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Lesen für die Zukunft

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Lesen für die Zukunft

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Die “Arab Thought Foundation” schätzt, dass die meisten Menschen in der arabischen Welt weniger als sechs Minuten im Jahr damit verbringen, ein Buch zu lesen. Aber es gibt Projekte, die etwas dagegen unternehmen. Wir besuchen zwei in Polen und Jordanien, die das Lesen bei Kindern fördern und wir sprechen mit einem Experten.

Polen: Geschichten vorlesen

Irena Koźmińska ist die Gründerin von “ABCXXI”. Seit 2001 organisiert die Stiftung die landesweite Aktion “Ganz Polen liest Kindern vor”. Neben Krankenhäusern und Gefängnissen nehmen auch 2700 Vorschulen und Schulen an der Initiative teil. Die Ergebnisse der Stiftung sind ermutigend: Nach zehn Jahren Laufzeit der Kampagne lesen 54 Prozent der polnischen Eltern regelmäßig mit ihren Kindern, 20 Prozent sogar täglich.

Für mehr Infos:
http://allofpolandreadstokids.org/history-in-brief

Frankreich: Sprache und Sinn

Wenn also eine frühe Leseförderung wünschenswert ist, wie kommt man dahin? Unterrichtet man Laute, Worterkennung? Wir fragen Alain Bentolila, Professor für Linguistik an der Universität Paris Descartes.

Alain Bentolila: “Der Prozess des Lesenlernens in Frankreich oder anderswo beginnt folgendermaßen: Sie haben ein Kind von mindestens sechs Jahren. Während der ersten sechs Jahre seines Lebens hat es sprechen gelernt und, um seine Umwelt zu verstehen, hat es sich ein mündliches mentales Wörterbuch angelegt. Was ist das? Ein mentales Wörterbuch ist ein mündliches Wörterbuch in dem eine Lautfolge z.B. T-i-s-c-h einer Bedeutung entspricht. Wenn Sie zu dem Kind also das Wort “Tisch” sagen, dann empfängt es die Töne, aus dem das Wort besteht und es wird in der Lage sein, den Sinn zu verstehen. Sie sehen also, dass alles vom Reichtum des mentalen Wörterbuchs abhängt”.

Jordanien: die Verbreitung des Worts

Und wenn Sie sich fragen, was sechs Minuten lesen pro Jahr in der arabischen Welt bedeutet – es entspricht einer halben Seite. Das ist schockierend. Wir treffen eine Frau, die in Jordanien etwas dagegen unternimmt und den Verein “We love reading” gegründet hat. Um Kinder ans Lesen heranzuführen, hatte Rana eine einfache Idee: Sie richtete mobile Bibliotheken in Moscheen ein. Jede Woche wird eine Lesung organisiert. Und die Kinder können sich dann ein Buch ihrer Wahl ausleihen.

Weil Rana nicht alle Mütter in Jordanien erreichen kann, bildet sie Botschafter aus. Bis heute sind 534 Frauen geschult und mehr als 100 Bibliotheken im ganzen Land gegründet worden.

Für mehr Infos:
http://welovereading.org/