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Jon Gnarr: "Der Dollar ist cooler als der Euro"

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Jon Gnarr: "Der Dollar ist cooler als der Euro"

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euronews:

Halten Sie Politik für ein undurchsichtiges Geschäft? Träumen Sie davon, die Welt zu verändern? Wenn Sie sich für Politik interessieren, aber keine Erfahrung damit haben, könnten Sie sich für Jon Gnarr interessieren.

Jon Gnarr ist ein berühmter isländischer Comedian, der vor einem Jahr zum Bürgermeister von Reykjavik gewählt wurde.

Zusammen mit anderen Künstlern gründete er eine satirische Partei mit Namen “Die beste Partei”. Sie definieren sich selbst als anarchische Surrealisten und Pazifisten und möchten die Stadt mit Einfallsreichtum und Kreativität führen.

Inspiriert von der Nonsens-Philosophie versprach er zum Beispiel, den städtischen Zoo mit einem Eisbären zu versorgen. Was letztendlich nicht so absurd ist, denn wegen des Klimawandels verlagern die Eisbären ihren Lebensraum in Richtung Island.

Jedoch töteten die Behörden die Bären – aus Sicherheitsgründen.

Seinen fünf Kindern versprach Gnarr aber auch, er würde ein lustiger Bürgermeister sein.

In Lyon war er zum Kulturforum Villa Gillet eingeladen worden. Viele Leuten waren gespannt auf das, was er dort zu sagen hatte.

Ob wir bei dieser Gelegenheit mit einem Bürgermeister oder einem Comedian sprachen, müssen Sie selbst entscheiden!

Wie sind Sie denn in der Politik gelandet?

Jon Gnarr:

“Ich habe eine politische Partei ohne Ideologie gegründet. Am Anfang hatte ich zwei Ideen. Die eine war, sie “Die beste Partei” zu nennen, die besser wäre als all die anderen Parteien. Die andere Idee war, sie “Die coole Partei” zu nennen, die eben cooler als alle anderen Parteien wäre. Wir tun nur coole Dinge und haben ein cooles Komitee, das Entscheidungen auf der Basis von dem trifft, was cool ist oder nicht.”

euronews:

Vor einem Jahr sind Sie gewählt worden. Wird Reykjavik so etwas wie eine anarchische Republik?

Jon Gnarr:

“Nein.”

euronews:

Was sind denn Ihre Pläne für die Stadt? Haben sie “beste Pläne”?

Jon Gnarr:

“Wir wollen einen Eisbären nach Reykjavik bringen. Einen lebenden, keinen toten.”

euronews:

Also halten Sie ihr Versprechen?

Jon Gnarr:

“Ja, das ist wahrscheinlich das einzige Versprechen, mit dem es mir immer sehr ernst war. Denn ich bin ein aktiver Tierschützer. Ich glaube nicht, dass wir das Recht haben, einen Eisbären zu töten, der nach Island kommt, und ich glaube zudem, dass es auch vielen internationalen Gesetzen zuwiderläuft.”

euronews:

Können Künstler innerhalb des politischen Systems arbeiten oder möchten Sie das System verändern?

Jon Gnarr:

“Das habe ich noch nicht entschieden. Ich möchte die Menschen gern verändern – was sie denken und wie sie sich benehmen. Als Folge davon wird sich auch das System verändern, aber ich glaube nicht, dass es notwendig ist, dass wir das System vorher ändern.”

euronews:

In Spanien protestieren Tausende gegen hohe Arbeitslosigkeit, Mainstream-Politik und das Bankensystem. Sie sagen, Island sei ihr Vorbild. Was antworten Sie da als Isländer?

Jon Gnarr:

(lacht)

euronews:

Einige sagen, wenn wir groß sind, möchten wir Isländer sein.

Jon Gnarr:

“Wow. Die EU steckt in Schwierigkeiten und Island bemüht sich um die Aufnahme in die EU. Vielleicht kann Island die Europäische Union retten. Vielleicht werden auch alle einmal Isländer, wenn die EU in einigen Jahren entscheidet, sich Island anzuschließen.”

euronews:

Es ist eigentlich anders herum.

Jon Gnarr:

“Es könnte doch sein, dass in drei Jahren die EU Island um Aufnahme bittet.”

euronews:

Sehen Sie Island als ein Beispiel an Demokratie?

Jon Gnarr:

“Ich denke, es kann sehr leicht ein Beispiel an Demokratie werden. Denn wir sind isoliert und so klein, so dass wir demokratische Experimente durchführen können, die anderswo nicht möglich wären. Zum Beispiel in Frankreich.”

euronews:

Kandidieren Sie auch bei den nationalen Wahlen?

Jon Gnarr:

“Das habe ich noch nicht entschieden. Ich bin nicht scharf darauf, wiedergewählt zu werden. Es ist mir egal, ob die Leute mich wählen oder nicht. Manchmal sprechen mich Leute an und sagen, dass sie nicht für mich wählen werden. Das ist mir vollkommen schnuppe. “Wählen Sie doch jemand anderen!” Ich habe auch nicht mich gewählt. Aber wenn die Leute wollen, dass ich es tue, denke ich darüber nach.”

euronews:

Leute von außerhalb sehen Island als eine Art Labor, wo die Gesellschaft neue Wege geht. Sie haben auch eine lesbische Ministerpräsidentin.

Jon Gnarr:

“Ja, wir haben eine lesbische Ministerpräsidentin und ich denke, darauf sollten wir sehr stolz sein. Denn in vielen Ländern weltweit genießen Homosexuelle nicht einmal Menschenrechte, die wir für absolut notwendig halten. Wir sollten sehr stolz sein. Ich halte sie für die coolste Ministerpräsidentin der Welt.”

euronews:

Sollte Island den Euro einführen?

Jon Gnarr:

“Wenn wir es könnten, sollten wir es wohl tun. Denn wir haben die isländische Krone und damit große Probleme, weil es so eine kleine Währung ist. Mir wäre aber der Dollar lieber! Der Dollar ist einfach cooler als der Euro. Der Euro ist einfach nicht cool. Er ist langweilig. Der Dollar ist cool, er hat auch diese Vorrangstellung und diese Coolness, deshalb wäre mir der Dollar lieber. Sie können einen Film zum Beispiel “Für ein paar Dollar mehr” nennen oder “Dollar irgendwas”, aber es ist schwierig, ihn “Euro irgendwas” zu nennen.”

euronews:

Viele Leute sind unglücklich mit dem Euro.

Jon Gnarr:

“Dagegen ist niemand mit dem Dollar unglücklich…. Jeder, der den Dollar hat, ist glücklich.”