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Tradition und Zukunft: Die Orchester-Akademie der Wiener Philharmoniker

Tradition und Zukunft: Die Orchester-Akademie der Wiener Philharmoniker
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Von Katharina Rabillon

In der dritten Musica-Folge über die Wiener Philharmoniker geht es um die Zukunft der Exzellenz. Bei den Wiener Philharmonikern zu spielen, ist eines der ultimativen Erfolgserlebnisse für einen Musiker. Das Orchester blickt auf eine lange Tradition zurück, und sichert seine Rolle auch in der modernen Welt des 21. Jahrhunderts unter anderem mit der Orchester-Akademie. Wir besuchen die Akademie und treffen die "jüngere Generation", die vielleicht die neuen Gesichter des Orchesters werden und die Tradition in die Zukunft tragen.

Den Blick in die Zukunft gerichtet

Die Orchester-Akademie der Wiener Philharmoniker wurde im Sommer 2018 gegründet. Oberstes Ziel ist die künstlerische Ausbildung junger Musikerinnen und Musiker in den Bereichen solistischer Einzelunterricht, Kammermusik und Probespielvorbereitung sowie der Einsatz im Orchester.

Die Wiener Philharmoniker geben in Ihrer Orchester-Akademie Tradition und Spielweise an die nächste Generation weiter. Die jungen Musiker lernen von den Erfahrungen der Älteren und musizieren auf höchstem Niveau. Vom ersten Tag an spielen sie mit im legendären Orchester.

Sie sind jung, ehrgeizig und streben nach Exzellenz. Sie kommen von überall, um in einer der berühmtesten Institutionen der Welt zu spielen. 

Was bedeutet es, an der renommierten Orchester-Akademie der Wiener Philharmoniker zu studieren? 

"Wir üben jeder für sich stundenlang am Tag. Aber dann ist es wunderbar, sich zu treffen und gemeinsam zu spielen."
Lucas Stratmann
"Es ist mit Sicherheit etwas, was für uns alle unser Leben verändert hat. Bei den Wiener Philharmonikern mitzuspielen, das ist einfach unbeschreiblich für uns alle."
Theresia Prinz
"Ich kann mich noch sehr gut an die erste Probe erinnern, wo ich den Tränen sehr nahe war, weil ich das gar nicht fassen konnte, was ich da gerade erleben darf."
Petra Liedauer
Foto: Katharina Rabillon
Studenten der Orchester-AkademieFoto: Katharina Rabillon

Die Wiener Philharmoniker blicken mit einer eigenen Orchester-Akademie in die Zukunft - und präsentieren ein exklusives und vielseitiges Lern-Programm. Während der zweijährigen Ausbildung lernen die jungen Musiker Traditionen und Spielweise des Orchesters kennen.

"Das Allerwichtigste ist das Spielen im Orchester, weil da Dinge mitgegeben werden und tradiert werden", erklärt der Gründer der Orchester-Akademie Michael Bladerer. "Natürlich ist auch der Unterricht jede Woche von einem Kollegen oder einer Kollegin sehr wichtig. Die Kammermusik ist ganz wichtig, wenn kein Dirigent vorne steht, weil man auf einmal merkt, wann muss man die Verantwortung übernehmen, wann kann man sie abgeben und wo muss man aufeinander hören."

Unterricht auf höchstem Niveau

Lucas Stratmann bekommt Unterricht vom Ersten Geiger der Wiener Philharmoniker Benjamin Morrison. Sie arbeiten gemeinsam an Schuberts Rondo in A-Dur. 

"Es liegt in unserer Verantwortung, ihnen zu vermitteln, was wir in der Vergangenheit gelernt haben, nicht nur, indem wir mit ihnen im Orchester spielen, sondern auch, indem wir ihnen Tipps geben und ihnen helfen, unabhängige Musiker zu werden", meint Benjamin Morrison.

Der junge Geiger ist begeistert von der Unterstützung, er erzählt: "Ich habe so viel gelernt, nicht nur über die technischen Aspekte des Spielens, sondern auch über eine fantasievolle Herangehensweise in meinem Spiel. Es ist einfach diese unglaubliche Tiefe an Wissen, die uns der Unterricht vermittelt."

Foto: Katharina Rabillon
Lucas Stratmann backstageFoto: Katharina Rabillon

Exzellenz, Tradition und Eleganz

Und im Mittelpunkt steht immer die Exzellenz, sagt Michael Bladerer: "Das ist das Allerwichtigste. Das habe ich Ihnen beim ersten Gespräch mitgegeben, die wichtigen Dinge bei uns, Exzellenz steht ganz oben, Tradition ist auch ein wesentlicher Wert. Eleganz spielt eine gewisse Rolle, aber die Exzellenz, letztendlich alles, was man macht, muss auf dem größten Niveau sein."

Die Studenten spielen mit den Wiener Philharmonikern auf der ganzen Welt. Das Orchester ist auch offen für die Moderne und setzt sich für zeitgenössische Musik ein. Die jungen Musiker haben die einmalige Gelegenheit, mit Tomas Adès aufzutreten, der als einer der erfolgreichsten Komponisten seiner Generation gilt.

Für die Oboistin Katharina Kratochwil ist es das erste Mal: "Ich mochte sein Stück von Anfang an und ich habe mich gefreut, mit ihm zu arbeiten", sagt sie. "Ich finde es wirklich sehr spannend."

