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5 fassungslose Kommentare: Europas Zeitungen zu Las Vegas

Fassungslos sind die Kommentatoren in Europa vor allem darüber, dass es so aussieht, als würden sich die Waffengesetze in den USA auch nach dem Blutbad von Las Vegas nicht ändern - im Gegenteil...

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5 fassungslose Kommentare: Europas Zeitungen zu Las Vegas

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In der deutschsprachigen Presse sind die meisten Kommentare den Waffengesetzen in den USA gewidmet. Fassungslos blicken die Korrespondenten vor allem darauf, dass es so aussieht, als gebe es keine Chance, die laxen Waffengesetze in den USA zu ändern.

Die taz aus Berlin bezeichnet Donald Trump als “Präsident der Waffenlobby”: “Mit Trump ist die Schusswaffenlobby im Weißen Haus angekommen. Die NRA (National Rifle Association) hat dafür gesorgt, dass es in den USA heute mehr Schusswaffen als Einwohner gibt, dass militärische Waffen, die ausschließlich für das Töten von Menschen konzipiert sind, zu banalen Verkaufsartikeln geworden sind und dass Millionen Menschen an die unsinnige Gleichung glauben, Schusswaffen bedeuteten Freiheit.
Die NRA hat auch die Mehrheit der republikanischen Politiker gekauft: Mit politischen Noten, mit Werbespots und mit sehr viel Geld. Für Donald Trump hat sie mehr ausgegeben als je zuvor für einen Präsidenten. In seine Wahl steckte die NRA an die 50 Millionen Dollar, wovon der größere Teil in die Kampagne ging, Hillary Clinton, die ausdrücklich mehr Schusswaffenkontrolle wollte, zu verhindern.”


“Aus Las Vegas wird niemand lernen, schon gar nicht Trump” schreibt die Süddeutsche Zeitung aus München und erinnert an die Position von Hillary Clinton. “Viele Republikaner im Kongress, die heute in beiden Häusern die Mehrheit haben, sind geradezu abhängig vom Wohlwollen der NRA. Und auch manche Demokraten wollen sich die NRA lieber nicht zum Gegner machen. Dass Hillary Clinton im Wahlkampf angekündigt hatte, Obamas Versprechen aufzunehmen und die Waffengesetze zu verschärfen, war unter Demokraten nicht unumstritten. Standhaft ist sie: Am Montag twitterte sie, die Nation müsse endlich gegen NRA aufbegehren.”


Amerika tötet sich selbst ist der Titel des Kommentars in der Schweizer NZZ. Darin bezweifelt Marie-Astrid Langer, dass die Gründerväter die heutigen Waffengesetze befürworten würden.
“Es ändert sich nichts. Der Wunsch nach Waffenbesitz ist so tief in der amerikanischen Psyche verankert, dass nicht einmal derartige Amokläufe längst fällige Gesetzesverschärfungen bewirken konnten. Dabei stammt der legendäre zweite Verfassungszusatz, auf den sich Amerikas Waffenfreunde berufen, aus einer Zeit, in der die gängigen Waffen Pistolen und Musketen waren, die man erst mit Schwarzpulver laden musste, um dann einen einzelnen Schuss abgeben zu können. Sie sind nicht vergleichbar mit den heute verbreiteten halbautomatischen Schusswaffen, die 50 oder 60 Schuss pro Minute abfeuern können und für Kriegseinsätze gebaut wurden. Dass die Gründerväter gewollt hätten, dass ihr Gesetzestext von 1791 derart zweckentfremdet wird, darf man bezweifeln.”


In Russland schreibt Iswestija: “Die Tragödie von Las Vegas zeigt eines: Das gegenwärtige System in Amerika hat sehr ernsthafte Unzulänglichkeiten. Die einen sagen, dass es grundsätzlich falsch läuft. Die anderen sprechen von einem Aussetzer des Systems. Aber so oder so hat es zum Tod von mehr als fünfzig unschuldiger Menschen geführt. Und daraus muss man Konsequenzen ziehen, unabhängig von Eigeninteressen, Gewohnheiten und politischem Eifer.”

In Tschechien steht in der konservativen “Lidove noviny”: “Das Hotel Mandalay Bay gehört zu den neuesten und luxuriösesten am Ende des berühmten Strips, der Sündenmeile von Las Vegas. Die Schüsse aus einem Fenster des Gebäudes eröffnen wieder einmal die Debatte darüber, ob wirklich jeder das Recht haben sollte, sich zu bewaffnen. Der bisher größte Massenmord mit einer Schusswaffe in der US-amerikanischen Geschichte zeigt deutlich, dass der europäische Weg der Kontrolle und der Einschränkungen der richtige ist. Die Möglichkeit, ein Instrument zu besitzen, mit dem Menschen einfach getötet werden können, darf kein Grundrecht sein. Die gegenteilige Ansicht hatte vor kurzem noch – mit der Schrotflinte in der Hand – der tschechische Innenminister Milan Chovanec vertreten.”

Der satirische Postillon sieht es so…