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EXKLUSIV - Warum Laurent Gbagbo nicht weichen will

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EXKLUSIV - Warum Laurent Gbagbo nicht weichen will

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“Wir sind für ein Mehrparteiensystem, Ouattara will Einparteienherrschaft.”

Der westafrikanische Staat Elfenbeinküste steht am Rande des Bürgerkriegs. Aber Laurent Gbagbo – Präsident seit 2000 – will die Macht nicht abgeben . Er sieht sich als Gewinner der Präsidentschaftswahlen vom 28. November, nach denen ihn der Verfassungsrat zum Sieger erklärt und vereidigt hat.

Die internationale Gemeinschaft hingegen bezieht sich auf die Angaben der unabhängigen Wahlkommission, wonach Alassane Ouattara gewonnen hat.

In Abidjan hat Reporter Francois Chinac Laurent Gbagbo exklusiv für euronews interviewt.

euronews:
Laurent Gbagbo, guten Tag.
Etwas mehr als ein Monat ist vergangen, seit die unabhängige Wahlkommission den Wahlsieg ihres Gegners Alassane Ouattara bei den Präsidentschaftswahlen bekannt gegeben hat.
Ein paar Tage später hat dann den Verfassungsrat Sie zum Präsident erklärt.
Die Elfenbeinküste durchlebt eine ihrer schlimmsten politischen Krise.
Wie sehen Sie ihr Land heute?

Laurent Gbagbo:
Vor allem muss man verstehen, dass es sich um ein illigitimes Ergebnis handelt, vorzeitig verkündet von Leuten, die nicht das Recht dazu hatten.
Die haben vor allem getan, was der Westen erwartet.
Schließlich hat der Verfassungsrat seine Entscheidung verkündet. Das ist jene Institution, die das entscheidende letzte Wort hat. Und die hat mich zum gewählten Präsidenten erklärt.
Das wollen manche nicht hören. Das soll nicht mehr Recht sein. Die Mächtigen wollen jemanden nach ihrem Willen installieren. Damit bin ich einverstanden.

euronews:
Die EU spricht Ihnen die Legitimität ab.

Laurent Gbagbo:
Die Europäische Union folgt Frankreich.
In den Beziehungen zwischen den Großmächten hat heutzutage fast jeder seinen Einflussbereich.
Und wenn es um das Französisch sprechende
Schwarz-Afrika geht, folgen alle Frankreich.
Und zwar auf die schlechteste Weise.
Wann immer es bei den Vereinten Nationen um Elfenbeinküste geht, stammt der Entwurf von Frankreich. Frankreich schreibt die Vorlagen.
Dagegen haben wir mehrfach protestiert. Aber wir sind ein kleines Land. Wir sind keine Atommacht, haben kein Vetorecht, sind auch nicht im UN-Sicherheitsrat.

euronews:
Ihr Gegner Alassane Ouattara ist dabei, eine Regierung zu bilden, ernennt Botschafter, die anerkannt werden. Der von Alassane Ouattara ernannte Botschafter ist in Frankreich anerkannt worden.

Laurent Gbagbo:
Aber Frankreich hat Unrecht.

euronews:
Sie waren selber 30 Jahre in der Opposition.
Sie haben eine lange politische Karriere hinter sich. Nicolas Sarkozy stellt Ihnen jetzt ein Ultimatum. Wie antworten Sie dem französischen Staatsoberhaupt darauf?

Laurent Gbagbo:
Es ist nicht unakzeptabel, dass ein Staatsoberhaupt, nur weil sein Land stärker als ein anderes, dessen Staatsoberhaupt ein Ultimatum stellt. So etwas geht nicht.

euronews:
Ihre Gegner sagen, Sie seinen kein Demokrat, Sie seien ein Diktator, Sie hätten die Wahlen gestohlen, Sie stellen sich der Demokratie in den Weg. Was sagen Sie denen?

Laurent Gbagbo:
Die haben kein Recht, so zu reden, weil sie alle, die sich jetzt im Hotel du Golfe verschanzt haben, für eine Einheitsparteienherrschaft eintreten.
Wir aber sind wir für ein Mehrparteien-System, das sage ich Ouattara und Bedier.
Um ein Mehrparteiensystem zu verhindern, hat
Ouattara mich ins Gefängnis gesteckt, als er in den 90er Jahren Premier-Minister war.

euronews:
Laurent Gbagbo, wären Sie bereit, die Ivorer zu opfern, um Ihre Vorstellung von Demokratie durchzusetzen?

Laurent Gbagbo:
Es geht nicht darum, die Ivorer zu opfern, ist geht um eine globale Frage …

euronews:
Die Situation ím Land ist angespannt ….

Laurent Gbagbo:
Elfenbeinküste erlebt nicht zum ersten Mal eine angespannte Situation.

euronews:
Sie werden nicht von der Macht lassen?

Laurent Gbagbo:
Hören Sie, ich bin gewählt. Reden muss man von denen, die nicht gewählt wurden.

euronews:
Wenn in den kommenden Wochen die internationale Gemeinschaft weiter Druck macht, werden Sie dann auch nicht aufgeben?

