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Die Arktis schmizt – aber ist der Mensch schuld?

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Die Arktis schmizt – aber ist der Mensch schuld?

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In Grönland kann man den von Menschen verursachten Klimawandel mit Augen sehen, zumindest wenn man der Mehrheit der Wissenschaftler glaubt. Andere verweisen kühl darauf, dass die Insel während der mittelalterlichen Warmzeit so grün war, dass die Wikinger sie “Grünes Land” tauften. Ein Grönlad ohne viel Eis hat es also in der Vergangenheit schon einmal gegeben.

“Das Eis in der Arktis nimmt seit einiger Zeit ab, um zehn Prozent. Aber jetzt beschleunigt sich das. Das hat vermutlich mit Strömungen im Pazifik zu tun, Da scheint ein Zusammenhang zu bestehen“´, stellt Professor Wibjorn Karlen von der Universität Uppsala fest.

Noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen in der Neuzeit war die Eisdecke so dünn wie in den vergangenen drei Jahren. Egal, ob es sich hier um ein Phänomen handelt, das von Menschen beeinflusst wurde oder nicht, es wird Auswirkungen haben.

“Wenn das Eismeer nahezu vollständig verschwindet, zumindest in der warmen Jahreszeit, dann würde das erhebliche Auswirkungen auf das Ökosystem haben auf die Tierwelt, auf die Siedlungsstrukturen”, weiß Professor Henning Rodhe von der Universität Stockholm.

Fliegt man über die dünnbesiedelte Jamal-Halbinsel im Nordwesten Rußlands, dann könnte man meinen, der Permafrostboden sei zu einer Seenlandschaft geworden. Hier spielt sich ein Drama ab, das 20 Mal gefährlicher ist als die Kohlendioxidemissionen.

Anders als in ungefrorener Erde Kohlenstoff entsteht, werden im Permafrostboden Kohlendioxid und Methan nicht kompostiert. Bei Tauen werden die Klimakillergase freigesetzt.

“Die Menge organischen Materials, die hier abgelagert wurde, besitzt eine bestimmte Menge Methans, die freigesetzt wird, wenn es taut”, erklärt Fjodr Romanenko von der Moskauer Staatsuniversität.

Doch auch hier herrschen Zweifel, ob es sich um ein von Menschen verursachtes Phänomen handelt. Ein beschleunigtes Auftauen des Permaforstbodens sei nicht nachweisbar.

“Es ist ein geologisches Objekt, das sich in geologischen Zeiträumen, in Jahrhunderten und Jahrtausenden entwickelt. Der kleine Beitrag der menschlichen Aktivität in den vergangenen Jahrzehnten, kann das nicht beeinflussen”, sagt Maria Leibmann, Chefwissenschaftlerin am Institut der Erd-Kryosphäre an der Russischen Akademie der Wissenschaften in Moskau.

Wärmere Sommer, fügt sie hinzu, seien Teil eines über Jahrtausende ablaufenden Zyklus.