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Kasachstan und die Zukunft der Energie

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Kasachstan und die Zukunft der Energie

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Wie lange werden unsere Öl- und Gasvorkommen noch reichen, um unseren Energiebedarf zu decken?

Wie sieht – nach Fukushima – die Zukunft der Atomkraft aus? Sind Erneuerbare Energien eine Alternative?

In “Focus” versuchen wir, Antworten auf diese Fragen zu finden – auf einem Energieforum im rohstoffreichen Kasachstan.

20 Jahre Unabhängigkeit, hundert Jahre Ölförderung – für Kasachstan gibt es in diesem Jahr einiges zu feiern.

In der Haupstadt Astana tagte zum sechsten Mal das eurasische Energieforum von Kazenergy, den 50 wichtigsten in Kasachstan ansässigen Gas- und Ölunternehmen. Politiker und Wirtschaftsexperten aus der ganzen Welt tauschten sich hier über Zukunftsfragen zum Thema Energie aus.

Kasachstan ist der zweitgrößte Ölförderer unter den ehemaligen Sowjetrepubliken. In etwa zehn Jahren wird das Land zu den fünf größten Erdölexportern der Welt zählen, so die Prognosen.

Für die EU ist Kasachstan ein Schlüsselpartner.

EU-Energiekommissar Günther Oettinger forderte das Land auf, sich am Bau der geplanten Pipeline durch das Kaspische Meer zu beteiligen. Er sagte: “Wir sehen gute Chancen, dass der Aufbau von Infrastruktur und von Arbeitsplätzen jenseits der Energiewirtschaft für europäische Unternehmen, Ingenieurbüros und Dienstleister eine grosse Rolle spielt. Das heisst, ich glaube, dass wir mit Kasachstan gemeinsam wachsen und dass deswegen die Beziehungen einen Beitrag für die Überwindung der Krise in Europa sein kann.”

Jambulat Sarsenov, Generaldirektor der Assoziation Kazenergy, erklärte: “Kasachstan hat viele neue Investitionsmöglichkeiten geschaffen, um die Suche nach Öl voranzutreiben. So wird die Industrie unseres Landes in den nächsten zehn Jahren große Schritte nach vorne machen können.”

Kernplanung der kasachischen Energieplanung ist das Kashagan Ölfeld im Kaspischen Meer. Hier liegen die zweitgrößten Ölvorkommnisse der Welt. Nächstes Jahr soll das schwarze Gold sprudeln – das soll es dem Land ermöglichen, in neue, innovative Technologien zu investieren.

Randall Gossen, Präsident des Welt-Erdöl-Rats, erklärt, weshalb neue Technologien so wichtig sind: “Natürliche Energiequellen wie Öl und Gas werden knapp, das zwingt uns, in unwirtschaftlichere Regionen vorzudringen und zu unkonventionellen Fördermethoden zu greifen. Dafür brauchen wir neue Technologien.

Derzeit passiert viel an allen Fronten, um diese neuen Technologien möglich zu machen.

Obgleich es natürlich sehr viel teurer ist, als konventionelle Gasförderung.”

Die Förderung von Öl und Gas wird also immer kostspieliger. Vor dieser Perspektive sehen viele einen Ausbau der Atomenergie als eine Alternative.

Doch das Reaktorunglück von Fukushima hat wieder einmal deutlich gemacht, dass Atomkraftwerke mit einem unkalkulierbaren Sicherheitsrisiko verbunden sind.

Alessandro Clerici, Chairman des Weltenergierats, Nuclear Task Force: “In Ländern, die Atomenergie ablehnen, hat Fukushima diese Einstellung noch verschärft. Staaten, die auf Nuklearenergie setzen, sagen hingegen:

Fukushima war uns eine Lehre, und das Unglück zeigt uns, wie wir Reaktoren sicherer machen können. Es gibt also zwei grundverschiedene, sehr aufgeladene Haltungen diesem Thema gegenüber.”

Kernenergie ist umweltfreundlich und vergleichsweise günstig, sagen ihre Verfechter.

Atomkraft-Gegner argumentieren vor allem mit dem Sicherheitsrisiko – und mit dem aktuellen Fall Fukushima.

Doch Japan sieht keine Alternative zur Atomkraft, wie Teruaki Masumoto, ehemaliger Vize-Präsident bei TEPCO erklärte: “Japan ist ein Inselstaat. Wir haben keine Pipeline, kein Transportnetz in andere Länder. Italien und Deutschland werden, wie Sie wissen, aus anderen Ländern mit Energie beliefert – durch Pipelines und auf anderen Wegen. Wir haben so etwas nicht. Deshalb ist es für Japan schwierig, Alternativen zur Nuklearenergie zu finden.”

Die Internationale Atomenergie Agentur (IAEA)plädiert dafür, die Energiegewinnungaus Kernkraft weiterzuentwickeln und die Reaktoren zu verbessern. Das könnte Gegner zum Umdenken bewegen, so das Argument.

Thomas Koshy, Chef der Abteilung für Kernkraft-Technologie der IAEA: “Als die Titanic unterging, hörten wir auch nicht auf, Schiffe zu bauen. Es wurde ein Weg gefunden, Schiffe so zu bauen, dass sie nicht mehr sinken. Ingenieure lösten also das Problem. Wenn ein Flugzeug abstürzt, ist das ja auch nicht das Ende der Luftfahrt. Wir brauchen Atomenergie in unserer Gesellschaft, für den Komfort, über den wir uns jeden Tag freuen. Es ist eine Impulsreaktion zu sagen:“Ich lehne das ab.”“

Es gibt Alternativen zu Gas, Öl und Atomkraft: Die erneuerbaren Energien aus Sonne, Wind und Wasserkraft. In Deutschland machen sie bereits mehr als zehn Prozent des gesamten Energieverbrauchs aus. Allerdings profitiert die Branche hier von Subventionen, und die wird es wohl irgendwann nicht mehr geben…

Stefan Grobe von Euronews: “Die Welt wird auch weiterhin einen ausgewogenen Energie-Mix brauchen, um dem rasant wachsenden globalen Bedarf gerecht zu werden. Das haben die Debatten hier in Astana deutlich gemacht. Zu diesem Energie-Mix wird wohl auch die Atomenergie gehören, denn die erneuerbaren Energien müssen ihre Wirtschaftlichkeit erst noch unter Beweis stellen, auch ohne politische Unterstützung.”