Eilmeldung

Eilmeldung

Was sind Sozialunternehmer? Ashoka hat Mitglieder in mehr als 70 Ländern

Sie lesen gerade:

Was sind Sozialunternehmer? Ashoka hat Mitglieder in mehr als 70 Ländern

Schriftgrösse Aa Aa

Im Mittelpunkt unserer Rubrik “Learning World” steht diesmal Ashoka, eine der größten internationalen Non-Profit-Organisationen zur Förderung sozialer Projekte. Seit drei Jahrzehnten finanziert Ashoka Sozialunternehmer und hilft ihnen bei der Umsetzung ihrer Ideen. Inzwischen hat die Organisation in mehr als 70 Ländern Mitglieder. Mit einigen von ihnen sprachen wir in Paris.

Auf den Korridoren der Pariser Hochschule für Handel herrscht reges Leben. Rund 1 000 Sozialunternehmer sind hier zum Gedankenaustausch zusammengekommen. Sie alle haben großartige, neue Ideen, die sie in den Städten oder Regionen, aus denen sie stammen, umsetzen. Diese Ideen haben das Leben der Menschen verändert und soziale Probleme gelöst. Und sie sind Mitglieder der Non-Profit-Organisation Ashoka, die Bill Drayton vor drei Jahrzehnten gründete. “Was ist die größte Kraft in der Welt? Eine große Idee in den Händen eines Unternehmers. Mehr als die Hälfte der Unternehmer unserer Organisation hat innerhalb von fünf Jahren die nationale Politik verändert, sie haben viel Macht”, sagt Drayton. “Jeder der Anwesenden kann Ideen äußern, setzen sie sich durch, kommt es zu Veränderungen.” Sie finden Lösungen und für einige von ihnen ist es eine Berufung, Sozialunternehmer zu sein.

Sejal Hathi lebt in San Francisco und gründete als 15-Jährige die Nichtregierungsorganisation Girls Helping Girls. Sie litt an Magersucht und beschloss, eine globale Schwesternschaft ins Leben zu rufen. Die Organisation ist heute in mehr als 20 Ländern vertreten und setzt sich unter anderem für eine bessere Gesundheitsfürsorge ein. “Die Unterstützung von Mädchen ist einer der Schlüssel für die globale Entwicklung, möglicherweise gibt es nichts Wirksameres, um eine nachhaltige friedliche Welt zu schaffen. Es gibt Statistiken darüber, dass es in der Mehrheit Mädchen sind, die HIV-Infektionen erleiden, oder dass die Mehrheit der Arbeitslosen Mädchen sind”, sagt Sejal Hathi. “Hier setzt Girls Helping Girls an. Die Arbeit der Organisation ist nicht nur meine Herzensangelegenheit sondern rund um die Welt für die Entwicklung fast jeder Gesellschaft wichtig.”

Bei einem anderen Ashoka-Treffen geht es um konkrete Aktionen, darunter um Mary Gordons Programm “Wurzeln der Empathie”. In Kanada kommt es seit 15 Jahren im Kampf gegen die hohe Selbstmordrate erfolgreich zum Einsatz. “Auf dem Weg ins nächste Jahrhundert müssen wir einen Bürger schaffen, der sich vorstellen kann, was ein anderer fühlt”, erläutert Mary Gordon. “Sind wir zur Empathie nicht fähig, werden wir den Teufelskreis der Maginalisierung, sich bekämpfender Gruppen und sektiererischer Gewalt nie durchbrechen.” Ideen wie diese helfen, den sozialen Wandel in Europa sowie weltweit zu beschleunigen.

