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Malmström: Kein Weg vorbei an US-Strafzöllen auf EU-Autos

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Malmström: Kein Weg vorbei an US-Strafzöllen auf EU-Autos

Malmström: Kein Weg vorbei an US-Strafzöllen auf EU-Autos
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EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström sieht kaum Chancen für eine rasche Vereinbarung mit den USA, um die angedrohten amerikanischen Strafzölle auf Autos zu vermeiden. Es gebe derzeit keine Gespräche zwischen Brüssel und Washington zu Handelsfragen und es seien auch
keine geplant, so Malmström. US-Präsident Donald Trump hatte per Twitter angekündigt, Autoimporte aus der Europäischen Union mit Zöllen von 20 Prozent zu belegen.

Malmström bezog sich auf einen Vorschlag der deutschen Autohersteller, wieder zu verhandeln und Zölle auf beiden Seiten abzuschaffen.

“Die USA könnten eine Gefährdung unseres Wohlstands sein”

Dieter Kempf Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie

Die US-Regierung unter Präsident Trump habe das Angebot ausgeschlagen, über die Senkung von Zöllen auf Industriegüter unter Beachtung der Regeln der Welthandelsorganisation WTO zu verhandeln.

Eine einseitige Streichung von EU-Zöllen auf Autoimporte sei nach WTO-Regeln nicht möglich, ohne gleichzeitig anderen Ländern ebenfalls diesen Vorteil zu gewähren. Damit wären die EU-Staaten wohl nicht einverstanden, sagte Malmström.

Im Moment seien die wechselseitigen Zölle auf Autos noch überschaubar.

Cecilia Malmström, EU-Handelskommissarin:

"Nur für 15 Prozent der exportierten amerikanischen Autos werden Zölle fällig - Autos mit europäischen Teilen - das sind 85% - sind nämlich ausgenommen. Wir reden also von einer sehr kleinen Summe. Und wir wissen auch, dass europäische Autofabriken in den USA Millionen von Amerikanern beschäftigen - die werden auch davon betroffen sein.

Es stimmt, dass wir einen etwas höheren Zoll für Autos verlangen als die Amerikaner - 10 Prozent und sie nehmen 2,5%. Aber sie haben an anderer Stelle viel höhere, zum Beispiel auf Lastwagen, sie haben höhere auf Schuhe, Kleidung ... alles in allem sind die Zölle zwischen uns niedrig."

HARLEY DAVIDSON

Malmström begrüßte die Entscheidung des US-Motorradherstellers Harley Davidson, als Reaktion auf EU-Vergeltungszölle einen Teil der Produktion zu verlagern – was bei Trump einen getwitterten Wutausbruch ausgelöst hatte. Er drohte dem Konzern mit der Steuerkeule.

“Eine Harley-Davidson sollte niemals in einem anderen Land gebaut werden - niemals”, schrieb Trump. “Die Aura wird weg sein und sie werden wie nie zuvor besteuert werden!”

Harley gehört zu den Firmen, denen Trump beim Amtsantritt zugesagt hatte, sie wieder groß zu machen. Dem Motorradbauer setzen ein harter Preiskampf und eine alternde Stammkundschaft zu.

Die EU hat Vergeltungszölle im Umfang von 2,8 Milliarden Euro auf amerikanische Produkte wie Motorräder, Erdnussbutter und Whiskey verhängt, weil die USA zuvor ihrerseits die Zölle auf Importe von Stahl und Aluminium erhöht hatten. Auf Harley-Davidson-Maschinen, die bis zu 43.000 Euro kosten, müssen nun 31 Prozent Zoll gezahlt werden, 25 Punkte mehr als vorher. Für ein durchschnittliches Motorrad erwartet Harley Mehrkosten von etwa 2.200 Dollar. In einem vollen Geschäftsjahr könnten sich die Mehrkosten auf 80 bis 100 Millionen Dollar summieren. Für das 115 Jahre alte Unternehmen aus Milwaukee im US-Bundesstaat Wisconsin ist die EU ist der zweitgrößte Markt nach den USA. Auch die US-Zölle belasten das Unternehmen, weil sie die Rohstoffkosten erhöhen. So hatte Harley Ende April mitgeteilt, Trumps Zölle auf Metall würden in diesem Jahr die Kosten zwischen 15 und 20 Millionen Dollar nach oben treiben. Seit Beginn des Handelsstreits zwischen den USA und der EU hat Harleys Aktienkurs rund neun Prozent verloren.

“WIR WERDEN DABEI ALLE VERLIEREN”

Verbraucher in Deutschland könnten die neuen Zölle auf US-Produkte nach Einschätzung der Außenhandelsvereinigung des Deutschen Einzelhandels (AVE) zumindest teilweise schnell zu spüren bekommen.

«Im Lebensmittelbereich könnten höhere Preise schon bald spürbar
sein, weil hier die Margen besonders gering sind. Bei der Mode wegen
der langfristig vereinbarten Kollektionen etwas später», sagte AVE-Präsident Matthias Händle ("dpa").

Die deutsche Industrie befürchtet, dass Trump den Konflikt verschärfen und höhere Auto-Zölle verhängen wird, die “extreme Auswirkungen” haben könnten. Der deutsche Industrieverband BDI rechnet mit einer weiteren Eskalation des Handelsstreits durch die USA. “Trump wird Autozölle erheben und wir werden dabei alle verlieren”, sagte BDI-Präsident Dieter Kempf. Er befürchte “extreme Auswirkungen”. Trump wolle im Handelsstreit mit der EU “das Recht des Stärkeren durchsetzen” und setze dabei auf bilaterale Handelsabkommen. Er und seine Berater sähen Handel als Kampf an. “Die USA könnten eine Gefährdung unseres Wohlstands sein.”

Die US-Zölle wirken sich auch auf die Wachstumsprognose des
Internationalen Währungsfonds (IWF) für die Eurozone aus. Die
Prognose werde wegen derlei Risiken gesenkt, kündigte IWF-Chefin
Christine Lagarde an. «Der direkte Einfluss solcher Zollerhöhungen
ist minimal, aber der Einfluss auf das Vertrauen und das Risiko einer
Eskalation sind erheblich.»

su mit dpa, Reuters