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Trotz der Krise Filmproduzent werden

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Trotz der Krise Filmproduzent werden

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Judith Stalter aus Ungarn und Wladimer Katcharawa aus Georgien sind junge Filmproduzenten, die während des Filmfestivals in Cannes nach Unterstützern für ihre Projekte suchen. Diesmal bekommen sie zusätzliche Hilfe, denn sie wurden für ein Treffen europäischer Filmproduzenten ausgesucht.

“Es ist hilfreich, Leute aus anderen Ländern zu treffen und Kontakte zu knüpfen, die bei einem Projekt behilflich sein können”, erklärt Wladimer.

Judith ist ganz seiner Meinung: “Ich bin sehr neugierig auf die verschiedenen Projekte und die jungen Produzenten. Ich möchte sehen, wie in anderen europäischen Ländern gearbeitet wird.”

Das Treffen findet im Rahmen der Filmfestspiele in Cannes statt. Dieses Jahr nehmen 25 Produzenten teil. Organisiert wurde das Forum von European Film Promotion mit der Unterstützung der Europäischen Union. Hier sollen europäische Produzenten gefördert und Zusammenarbeit zwischen ihnen ermöglicht werden.

Judith erklärt, was sie sich von dem Treffen erhofft: “Wir wollen ein internationales Niveau erreichen und ein größeres Publikum ansprechen. Dafür brauchen wir Partner für Co-Produktionenen. Nicht nur aus finanziellen Gründen, sondern auch weil wir kreative Elemente aus unseren Nachbarländern aufnehmen wollen.”

Wladimer hat hohe Erwartungen aufgrund der schwierigen Situation in seinem Land: “Georgien hat eine schwierige Zeit hinter sich. Wir waren praktisch völlig aus der Filmwelt verschwunden. Jetzt versuchen wir, auf die europäische Szene zurückzukehren.”

Bei der ersten Sitzung knüpfen die Teilnehmer Kontakte im Speed-dating. Jeder Produzent hat vier Minuten Zeit, seinem Partner sein Projekt vorzustellen. So finden die Produzenten aus verschiedenen Ländern in kürzester Zeit heraus, ob sie etwas gemeinsam haben, und ob sich die Zusammenarbeit zwischen ihnen lohnen würde.

Keine einfache Sache, findet Wladimer: “Ich werde nervös, wenn ich meine Ideen verkaufen muss, vor allem im Speed-dating. Es ist jedesmal anders und immer schwierig, aber es gehört zur Arbeit in dieser Branche.”

Judith teilt dies Erfahrung: “Es ist ganz natürlich, dass man ein bißchen aufgeregt ist. Wir müssen auf die Zeit achten und gleichzeitig die beste Beschreibung für unser Projekt finden.”

Viele gute Ideen können nicht umgesetzt werden. Für viele Projekte gibt es nicht genug Geld, weil in EU-Ländern, die Etats für Kinoproduktionen gekürzt wurden.

Grund dafür ist meistens die Finanzkrise. In Ungarn kommt jedoch ein Konflikt zwischen den politisch Mächtigen und der Filmbranche hinzu, die der Regierung vorwirft, Kulturschaffende kontrollieren und ihre Arbeit zerstören zu wollen.

In Georgien scheint es etwas besser auszusehen, erklärt Wladimer: “2008 befanden wir uns mit Russland im Krieg. Das hat unserer Wirtschaft geschadet, aber die Regierung begreift, dass das Kino wichtig ist für Georgien, aus kulturellen Gründen. Die Regierung unterstützt uns, und deshalb gab es keine Kürzungen.”

Für Judith ist die schlechte Wirtschaftslage das Hauptproblem: “Wir befinden uns in einer schweren Krise und die Finanzierung ist der schwierigste Teil der Filmproduktion. Es ist besser, etwas gemeinsam zu unternehmen, als es auf eigene Faust zu versuchen.”

Aber mit Partnern aus unterschiedlichen Ländern einen Film zu produzieren erfordert ganz bestimmte Fähigkeiten, so Judith weiter. “Es ist wirklich hilfreich, wenn man mit den unterschiedlichen beteiligten Persönlichkeiten vertraut ist. Außerdem braucht man Kreativität, um schwierige Situationen zu überwinden. Das kann wirklich hilfreich sein.”

Wladimer hat herausgefunden, dass erfolgreiche Zusammenarbeit unerlässlich ist, wenn man einen guten Film machen will: “Co-Produktion bedeutet für mich Partnerschaft”, erklärt er. “Man baut eine Beziehung auf. Es entwickelt sich eine Freundschaft. Einen Film zu machen ist eine schwierige Sache. Es gibt jede Menge Probleme. Ohne einen Partner, mit dem man die Sache teilen kann, wird es zu einem Alptraum.”

Aber es können auch süße Träume dabei herauskommen. In den vergangenen drei Jahren hat die Hälfte der teilnehmenden Produzenten schließlich Partner für mehr als 30 Filmprojekte gefunden. Und vielleicht erleben wir auch jetzt wieder “den Beginn einer wunderbaren Freundschaft”.