Westen zu finden.

Insiders: Posted workers from Romania