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Nobelpreisträger treffen auf ihre möglichen Nachfolger

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Nobelpreisträger treffen auf ihre möglichen Nachfolger

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Diese 4 jungen Wissenschaftler sind sehr aufgeregt.
Sie gehören zu einer Gruppe von 580 jungen Forschern, die die Chance bekommen, 27 Nobellpreisträger zu treffen.
EMMA MARTÍNS RODRIGUEZ aus Spanien sagt:
“Es ist schon aufregend, einen Nobelpreisträger zu treffen. Aber gleich 27 zu treffen, das hätte ich nie auf der Welt für möglich gehalten.”
Die jungen Forscher kommen von überall auf der Welt an den Bodensee zum 62. Treffen der Nobelpreisträger in Lindau. Dieses alljährliche Sommertreffen der weltbesten Wissenschaftler wurde 1951 begründet, um deutschen Forschern nach der von der Hitlerdiktatur verordneten Isolation wieder Kontakte zu ihren Kollegen weltweit zu erleichtern. 1955 gehörten die am Bodensee versammelten Wissenschaftler zu den ersten, die die Welt vor einem atomaren Wettrüsten warnten. Im Jahr 2000 wurde die “Stiftung Lindauer Nobelpreisträgertreffen am Bodensee” auf Initiative des damaligen deutschen Bundespräsidenten Roman Herzog, der Familie Bernadotte sowie von Nobelpreisträgern gegründet. Der Stifterversammlung gehören inzwischen über 200 Nobelpreisträger an. Zu ihren Hauptaufgaben gehört die „Mission Education“, die jungen Wissenschaftlern die Begegnung mit den ganz Großen ihres Fachs ermöglicht. Das diesjährige Treffen ist den Physikern gewidmet. Hier geht es um den Dialog, der die jungen Forscher motivieren soll. Der Biophysiker Erwin Neher bekam den Nobelpreis 1991. Und jetzt will er eine Woche mit den jungen Kollegen aus seinem Fach verbringen. Die deutsche Doktorandin ANDREA THAMM sagt nach so einem Gedankenaustausch: “Ich denke, Professor Neher war wirklich nett und umgänglich. Er hat alle unsere Fragen beantwortet, die wissenschaftlichen ebenso wie die Fragen zu seinem Leben und zum Nobelpreis. Es ist wirklich ermutigend, zu wissen, dass so jemand so erfolgreich ist, dass sie alle trotzdem Menschen geblieben sind, nett und umgänglich, mit denen man ganz normal sprechen kann.”
Diese vier Studenten wurden von der EU-Kommission ausgewählt. Sie bekommen alle das Marie-Curie-Stipendium. Das ist Teil des Programms der EU zur Unterstützung von Forscher-Karrieren.
Die europäische Ausbildungsförderung erlaubt es Daniel Ramos, 2 Jahre an der Harvard University zu forschen. Er spricht über das unterschiedliche Herangehen in den USA und in Europa: “In Europa werden die Projekte gesponsert mit Blick auf das Ergebnis. Man muss ein Ergebnis liefern, um ein Projekt zu haben. Darum neigen die Leute dazu, kein Risiko einzugehen. Bei meiner Arbeit kann man von “Hoch-Risiko-Wissenschaft” sprechen.
Möglicherweise komme ich nicht zu den Ergebnissen, die ich haben will. Aber ich kann ein Zwischerergebnis erreichen. In Europa ist es schwierig, so eine Idee zu verkaufen und für so ein Projekt öffentliche Gelder zu bekommen.”
Zum Treffen gehört auch ein gemeinsamer Ausflug auf die Blumeninsel Mainau im Bodensee.
Dabei kommen sie auch mit Firmen in Kontakt, die wissenschaftliche Ergebnisse zu Prototypen oder Modellen verarbeiten, die sie dann an die Industrie verkaufen. Andrea ist eine der jüngsten Teilnehmerinnen. Sie promoviert zur Zeit am Cern, dem europäischen Institut für Teilchenphysik in Genf. Ihr Gebiet ist die theoretische Physik. Sie sagt: “In 5 Jahren kann ich meinen Doktor haben und darauf aufbauend weiterarbeiten. Ich hoffe aber, dass ich dann zurück kann ans CERN, denn das ist der Zentrum der Teilchen-Welt.”
Das CERN ist Europas erfolgreichste Wissenschaftseinrichtung. Das Forscherleben ist aber nicht immer leicht, weil viele Forscher erst einmal die Mittel für ihre Arbeit einwerben müssen.
EMMA MARTÍNS RODRIGUEZ hat die Erfahrung gemacht: “Die ersten Jahre sind für einen Forscher sehr hart, weil man nicht weiß, wie es weitergeht, wenn der Zweijahresvertrag ausläuft.”
Das Treffen der Nobelpreisträger in Lindau ist den globalen Fragen gewidmet. Es findet seit 1951 in jedem Sommer statt. Diesmal endete es mit einer wissenschaftlichen Debatte über die Probleme von Energierspeicherung und -bereitstellung.
Junge Wissenschaftler wie der Deutsche Daniel Brunner konnten hier ihre Fragen stellen.
“ Ich denke, wir werden in der Lage sein, das Problem der Energiebereitstellung zu lösen.
Ideologisch hat sich da einiges geändert. Man könnte sagen, die Menschen sind vertrauensvoller geworden und die Wissenschaftler wurden ermutigt, an diesen Problemen zu arbeiten, die lösbar sind.”
Das so stark von fossilen Rohstoffen abhängige Europa braucht solche Aufbruchstimmung.
Die Nobelpreisträger, die nach Lindau kamen, brachten reichlich Anregungen mit. Jetzt sind die jungen Forscher an der Reihe. Es ist an ihnen, neue Wege zu finden, die nächsten wissenschaftlichen Herausforderungen anzugehen.