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Die Dhuka in der Mongolei: Traditionen in Gefahr

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Die Dhuka in der Mongolei: Traditionen in Gefahr

Die Dhuka in der Mongolei: Traditionen in Gefahr
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Die Mongolei bietet von Wüsten bis zu verschneiten Wäldern alles, Natur, so weit das Auge reicht. Doch auch dort, in diesen scheinbar endlosen Weiten, ist ein Kampf um die knapper werdenden Ressourcen entbrannt. Und so bemüht sich der Staat um eine sinnvolle Nutzung nach den ungezügelten Jahren der Postsozialismus.

"Die Menschen haben in diesem ressourcenreichen Land immer schon auf die Natur gesetzt, um zu überleben", erklärt der Ranger Tumursukh Jal vom Tengis Shishged Nationalpark im hohen Norden des Landes, "aber seit das Gebiet unter Schutz steht, verfolgen wir das Ziel, die Nutzung angemessen zu gestalten. Das funktioniert so, dass man jetzt dafür bezahlen muss, wenn man die Erlaubnis zur Nutzung von Ressourcen haben will."

Betroffen von den Regeln sind seit einigen Jahren auch die Dhuka, Rentierhalter, die seit Tausenden Jahren hier leben. Sie beklagen, dass ihre Wanderrouten mit den Rentieren eingeschränkt wurden und sie ihren Jagdgewohnheiten nicht mehr nachgehen können. Sie leiden nun darunter, dass andere, aber auch Mitglieder ihrer eigenen Gemeinde, es in den vergangenen Jahren mit der Jagd übertrieben haben. Seltene Hirscharten wurden noch seltener, seit die staatlichen Jagdquoten des Sozialismus weggefallen sind.

Rentierhirten fühlen sich in mehreren Ländern unter Druck. Auch in Norwegen beklagen die Sami, dass sich der Staat in ihre Lebensweise einmischt. Rentierbestände müssen auf staatliches Betreiben hin verringert werden, da die Regierung eine Überbevölkerung der Tiere und damit einhergehende Umweltschäden sieht. In anderen Fällen stehen die Rentierhirten in Konkurrenz zum Bau von Stromleitungen oder Tagebauminen.

In der Mongolei zahlt die Regierung zwar Geld, um die Einschränkungen auszugleichen. Aber den Dhuka geht es auch um ihre Identität. Und manchen Dhuka fehlt schlicht eine glaubwürdige Erklärung, warum die Regierung so handelt: "Wir haben in der Vergangenheit von der Jagd profitiert", sagt der Hirte Erdenebat Chuluu, "aber jetzt ist das anders. Sie sprechen immer vom Schutz, aber ich verstehe nicht, wie sie etwas schützen wollen. Diese ganze Sache mit der Schützerei ist nicht sehr gut."

Schon seit Jahren besteht der Konflikt zwischen den wenigen Hundert Dhuka und der Regierung. Vorerst werden diese aber weiter mit den Einschränkungen leben müssen.