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EU-Gipfel: "Wenn die Visegrád-Länder sich weigern, lasst es uns ohne sie machen"

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EU-Gipfel: "Wenn die Visegrád-Länder sich weigern, lasst es uns ohne sie machen"

EU-Gipfel: "Wenn die Visegrád-Länder sich weigern, lasst es uns ohne sie machen"
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Die Zahl der Asylanträge hat sich im vergangenen Jahr in Europa fast halbiert, und doch kristallisieren sich in der Migrationskrise heute alle Spannungen zwischen den Ländern der Union und der europäische Gipfel an diesem Donnerstag in Brüssel sieht besonders kompliziert aus.

"Willy Beauvallet, Politologe an der Universität Lyon II - zahlen wir heute den Preis für den Stillstand der vergangenen Jahre?"

Willy Beauvallet, Politologe an der Universität Lyon II:

"Ja, in großen Teilen. Erst mal muss man aber vorausschicken, dass diese Krisen nicht die ersten in Europa sind. Die Tatsache, diese Migrationsbewegungen nicht begleiten zu wollen, sie zu bewältigen, führt dazu, sich in nationale Egoismen wegzuducken, in politische Egoismen. Damit lässt man de facto eine Reihe von Staaten wie Italien oder Griechenland allein, die an der Außengrenze liegen. Und de facto begünstigt diese Weigerung, die Migrationsfrage zu bewältigen, sie anzunehmen, Verantwortung zu übernehmen, zweifellos die Äußerung fremdenfeindlicher Meinungen. Das kann ganze politische Systeme verschieben. Wir erleben das leider in den östlichen Ländern, aber leider auch in Italien."

Anne-Lise Fantino, Euronews:

"Die Visegrád-Gruppe, das heißt Ungarn, Polen, die Tschechische Republik und die Slowakei, haben den Mini-Gipfel vom vergangenen Sonntag boykottiert, Italien spielte den Schiedsrichter ... wenn also bestimmte "nicht mehrheitsfähige“ Optionen " laut Emmanuel Macron entfernt wurden - können wir diesmal auf den Entwurf einer Vereinbarung über bestimmte Lösungen hoffen, in dieser gelähmten Atmosphäre ?"

Willy Beauvallet, Politologe an der Universität Lyon II:

"Also, es scheint einige Ansätze für Kompromisse in bestimmten Fragen zu geben. Das sind jedoch keine echten Lösungen, eher nur sehr kurzfristige Stabilisierungs-Elemente. Sie führen letzten Endes nur zu einer Reaktivierung von Ideen aus der Vergangenheit, die nicht funktioniert haben: Geschlossene Zentren, Zentren in Transit- oder Ausgangsländern, die Verstärkung der Grenzüberwachung durch Frontex ... kurz gesagt, viele unbefriedigende Lösungen.

Und wenn die Visegrád-Länder sich absolut weigern, weiterzukommen, lasst es uns ohne sie machen und ein Gegenmodell bauen, das sie früher oder später übernehmen müssen, da dieses neue Modell es erlaubt, die Perspektive umzudrehen und die Paradoxien, auf die diese ganze Lage zurückgeht."

su