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Glyphosat polarisiert: "Mach dich vom Acker!"

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Glyphosat polarisiert: "Mach dich vom Acker!"

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Das europäische Parlament will das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat Schritt für Schritt aus dem Verkehr ziehen. Die Abgeordneten wollen, dass das Herbizid in spätestens fünf Jahren weder im Haushalt noch in der Landwirtschaft eingesetzt werden darf. Zwar ist das Ergebnis nicht bindend, aber höchst symbolisch, so kurz vor der Abstimmung der Mitgliedsstaaten an diesem Mittwoch. Glyphosat ist und bleibt eine hoch brisante Angelegenheit.

Bekannt wurde es als Hauptinhaltsstoff des Unkrautvernichters Roundup vom Agrarkonzern Monsanto. Allerdings ist es mittlerweile in mehr als 750 Produkten enthalten und wird massiv in der Landwirtschaft eingesetzt. Allein in Deutschland werden jedes Jahr etwa 6000 Tonnen versprüht, vor allem in Milch und Getreide ist es nachweisbar.

Ob es gesundheitsschädigend ist, ist umstritten. Zum einen stuft die Internationale Agentur für Krebsforschung Glyphosat als “möglicherweise krebserregend” ein. Im Gegensatz dazu nennen die zuständigen europäischen Agenturen für Lebensmittelsicherheit die Beweislage ungenügend. Mäuse hingegen bekommen häufiger Krebs, sind sie dem Wirkstoff ausgesetzt, das steht fest.

In Brüssel müssen die 28 Mitgliedsstaaten an diesem Mittwoch entscheiden, ob sie die Zulassung für Glyphosat für weitere zehn Jahre verlängern, wie es die Kommission vorschlägt. Doch es ist möglich, dass es auf europäischer Ebene keine klare Mehrheit gibt.
Frankreich, Italien, Österreich und Luxemburg sind dagegen. Deutschland hatte sich bisher enthalten und dadurch eine längere Zulassung vehindert. Möglich ist, dass die endgültige Entscheidung wieder aufgeschoben wird. Doch dann ist das Thema für Bundeskanzlerin Angela Merkel ein weiterer Streitpunkt in den Koalitionsverhandlungen, denn die Grünen sind für ein Verbot des Wirkstoffs.


Auf der Straße formiert sich mehr und mehr Widerstand gegen Glyphosat. So wurde der Kommission eine Petition mit mehr als einer Million Unterschriften überreicht. In den Medien wird darüber hinaus spekuliert, ob die Studie der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit durch den Konzern Monsanto beeinflusst wurde.

Das muss nach Meinung der Italienerin Fiorella Belpoggi, Direktorin des Forschungsinstituts Ramazzini, ausgeschlossen werden: “Es gibt großen Druck von Lobbyisten, die ein Forschungsergebnis auf eine bestimmte Art dargestellt sehen wollen, um sich Gewinne zu sichern. Nicht im Vordergrund steht bei ihnen unsere Gesundheit. Für die hat hingegen die EU die Verantwortung, nicht Monsanto. Also ist es an Brüssel, die Kontrollmechanismen zu garantieren und öffentliche Ausschreibungen für unabhängige Studien zu machen mit den Geldern der Industrie. Aber Europa muss die Studien durchführen, nicht die Industrie.”