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Die Weichen für die Zukunft stellen: AIIB-Präsidentin Zou Jiayi über nachhaltige Infrastruktur

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Unterwegs: Was Präsidentin Zou zu hören bekam

Als Zou Jiayi im Januar 2026 die Präsidentschaft der Asiatischen Infrastruktur-Investitionsbank übernahm, traf sie eine für die Spitze einer großen multilateralen Institution ungewöhnliche Entscheidung: Bevor sie eine Strategie festlegte, machte sie sich auf den Weg, um zuzuhören. In den folgenden Monaten besuchte sie 15 Mitgliedsländer in ganz Asien und traf Staatschefs, Finanzminister und zahlreiche Partner und Kunden. Dabei erlebte sie die Wirkung der Arbeit der AIIB auch aus erster Hand: Sie fuhr mit Schnellbahnen und besuchte Krankenhausstationen, die mit Unterstützung der Bank ausgestattet wurden.

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Die Größenordnung dieser Mission spiegelt wider, wie viel auf dem Spiel steht.

„Das Ziel war einfach: zuhören“, sagt Zou. „Ich wollte direkt von unseren Mitgliedern erfahren, wo ihre Entwicklungsprioritäten liegen, und sehen, wie die von der AIIB finanzierten Projekte vor Ort wirken.“

Zwei Dinge wurden dabei deutlich. Das erste war tiefe Anerkennung für die Erfolgsbilanz der AIIB in ihrem ersten Jahrzehnt. Das zweite war ehrgeiziger: ein nachdrücklicher und einhelliger Appell, angesichts zunehmender globaler Entwicklungsherausforderungen die Aktivitäten auszuweiten, mehr zu tun und schneller und innovativer vorzugehen.

Was sie am meisten bewegte, sagt sie, war die menschliche Dimension der Projekte, die sie besuchte.

In Indonesien besuchte sie zwei von der AIIB unterstützte Krankenhäuser, deren modernisierte Einrichtungen frühere Diagnosen und wirksamere Behandlungen für Patienten ermöglichen, die zuvor keinen Zugang zu fachärztlicher Versorgung hatten.

In Indien fuhr sie mit dem Delhi-Meerut Regional Rapid Transit System, der ersten Hochgeschwindigkeits-Pendlerbahn des Landes. An Bord sprach sie mit einer Studentin, die ihr erzählte, dass die neue Strecke ihren täglichen Pendelweg um mehr als eine Stunde verkürzt.

„An diesen Projekten zeigt sich, wie Infrastruktur Menschen mit Chancen verbindet“, sagt Zou. Ein Satz, der auf den Punkt bringt, was sie auf ihrer Reise erlebt hat und worauf sie aufbauen will.

Integrität, Innovation, Wirkung: Von Worten zu Taten

Die Zuhör-Tour bestätigte nicht nur, was die AIIB bereits gut macht, sondern sie lieferte auch zusätzliche Argumente dafür, mehr zu tun und dabei innovativ vorzugehen.

„Was wir gehört haben, hat uns inspiriert und ist in die Formulierung unseres Ziels für die nächsten Jahre eingeflossen“, sagt Zou. „Unser Ziel wird es sein, die Entwicklungswirkung mit Innovation und Integrität zu steigern.“

Beim Thema Wirkung stellt Zou klar: Das Volumen allein ist nicht der Maßstab. Die AIIB will ihr jährliches Finanzierungsvolumen bis 2030 in etwa verdoppeln, doch der Anspruch reicht über ein Finanzierungsziel hinaus.

„Entwicklungswirkung wird sowohl an der Quantität als auch an der Qualität gemessen“, sagt sie. „Am Ende ist die Wirkung das, was wir im Leben der Menschen verändern.“ Diese Überzeugung hat sie unmittelbar von ihrer Reise mitgebracht.

In Sachen Innovation rückt die AIIB näher an ihre Kunden heran und erweitert ihr Spektrum an Finanzinstrumenten, darunter neue Instrumente zur Mobilisierung privaten Kapitals sowie Finanzierungen in Landeswährung, also in genau der Währung, die die Menschen vor Ort tatsächlich nutzen. „Wir müssen unsere Finanzierungsinstrumente parallel zu den sich wandelnden Entwicklungsherausforderungen weiterentwickeln“, sagt sie.

