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Schock nach Journalistenmord: Ján Kuciak kaltblütig erschossen

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Schock nach Journalistenmord: Ján Kuciak kaltblütig erschossen

Schock nach Journalistenmord: Ján Kuciak kaltblütig erschossen
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REUTERS/Radovan Stoklasa
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Nach dem Tod des slowakischen Enthüllungsjournalisten Ján Kuciak hat die Polizei Ermittlungen wegen Mordes aufgenommen. Der 27-Jährige und seine Verlobte waren am Wochenende in ihrem Privathaus nahe Bratislava erschossen aufgefunden worden.

Als wahrscheinlichstes Motiv für den Doppelmord gilt die journalistische Arbeit des Mannes. Kuciak hatte regelmäßig über Fälle von mutmaßlichem Steuerbetrug berichtet.

"Die Türen des Hauses wurden versiegelt", erklärt euronews-Reporter Gábor Tanács. "Mit diesem brutalen Mord gehört die Slowakei nunmehr zu den wenigen europäischen Ländern, in denen Journalisten, wenn sie über die Verbindungen der politischen oder wirtschaftlichen Elite berichten, ihr Leben aufs Spiel setzen."

Kuciaks jüngste Recherchen drehten sich um prominente Unternehmer, die Geschäftsverbindungen zu den regierenden Sozialdemokraten und zur organisierten Kriminalität unterhalten haben sollen. Einer dieser Unternehmer hatte Kuciak zuletzt öffentlich wegen dessen Aufdeckungsberichten gedroht. Dabei ging es allerdings nicht um Gewaltanwendung.

Die slowakische Presse ist geschockt. Niemand hätte gedacht, dass etwas Derartiges in der Slowakei geschehen könnte, sagt Journalist Lajos P. János von der Tageszeitung "Új Szó".

Alle wichtigen Spitzenpolitiker des Landes reagierten mit Entsetzen auf den Mord. Ministerpräsident Robert Fico nannte ihn "eine abstoßende Tat" und ergänzte: "Wenn sich ein Zusammenhang mit der journalistischen Arbeit bestätigen sollte, wäre dies ein noch nie dagewesener Angriff auf Pressefreiheit und Demokratie im Land."

Auch Tschechiens Regierungschef Andrej Babis und EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani äußerten sich schockiert über den Mord und forderten dringend Aufklärung.

Beispielloser Angriff auf einen Journalisten

Der Sohn der am 16. Oktober ermordeten maltesischen Journalistin Daphne Caruana Galizia machte der EU-Kommission am Montag schwere Vorwürfe. "Meine Familie hat die EU-Kommission gewarnt, dass Malta mit der Ermordung meiner Mutter Daphne Caruana Galizia einen neuen Standard für zulässiges Verhalten innerhalb der EU gesetzt hat und andere bald sterben würden, wenn nicht entschiedene Maßnahmen ergriffen werden", twitterte er. "Ján Kuciak hätte gerettet werden können."

Der Medienkonzern Axel Springer, zu dem Kuciaks Nachrichtenportal gehörte, veröffentlichte eine Stellungnahme: "Wir sind entsetzt und fassungslos über die Nachricht, dass Jan Kuciak und seine Lebensgefährtin offenbar Opfer eines grausamen Attentats geworden sind. Auch wenn die Hintergründe noch nicht vollständig aufgeklärt sind, liegt der Verdacht nahe, dass das Verbrechen im Zusammenhang mit einer laufenden Recherche unseres Kollegen steht."

Kuciak sei seit 2015 Redakteur des Newsportals Aktuality.sk. gewesen, welches zu Ringier Axel Springer Slovakia gehört. "Sollte das Attentat ein Versuch sein, einen unabhängigen Verlag wie Ringier Axel Springer Slovakia davon abzuhalten, Missstände aufzudecken, werden wir dies zum Anlass nehmen, unseren journalistischen Auftrag noch gewissenhafter und konsequenter auszuüben", hieß weiter.

Der Geschäftsführer von Reporter ohne Grenzen, Christian Mihr, forderte in Berlin: "Die slowakischen Behörden müssen jetzt schnell aufklären, wie es zu dieser schockierenden Tat kommen konnte, obwohl Jan Kuciak schon vor Monaten bedroht wurde."