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Fadwa Suleiman: Das Gesicht der Rebellion

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Fadwa Suleiman: Das Gesicht der Rebellion

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Die syrische Schauspielerin Fadwa Suleiman ist eine der Heldinnen des Aufstandes. Vor einigen Tagen verließ sie ihre Heimat. Die aus Aleppo stammende Frau gehört der Alewitischen Minderheit an, ebenso wie die herrschende Klasse um Staatspräsident Baschar al Assad. Trotzdem setzte sie sich immer wieder öffentlich für die Aufständischen ein. So wurde sie zu einem der Gesichter des Aufstandes. Auch als Schauspielerin hat sie sich nicht gescheut, unangepasste Rollen wie die einer Prostituierten zu übernehmen.

Mohammed Shaikhibrahim, euronews: Wie sind Sie aus Syrien herausgekommen?

Fadwa Suleiman: Es ist schwierig, aus Syrien herauszukommen. Ich ging einen illegalen Weg. Genauer kann ich das nicht erklären, um nicht anderen Syrern zu schaden, die mir auf diesem Weg folgen wollen, um den Massakern und dem Krieg dort zu entkommen.

Mohammed Shaikhibrahim, euronews: Wie war die Lage, als sie vor zwei Tagen Syrien verliessen?

Fadwa Suleiman: Es tut mir leid, sagen zu müssen, wir sind an einem toten Punkt angekommen, weil es keine politische Lösung gibt. Aus der Revolution ist eine bewaffnete Revolution geworden. Das haben wir so nicht gewollt. Es ist jetzt die Reaktion auf die Gewalt des syrischen Regimes. Wenn wir Waffen benutzen, um die Diktatur zu stürzen, dann wird es hinterher keine Demokratie geben. Es wird zu noch mehr Blut, noch mehr Massakern führen. Das ist auch ein ernstes Problem für unsere Führer. Seit mehr als einem Jahr arbeiten sie nun ohne ein zufriedenstellendes Ergebnis. Ohne eine politische Lösung.

Mohammed Shaikhibrahim, euronews: Von welchen Politikern sprechen Sie ? Von der Opposition oder von denen an der Macht?

Fadwa Suleiman: Nein, natürlich von der Opposition.

Mohammed Shaikhibrahim, euronews: Ist nach ihrer Meinung der Nationalrat mit der Revolution in Syrien gescheitert?

Fadwa Suleiman: Ja, sie sind bei der Suche nach einer friedlichen Lösung für diese Revolution gescheitert. Wir sind dagegen, das Volk zu bewaffnen. Wir wollen dieses doppelzüngige Regime stürzen, das das eine sagt und das andere tut, dann wollen wir aber nicht, dass die Oppositionsführer sich auch so verhalten, sonst werden sie nur zu einer anderen variante des gleichen Regimes. Die Oppositionsführer reden nicht klar mit uns. Sie zeigen uns kein klares Bild, zeigen uns weder ihr Programm noch ihre Strategie.
Sie zeigen auch nicht ihre Identität. Zeigen nicht, wer sie sind, in welcher Organisation. Wer sind die Mitglieder des Syrischen Nationalrates? Wer sind diese Leute? Das wissen wir nicht. Wir kennen nur einige davon. Sie geben sich weltlich, aber womöglich steckt noch anderes dahinter. Sie zeigen uns keine Dokumente, die ihre Strategie belegen.
Sie treffen sich dauernd und gehen dann immer wieder ohne Ergebnis auseinander.

Mohammed Shaikhibrahim, euronews: Wagen Sie es als syrische Schauspielerin, Namen von diesen Menschen, diesen Parteien zu nennen?
Von jenen, die von dem, was da jetzt in Syrien geschieht, profitieren wollen?

Fadwa Suleiman: Ja, das werde ich eines Tages wagen. Aber noch nicht heute.

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