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Umstrittener Rechtsaußen: Laurent Wauquiez (42) Favorit der Konservativen

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Umstrittener Rechtsaußen: Laurent Wauquiez (42) Favorit der Konservativen

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Frankreichs Konservative wählen an diesem Sonntag einen neuen Parteichef, doch der Favorit Laurent Wauquiez ist in den eigenen Reihen bei den darniederliegenden “Les Républicains” (LR – der Partei von Nicolas Sarkozy) nicht bei allen beliebt. In einer Umfrage meinten 42 Prozent der Franzosen, dass Wauquiez’ Sieg der Partei schaden werde. Eine der beiden Gegenkandidaten ist Laurence Portelli (39). Sie sagt: “Mit Laurent Wauquiez zusammenarbeiten? Da hätte ich das Gefühl, mich zu prostituieren.”

Laurence Portelli war im vergangenen Jahr die Sprecherin von François Fillon, dessen Skandal um die Schein-Beschäftigung seiner Ehefrau den Präsidentschaftswahlkampf überschattete. Inzwischen sieht sich die Bürgermeisterin einer kleinen Stadt nördlich von Paris als Kämpferin gegen Rechtsaußen Wauquiez innerhalb der Partei LR, gegen die “Maschine Wauquiez”.

Annäherung an Marine Le Pens “Front National”?

Laurent Wauquiez steht für die – wie er es nennt – “schweigende Mehrheit” oder “la droite décomlexée”, die Rechte ohne Komplexe. Einige sprechen von der “droite dure”, der “harten Rechten”. Der Politiker aus Lyon wettert gegen die politisch korrekte Sprache, er warnt vor dem “Kommunitarismus”, der Abkapselung der Ausländer in Frankreich. Er sagt, statt ihn zu bekämpfen, sollten seine Gegner “lieber die Salafisten bekämpfen, die die Laizität Frankreichs gefährden”. Wauqiez meint auch, es sei an den Ausländern sich anzupassen. Viele bei “Les Républicains” fürchten, der Favorit der Urwahl stehe für die Zusammenarbeit mit dem “Front National” von Marine Le Pen. Politische Allianzen mit der extremen Rechten sind bei den Konservatien seit Jahren ein Streitthema.

Wauquiez sieht sich als legitimer Nachfolger von Nicolas Sarkozy und hat einige von dessen ehemaligen Mitstreitern überzeugt, doch der Ex-Präsident, der sich aus dem politischen Leben in Frankreich weitgehend zurückgezogen hat, hat sich nicht hinter den Favoriten der Urwahl gestellt.

Wauquiez sieht sich auch als Opfer der Pariser Eliten, doch viele ehemalige Führungsfiguren der Konservativen wie Alain Juppé und François Fillon kommen ebenfalls aus der “Provinz”, wie alles außerhalb der Hauptstadt in Frankreich noch immer genannt wird. Lokalpolitiker Laurent Wauquiez versteht sich als Mann des Volkes, als Vertreter der kleinen Leute, doch auch er hat die Elitehochschule ENA besucht, und er war Regierungssprecher von François Fillon.

Seit einem 2014 veröffentlichten Buch gibt sich Wauquiez europakritisch, er findet, die EU habe zu viele, zu unterschiedliche Staaten aufgenommen und müsse von Grund auf reformiert werden. Und der einstige Staatssekretär für Europafragen denkt sogar laut darüber nach, den Schengen-Raum aufzugeben, weil dieser die illegale Immigration nicht aufgehalten habe.

Tatsächlich gibt es keine aussichtsreichen Mitbewerber um den Posten des Parteichefs. Neben Laurence Portelli bewirbt sich der 37-jährige Maël de Calan, ein pro-europäischer Politiker, den aber auch in Frankreich kaum jemand kennt. Maël de Calan möchte die Partei wieder vereinen, anders als die beiden anderen Kandidaten will er die LR-Politiker, die sich hinter Emmanuel Macron gestellt haben, nicht aus der Partei aussschließen.

Die Konservativen leiden vor allem darunter, dass sich viele der Bewegung “En Marche” des französischen Präsidenten angeschlossen haben – allen voran der Regierungschef Edouard Philippe. Der Wahlsieg von Emmanuel Macron hat die politische Landschaft in Frankreich grundlegend verändert – sowohl die Sozialisten als auch die Konservativen haben sich von ihrer Niederlage im Mai 2017 nicht erholt. Einige haben sogar Angst, die einstige Regierungspartei könne in der Bedeutungslosigkeit verschwinden.

“Courrier International” meint, Wauquiez sehe sich selbst in seinen Träumen als “Anti-Macron”.