Positives Sozialverhalten ist ein wirksames Mittel der Veränderung. Dies ist der Grundgedanke des Programms “Wurzeln der Empathie”, wie es in Toronto zur Anwendung kommt. Ziel ist, Kindern beizubringen, ihre Emotionen zu positiven Gefühlen und Haltungen zu verwandeln. Helfen Liebe und Schönheit gegen Gewalt in Schulen? In Kanada sind 18 Prozent der Schüler Opfer von Gewalt unter Schülern. Um die Aggressionen zu mindern, wurde in Toronto vor 15 Jahren ein Programm gestartet, das den Kindern hilft, ihre Gefühle zu verstehen und auszudrücken. “‘Wurzeln der Empathie’ ist ein Programm zum Verständnis von Gefühlen, das sich an Kinder im Alter zwischen Kindergarten und achter Klasse wendet”, erklärt Shauna Gray, die das Projekt leitet. “Bringt man jemandem Einfühlung bei, neigt er weniger dazu, andere zu Opfern zu machen, weil er begreift, was es bedeutet, ein Opfer zu sein.” Ein Jahr lang, einmal pro Woche verbringen Eltern und ihr Kind eine Stunde mit einer Klasse. Die meisten Kinder wurden nicht in Kanada geboren. Mit dem Baby lernen sie, sich zu verständigen und gemeinsam für jemanden Sorge zu tragen. Sie versuchen zu verstehen, was das Baby fühlt, will und braucht. “Lasst uns sehen, was geschieht, wenn wir ihm den Ball geben”, so Shauna Gray zu den Kindern. “Es ließ ihn fallen und scheint zu sagen: ‘Warte…’. Es versucht zu verstehen, dass es drei Bälle aber nur zwei Hände hat. Findet in seinem Gehirn ein ständiger Lernprozess statt?” Dann erklärt sie uns: “In einer Klasse haben wir ein Kind mit Lernschwierigkeiten. Oft sagt es im Verlauf des Tages oder während des Unterrichts kein einziges Wort. Doch im Rahmen des Programms “Wurzeln der Empathie” macht es voll mit, es hebt die Hand und kommuniziert mit dem Baby. Weil es an diesem Programm teilnimmt, wird es auch am Unterricht stärker teilnehmen.“Die achtjährige Sarah meint: “Man muss achtgeben, was das Baby zu tun versucht. Ich habe etwas über Sicherheit und Kommunikation gelernt. Ich habe gelernt, dass Menschen von einer Minute zur anderen ihre Gefühle ändern.” Und die Mutter des Babys fügt hinzu: “Was dieses Programm bewirkt, bewirken soll und es auch tut, ist, dass es mittels der Unschuld eines Kleinkindes die Menschen miteinander verbindet. Denn alle lieben Babies.” Am Pilotprojekt in Kanada nahmen 150 Kinder teil. Das mit Preisen ausgezeichnete Programm hat inzwischen weltweit fast 400 000 Kinder erreicht.

Eine andere Form der Empathie hat das Leben vieler Straßenkinder in Indien verändert. Pooja Warier ist es gelungen, etwas für die Erziehung unterprivilegierter Kinder zu tun. Ihre Organisation Unlimited India hilft beim Start sozialer Projekte. Mehr darüber in folgendem Bericht. Pooja dachte lange nicht daran, Sozialunternehmerin zu werden. Sie arbeitete zunächst für eine Nichtregierungsorganisation, hing ihren Job dann an den Nagel und startete im Alter von 25 ihr eigenes Projekt. “Unternehmer zu sein, ist hart, junger Unternehmer zu sein noch härter, am härtesten aber ist es, junge Unternehmerin zu sein”, sagt Pooja Warier. “Unlimited India konzentriert sich auf Sozialarbeit mit Menschen, die mit einer Idee zu uns kommen. Wir arbeiten dann über eine Zeit von drei Jahren mit ihnen zusammen, bis ihr Projekt funktioniert.” Unlimited India, das 2007 gestartet wurde, berät und unterstützt finanziell mehr als neunzig Sozialprojekte. Das auf Kinder und Heranwachsende zugeschnittene Programm Ashoks trägt die Bezeichnung Oscar. “Ziel des Projekts ist die Betreuung von Kindern und Jugendlichen. Es geht darum, ihr Leben durch Sport zu verändern, aus ihnen bessere Menschen zu machen, ihnen eine Zukunft zu geben”, so Ashok. “Wir ermutigen und motivieren die Kinder auch durch Fußball und wir ermutigen jene, die nicht zur Schule gehen, zum Lernen.” Mit Hilfe von 3 500 Dollar verändert Oscar das Leben von 140 Kindern. Eines davon ist Anil: “Nach der dritten Klasse verließ ich die Schule, seither arbeite ich. Lange trieb ich mich mit Freunden herum. Mir fiel auf, dass all jene, die die Schule verlassen hatten, mit der Hilfe Ashoks zurückkehrten und lesen und schreiben können. Ashok ermutigte mich, die Abendschule zu besuchen. Heute kann ich lesen und schreiben.” Und Ashok sagt: “Ich dachte, dass ich meine Arbeit mit den 18 Kindern beenden werde, doch Pooja half mir bei der Finanzierung. Sie ist Mentorin und Leiterin, ohne sie gebe es Oscar nicht mehr.” Durch die Unterstützung kleiner Sozialunternehmer erreichte Unlimited India Hunderttausende Menschen.

Ein Interview mit Bill Drayton finden Sie auf unserer englischen Webseite. Weitere Informationen zum Thema unter:

ashoka.org

empoweragirl.org

rootsofempathy.org

tdsb.on.ca