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Lernen im Sparmodus

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Lernen im Sparmodus

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Auf der ganzen Welt ist auch die Bildung von der Wirtschaftskrise betroffen. Die Kürzungen staatlicher Ausgaben haben auch die Schulen nicht verschont. Jetzt, da die Schüler auf die Straße gehen, kämpfen die Regierungen darum, Bildung als ein Grundrecht zu erhalten. In dieser Ausgabe von learning world besuchen wir Griechenland und Chile, zwei Länder, die besonders hart getroffen wurden. Und wir erfahren von einem Experten, was die Zukunft bringen wird.

Im überschuldeten Griechenland sind Sparmaßnahmen jedem vertraut, sogar den Schulkindern. Mit Privatunterricht versuchen einige Schüler, das nachzuholen, was das staatliche System nicht leisten kann. Aber das erhöht den finanziellen Druck auf die Eltern.

1973, als die Studenten des Athener Polytechnikums gegen das Militärregime protestierten, war ihr Motto: “Brot, Bildung und Freiheit!” Als Antwort schickte die Regierung Panzer und schlug den Aufstand brutal nieder. 38 Jahre später bleibt dieses Motto aktuell: Das Schulwesen in Griechenland wird schrittweise privatisiert und Eltern zahlen für private Nachhilfe.

Weil es in den Schulen keine Bücher mehr gibt, arbeiten die Schüler mit Fotokopien. Und die Lehrer bezahlen die Kopien aus eigener Tasche.

Diese privaten Schulen kosten rund 4000 Euro pro Jahr. Aber sie sind notwendig, um die Lücken zu füllen, die das öffentliche Bildungssystem hinterlässt. Nur so können sich die Schüler ordentlich auf die Uni-Aufnahmeprüfung vorbereiten. Aber diese Lösung kann sich nicht jeder leisten.

Die Wirtschaftskrise ist vielleicht die größte Herausforderung vor der Pädagogen heute stehen. Reformen zur Kostensenkung, die einen hohen Tribut fordern, und Politiker, die vor schwierigen Entscheidungen stehen. Wie werden die langfristigen Auswirkungen aussehen? Um mehr darüber zu erfahren, sprachen wir mit Professor Ellen Hazelkorn, Leiterin der “Higher Education Policy Research Unit” am Institut für Technologie der Dubliner Universität.

euronews: “Professor Hazelkorn, was sind die Auswirkungen der globalen Bildungskrise, vor allem für die Hochschulbildung?”

Ellen Hazelkorn, Leiterin der Higher Education Policy Unit am Institut für Technologie der Dubliner Universität: “Das ist ein wirklich wichtiges Thema, das oft in der Debatte um die Auswirkungen der Wirtschaftskrise verloren geht. Eine Reihe von Regierungen restrukturieren ihre Hochschulsysteme als Reaktion auf den globalen Wettbewerb. Man legt großen Wert auf “Weltklasse”, Weltklasse-Universitäten als Allheilmittel für den Erfolg in einer globalen Wirtschaft. Und auf der institutionellen Ebene würde ich sagen, dass die einzelnen Fakultäten und Universitäten sich selbst restrukturieren müssen. Sie müssen ihren Blick auf Prioritäten und Finanzierung neu ausrichten. Sie müssen ihre Lehrpläne und ihre Verträge verändern sowie die Auswahl ihrer Studienauswahl verringern. Das alles hat natürlich seine Auswirkungen auf die Studenten und auf die Qualität der Lehre.”

euronews: “Wird die globale Krise zu größeren Umbrüchen im Bildungssystem führen?”

Ellen Hazelkorn: “Ja, ich glaube, wir stehen vor großen Veränderungen im Hochschulwesen. Einige dieser Veränderungen werden auf globaler Ebene ablaufen, andere auf nationaler. International ist die Nachfrage nach Studienplätzen auf fast 200 Millionen Studenten gestiegen, das wird den Druck erhöhen. Wir werden sehen, wie einige Universitäten multinational werden, so wie wir diesen Wechsel bereits bei den amerikanischen Unis beobachtet haben, mit Standorten in aller Welt einschließlich des Nahen Ostens. Die Regierungen entscheiden jetzt, wo sie ihr Geld investieren, und in einigen Ländern sehen sie eine Tendenz in Richtung Exzellenz-Initiativen, sei es in China, Indien, Malaysia, Deutschland oder Frankreich. Und das wird meiner Ansicht nach Auswirkungen haben und zu einer wachsenden Kluft zwischen normalen Unis und Exzellenz-Standorten führen.”

In Chile eine gute Ausbildung zu bekommen ist schwierig und kostspielig, zumal öffentliche Bildung nicht völlig kostenlos ist. In den letzten Wochen sind Studenten auf die Straße gegangen, um für das Recht auf freien Bildungszugang zu protestieren. Sie sagen, sie werden so lange streiken, bis die Regierung nachgibt. Wir sprachen mit jungen Menschen während eines Sit-in in Valparaiso.

Seit 1993 ist die Ausbildung in Chile nach und nach privatisiert worden. Eltern müssen heute Studiengebühren bezahlen, auch an staatlichen Schulen. Durch die Proteste steht die Regierung jetzt unter dem Druck, die Ausbildungskosten zu übernehmen, so dass Bildung für jeden frei ist.

Auch Hochschulprofessoren üben Kritik.

Studenten und Professoren sind nicht allein. Im ganzen Land stehen die Menschen hinter ihnen, um für freie Bildung zu demonstrieren: Noch nie gab es größere Demonstrationen für freie Bildung in Santiago als jetzt. Manchmal sind rund 100.000 Menschen auf der Straße. Sie skandieren: “Bildung ist ein Recht, aber für die Regierung ist es ein Privileg.”