Bei der Integrität reicht der Anspruch über null Toleranz für Korruption hinaus, hin zu etwas noch Grundlegenderem. „Das heißt: am Multilateralismus festhalten, unserem Mandat zur Förderung von Infrastruktur und regionaler Zusammenarbeit treu bleiben und höchste Standards in der operativen Politik anlegen“, sagt Zou. „Integrität ist die Seele unserer Institution.“

Warum Multilateralismus nach wie vor wichtig ist

In einer zersplitterten Welt, geprägt von Handelsspannungen und umstrittener globaler Governance, muss der Multilateralismus begründet werden.

Zous Antwort fällt eindeutig aus. „In der turbulenten Welt von heute ist Multilateralismus wichtiger denn je“, sagt sie. „Beim Multilateralismus geht es nicht darum, ob Länder unterschiedlicher Meinung sind. Es geht darum, auf welchem Weg wir Lösungen finden wollen.“

Während die öffentlichen Finanzen unter Druck stehen und die Unsicherheit wächst, kommt den multilateralen Entwicklungsbanken eine stabilisierende Rolle zu: Sie stellen verlässliches, langfristiges Kapital bereit, richten Investitionen an Entwicklungszielen aus und unterstützen Volkswirtschaften, die die Spillover-Effekte geopolitischer Spannungen verkraften müssen.

Schon die Struktur der AIIB mit ihren 111 Mitgliedern aus Europa, der Golfregion, Zentralasien und dem asiatisch-pazifischen Raum ist Ausdruck dieses Modells – verwurzelt in dem, was Zou als offenen Regionalismus beschreibt: mit Fokus auf Asien, aber ausdrücklich mit dem Rest der Welt verbunden. „Wir haben durchaus Differenzen“, sagt sie, „aber wir entscheiden uns für die Zusammenarbeit.“

Dieser kooperative Geist zeigte sich im April in Washington: Dort vereinbarte Zou mit den Spitzen anderer großer multilateraler Entwicklungsbanken eine engere Abstimmung bei Notfallfinanzierung, Wasserressourcenmanagement und der Mobilisierung privaten Kapitals.

Der jüngste Flaggschiff-Forschungsbericht der AIIB, Asian Infrastructure Financing: Where Water Flows argumentiert in dieselbe Richtung: Infrastruktur ist am wirksamsten, wenn Systeme miteinander verbunden sind – und die Welt braucht nicht nur mehr Entwicklung, sondern eine stärker vernetzte Entwicklung.

Diese Betonung vernetzter Systeme unterstreicht zugleich, wie wichtig koordinierte Antworten sind, wenn Schocks über Grenzen und Sektoren hinweg nachwirken.

Als Reaktion auf die Herausforderungen infolge des Konflikts im Nahen Osten hat die Bank die Fazilität für Energie, Ernährungssicherheit und wirtschaftliche Resilienz ins Leben gerufen, um Mitglieder zu unterstützen, deren Entwicklungsperspektiven darunter leiden könnten – und ihnen zu helfen, ihre Widerstandsfähigkeit gegen Störungen der Energie- und Lebensmittelversorgung sowie breitere wirtschaftliche Schocks zu stärken.

Der Weg nach vorn

Für Zou bemisst sich der wahre Erfolg der AIIB vor Ort.

Ein von der AIIB unterstütztes Satellitenprojekt in Indonesien hat 45 Millionen Menschen in fast 100.000 Schulen und Gesundheitszentren ans Netz gebracht. Ein Sanitärprogramm im ländlichen Ägypten hat die Wasserversorgung für fast 1 Million Menschen verbessert.

„Erfolg bedeutet, vor Ort kontinuierlich Entwicklungswirkung zu erzielen“, sagt Zou. „Dafür braucht es mehr als Finanzierung allein.“

Ihre abschließende Überzeugung ist persönlich und institutionell zugleich. „Die Leute sagen oft, eine bessere Welt sei möglich“, sagt sie. „Ich bin überzeugt: Eine bessere Welt lässt sich bauen. Wir sind Baumeister. Wir bauen Infrastruktur, wir bauen Verbindungen, wir bauen Vertrauen. Durch das Bauen machen wir die Welt zu einem lebenswerteren Ort.“

Nach Monaten des Zuhörens ist die AIIB bereit, das Tempo zu erhöhen. Das Fundament ist gelegt, die Prioritäten sind klar und die Bank ist in Bewegung. Dies ist nicht der Abschluss einer Zuhör-Tour. Es ist der Beginn eines neuen Kapitels.

Die Asiatische Infrastruktur-Investitionsbank (AIIB) zählt 111 Mitglieder auf sechs Kontinenten und finanziert 381 Projekte in 42 Volkswirtschaften mit einem Gesamtvolumen von 67 Milliarden Euro. Die AIIB wird von allen großen internationalen Ratingagenturen mit AAA bewertet.

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