Für den Trompeter Daniel Schinnerl-Schlaffer, ein ehemaliges Akademie-Mitglied, war der wichtigste Punkt "das Spielen mit den Dirigenten mit dem Orchester, im Orchester lernt man glaube ich am meisten." 

Auch für den Komponisten Tomas Adés ist es eine Freude, die jungen Musiker zu beobachten. Er meint: "Für sie ist es sehr aufregend, die ersten Male in so einem großen Orchester wie diesem zu spielen. Wir sehen die jungen Spieler am Anfang ihrer Karriere, wie sie noch viele Jahren spielen werden. Das ist ein sehr schönes Gefühl."

Foto: Katharina Rabillon
Probe in Budapest mit Tomas AdésFoto: Katharina Rabillon

Eine aufstrebende Generation mit großen Hoffnungen

Lucas Stratmann aus New York gehört zu dieser aufstrebenden Generation mit großen Hoffnungen, aber Berufsmusiker zu werden ist keine einfache Entscheidung.

"Die Welt der klassischen Musik ist sehr wettbewerbsorientiert, man geht leicht darin unter. Ich hatte Zweifel, wahrscheinlich im Alter von 14 oder 15 Jahren", erzählt der junge Geiger. "Werde ich wirklich Karriere machen? Kann ich Auftritte meistern? Wie weit werde ich mit der Musik kommen? Ich liebe Musik. Und dass ich hier bin, hat mich darin bestärkt, dass eine Karriere möglich ist, was ein unglaubliches Gefühl ist." 

Aber es ist nicht nur eine bereichernde musikalische Erfahrung für ihn, "ich habe unglaubliche Freunde gefunden, die mich weiterbringen und inspirieren", so Sratmann. 

Sein Studienkollege Robert Amadeo Sanders sagt: "Wir arbeiten tagsüber zusammen, und abends treffen wir uns und hängen ab. Und diese gegenseitige Unterstützung, das ist wirklich großartig."

Und Traian-Petroniu Sturza denkt bereits an die Zukunft: "Wir sind alle in etwa gleich alt. Und hoffentlich werden wir für den Rest unserer Karriere Kollegen sein oder voneinander wissen. Es ist natürlich schön, dass wir von Anfang an eine so gute Freundschaft aufbauen konnten."

Legendäre Dirigenten, historische Momente

Während ihrer Zeit in der Akademie erleben die Studenten nicht nur legendäre Dirigenten auf der Bühne, in "meet and greet"-Sessions haben sie auch sie Möglichkeit, sie persönlich kennenzulernen - wie Christian Thielemann:

"Was man hier lernen kann, ist diese wunderbare Homogenität. Das ist das Schwerste überhaupt. Das alle dazu passen. Es muss sich ja jeder unterordnen. Es muss sich auch ein Solist unterordnen, in gewisser Weise. Und kann sich nicht wie ein Solitär benehmen", meint der Dirigent. "Die sind sehr oft ganz unverstellt. Und dadurch, dass sie nicht die Erfahrung haben, haben sie eben eine ganz direkte Art dazu zugehen. Ich bin ja nicht mehr so, ich bin ja dann schon ein wenig abgebrühter und das geht ein bisschen verloren, da sehe ich mich manchmal selbst."

Die Studenten erleben manchmal sogar historische Momente, wie eine Weltpremiere in der legendären Sagrada Familia. "Ich war gerade einmal zwei Wochen in Wien, bevor es dorthin ging", erzählt Lucas Stratmann. "Das war mein erstes Projekt, eine absolut unglaubliche Erfahrung."

Von einem unglaublichen Erlebnis zum nächsten: Lucas und Katharina genießen die Stimmung am Schloss Schönbrunn vor einem der aufregendsten Konzerte ihrer jungen Karriere: Das Sommernachtskonzert - bei dem das Orchester seine Leidenschaft für Musik mit dem Publikum teilt. Lucas freut sich darauf: "Das ist unglaublich. Ich kann es kaum erwarten, ich habe bisher nur Videos gesehen. Es ist eines dieser Momente wie das Neujahrskonzert, die man sieht und denkt: Wow! Ich werde dort tatsächlich spielen. Das ist ein einmaliges Erlebnis."

Die jungen Musiker haben große Träume, die manchmal in Erfüllung gehen: "Mein größter Traum wäre es, eine Orchesterstelle zu haben, Oboe spielen zu dürfen in einem Orchester – natürlich wäre es am schönsten bei den Wiener Philharmonikern", so Katharina.

Und für den jungen Geiger aus New York ist der Traum in Erfüllung gegangen: "Dank der ganzen Unterstützung, die ich von meinen Lehrern im Orchester hatte, konnte ich mich sehr gut vorbereiten. Ich habe den Platz in der zweiten Geigengruppe gewonnen", freut sich Lucas Stratmann. "Bei den Wiener Philharmonikern zu spielen ist etwas, wovon ich immer geträumt habe, sogar noch mehr, als ich hier ankam und sah, wie viel Freude jeder beim Spielen im Orchester hat und wie engagiert sie sind, die Musik und die Kunst auf so schöne Weise zu präsentieren. Das hat meine Leidenschaft für die Musik noch mehr angefacht."

Journalist • Sabine Sans