Laurent Gbagbo:
Warum wird dieser unfaire Druck fortgesetzt? Das ist ungerecht.

euronews:
Wenn auf beiden Seiten Grausamkeiten begangen werden, wenn Gewalt die Straße beherrscht, werden Sie dann gehen?

Laurent Gbagbo:
Gewalt von wem?
Ich möchte noch eine Frage stellen, die nicht so oft gestellt wird.
Wer garantiert, dass Frieden herrscht, wenn ich gehe?
Ich fürchte, dann wird es noch mehr Gewalt geben.

euronews:
Wenn die Kräfte der ECOWAS, der Wirtschaftsgemeinschaft der westafrikanischen Staaten, in der Elfenbeinküste eingreifen….

Laurent Gbagbo:
Das wäre falsch …

euronews:
…und junge Ivorer gegen die ECOWAS kämpfen – würden Sie dann gehen?

Laurent Gbagbo:
Ich verstehe. Ich werde darüber nachdenken.
Aber das steht jetzt nicht auf der Tagesordnung.
Wir diskutieren das, was ansteht.
Und ich frage mich, warum die Leute, die meinen, gegen mich gewonnen zu haben, keine erneute Auszählung der Stimmen wollen.
Nun danach frage ich, nur nach einer neuen Auszählung.

euronews:
Sie beschuldigen ihre Gegner der Fälschung in der zweiten Runde der Wahlen.

Laurent Gbagbo:
Ja natürlich. Sind nicht ausgerechnet in den Regionen, in denen für Gbagbo gestimmt wurde, Menschen verfolgt, geschlagen worden, Frauen vergewaltigt? Es ist doch die zentrale Frage.

euronews:
Und wenn der Menschenrechts-Vertreter der Vereinten Nationen Sie anprangert, wie reagieren Sie?

Laurent Gbagbo:
Das ist ein anderes Problem. Eine andere Frage, die ich ausführlich beantworten werde.
Heute ist es das Problem von Elfenbeinküste! Beziehungsweise der dort abgehaltenen Wahlen.
Das Problem ist, wer gewonnen hat.
Ich sage, dass ich gewonnen habe, weil die einzige Institution, die das entscheiden kann, gesagt hat, ich habe gewonnen.
Andere wollen eine andere Aussage.
Sie sagen etwas anderes, aber sie sehen deutlich, dass es dafür keine rechtliche Grundlage gibt.
Also wie immer in solchen Fällen, da sie für die eigentliche Frage keine Argumente haben, für die Frage, wer die Wahlen gewonnen hat, drehen sie die Dinge hin und her und schwingen das Banner der Menschenrechte.
Als ich im jahr 2000 gewählt wurde, war es genau das gleiche Szenario. Sie argumentierten mit Massengräbern. Sie sagten, das sind die die Taten von Gbagbo.
Ich habe die Justiz ihre Arbeit machen lassen.
Die entschied, die beschuldigten Polizisten freizusprechen.

euronews:
Sind die Blauhelmtruppen der UNO in Elfenbeinküste unparteiisch?

Laurent Gbagbo:
Sie sind nicht mehr unparteiisch.

euronews:
Seit wann?

Laurent Gbagbo:
Seit der letzten Wahl.
Wir haben sie 2003-2004 als eine unparteiische Kraft betrachtet.
Aber ihr derzeitiger Chef . …

euronews:
Den stellen Sie in Frage …

Laurent Gbagbo:
Den stelle ich in Frage.
Ich glaube, die Leute vom UN-Kontingent sollten klüger sein. Sie wissen sehr wohl, dass mit den steigenden Spannungen die Vorwürfe gegen sie zunehmen, sie wissen sehr wohl, dass die Regierung von Elfenbeinküste ihren Abzug verlangt. Ich habe gesagt, man solle nichts überstürzen.
Ich habe einen feierlichen Appell an die Menschen gerichtet, nichts zu überstürzen.
Aber wir haben auch auf diplomatischen Wege ihren Abzug verlangt.
Und auf diplomatischem Wege wird es so kommen.
Sie müssen aber klüger handeln.
Wenn Leute von außerhalb des Landes sich aufdrängen, weil sie die Macht dazu haben, dann führt es zu dem, was man hier sieht.

euronews:
Sind also Elfenbeinküste und Laurent Gbagbo Opfer fremder Mächte?

Laurent Gbagbo:
Ich sagte am Anfang meiner Wahlkampagne zu den Ivorern, sie haben die Wahl zwischen einem Kandidaten für das eigene Land und einem Kandidaten für den Fremden. Das war’s.
Es klingt nach Karrikatur, aber es ist Realität.

euronews:
Wird es ein Blutbad geben?

Laurent Gbagbo:
Das will nicht. Und ich versuche, es zu vermeiden.

euronews:
Aber Sie werden es vielleicht nicht verhindern ?

Laurent Gbagbo:
Ich glaube nicht an einem Bürgerkrieg.
Aber natürlich, wenn andere weiterhin so starken Druck ausüben, dann sind sie es, die uns in die Konfrontation drängen.