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Redford zwischen Unabhängigkeit und Mainstream

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Redford zwischen Unabhängigkeit und Mainstream

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Schauspieler Robert Redford hat die MIPCOM in Cannes besucht – eine internationale Messe für audiovisuelle Unterhaltung. Hintergrund ist der Sundance Fernsehkanal, den er vor einem Jahr in Frankreich ins Leben rief.

Toks Salako, euronews:
Warum haben Sie Frankreich gewählt, um die internationale Version des Sundance Programms zu starten?

Robert Redford, Schauspieler:
Das hat teils persönliche Gründe. Ich habe hier meine eigentliche Karriere als Künstler begonnen.
Als Kind habe ich mit dem Zeichnen angefangen, aber mir wurde deutlich gemacht, dass das unwichtig sei. Deswegen habe ich meine Zeichnungen nie ernst genommen. Und trotzdem haben sie mir immer Trost gegeben.
Ich hatte eine schwierige Kindheit, war selber schwierig und habe mich selbst in Schwierigkeiten gebracht – und so weiter. Ich bin von der Schule geflogen, was mich nicht weiter gestört hat. Denn alles, was ich wollte, war wegzugehen. Ich wollte an einen Ort mit Geschichte leben und hatte eine gute Wellenlänge zu einigen Künstlern – das geschah in Paris.

euronews:
Sie haben das Sundance Festival in den 80er Jahren ins Leben gerufen. Damit wollten Sie der Filmindustrie nach Ihren großen Erfolgen etwas zurückgeben. Was hat Sie auf den Fernsehkanal gebracht?

Robert Redford, Schauspieler:
Der Fernsehkanal? Er ist durch zwei andere Zwischenschritte entstanden, die auf die Sundance Workshops zurückgehen.
1980 war eine gute Zeit für mich mit einigen großen Filmerfolgen. Ich kam an einen Scheideweg in meinem Leben: Ich konnte entweder weiter ähnliche Filme drehen, oder aber eine Pause machen, um dann etwas Wertvolles an die Filmindustrie zurückzugeben, die es gut mit mir gemeint hat.
Ich habe immer schon nach größerer Unabhängigkeit gestrebt, das liegt in meinem Naturell. Deswegen wollte ich etwas schaffen, das genau da ansetzt und von Wert für die Filmindustrie sein könnte.
Das Konzept ist, Möglichkeiten für neue Künstler zu schaffen, ein Forum zu bieten, in dem man sich weiterentwickeln und wachsen kann. Das Ergebnis sind hoffentlich neue Zuschauer für diese Künstler.
Damit schaffen Sie eine neue Sparte, was dem Filmbusiness nur dienlich sein kann. Lassen Sie uns das mal ganz allgemein formulieren.

euronews:
Welche Inspirationen können Ihre Erfahrungen jungen Filmemacher heute geben?

Robert Redford, Schauspieler:
Ich denke, es ist die Unabhängigkeit – die Erfahrung habe ich jedenfalls gemacht.
Ich war mein gesamtes Leben lang unabhängig. Ich wollte immer unabhängig bleiben – aber nicht zu unabhängig, sodass man außerhalb der Welt steht. Denn schließlich bist du im Filmbusiness, in dem alles, was du tust, unterhalten muss. Das ist der grundlegende Job, der geleistet werden muss: Du musst unterhalten.
Aber kann man auch anders unterhalten? Kann man auf eine Weise unterhalten, die sich ausreichend von dem, was man kennt, unterscheidet, damit die Zuschauer eine neue Annäherung an das Thema finden?
Das beste, was ich bieten konnte – wenn ich meine eigene Arbeit und mein Leben als Beispiel nehme, ist die Schaffung des Sundance Festivals.
Darüber hinaus fällt mir kein anderes Beispiel ein.
Unabhängigkeit trifft nicht auf alle gleichermaßen zu. Es ist eine schwierige Rolle, die man in einer Welt spielt, die von Corporations kontrolliert wird.
Corporations haben sehr feste Vorgaben, damit das Geld ihrer Investitionen wieder auf ihrem Konto landet.
Deswegen werden Experimente oder Unabhängigkeit manchmal negativ beurteilt. Das sei zu risikoreich, man handelt sich damit nur Ärger ein…

euronews:
Greifen Sie weiter jungen Filmemachern unter die Arme?

Robert Redford, Schauspieler:
Aber ja. Beim Workshop geht es nur um Ausbildung. Mehr und mehr Filmemacher haben sich in unseren Workshops bereits ausbilden lassen: Quentin Tarantino, Darren Aronofsky, Wes Anderson, PT Anderson; dann einige Schauspieler, die heute auch hier sind: Elizabeth Moss, Jon Hamm. Sie alle nahmen früher oder später an unseren Workshops teil – entweder als Schauspieler, junge Regisseure oder Autoren. Es macht mir große Freude, ihren Werdegang zu verfolgen, zu sehen, dass sie etwas bei diesem Prozess gelernt haben, um den Schritt in die Unterhaltungsindustrie zu schaffen. Aber sie alle sind auch sehr unabhängig.

euronews:
Sehen Sie selbst sich denn nun eher als Künstler oder Geschäftsmann?

Robert Redford, Schauspieler:
Ich bin kein Geschäftsmann. Das ist genau wie mit dem Wort “Brand” – also Marke. Wenn mir jemand sagt, “Mensch, du hast eine großartige Marke geschaffen” – dann macht mich das nervös und mir wird unbehaglich zu Mute. Denn “Brand” erinnert mich an das Brandzeichen, mit denen Rinder gekennzeichnet werden. Mit dem Wort kann ich nichts anfangen.
Ich weiß, was gemeint ist, aber das Wort klingt für mich seltsam. Da ich eher als Künstler denke, bin ich mit dem Business nicht sehr vertraut. Ich werde weiter als Künstler denken und darauf vertrauen, dass die Menschen, mit denen ich zusammenarbeite, gute Geschäftsleute sind.